Wenn «O du fröh­li­che» plötz­lich cool klingt

Die Weih­nachts­lie­der von Dub Spen­cer & Tran­ce Hill sind fa­mos ver­peilt.

Tages Anzeiger - - Zürich - Tho­mas Wyss

Die schwarz­hu­mo­ri­gen Sket­ches der bri­ti­schen Come­dy­trup­pe Mon­ty Py­thon’s Fly­ing Cir­cus, Pier Pao­lo Pa­so­li­nis Skan­dal­film «Salò o le 120 gior­na­te di So­do­ma» oder Weih­nachts­lie­der – all dies sind an­er­kann­te Kul­tur­leis­tun­gen, die die Men­schen in zwei La­ger spal­ten: Ent­we­der man fin­det sie gross­ar­tig, oder man fin­det sie ab­scheu­lich – da­zwi­schen gibt es nichts.

Im bes­ten Sinn schräg

Jetzt aber gibt es ein Fünk­chen (oder pas­sen­der: ein Stern­chen) Hoff­nung, zu­min­dest für al­le Weih­nachts­lied­ge­pei­nig­ten die­ser Welt. Die­ses Stern­chen er­reicht die Men­schen in Form ei­ner Mu­sik­cd, sie trägt den fan­cy Ti­tel «Christmas in Dub» und stammt von der in Zü­rich und Luzern be­hei­ma­te­ten Com­bo Dub Spen­cer & Tran­ce Hill, be­ste­hend aus Mar­kus Mei­er (Gi­tar­re, Ban­jo), Phil­ipp Gre­ter (Key­board, Ör­ge­li, Me­lo­di­ca, Dubs), Ma­si Stalder (E­bass), Ju­li­an Dil­lier (Schlag­zeug) und Um­ber­to Echo (Misch­pult).

Die na­ment­li­che Ver­nei­gung vor den ori­gi­nell ver­spiel­ten Lein­wand­hel­den Bud Spen­cer und Te­rence Hill ist in­so­fern stim­mig, als dass sich die 2003 als Trio ge­grün­de­te Band seit je ei­gen­wil­li­gen und im bes­ten Wort­sinn schrä­gen Pro­jek­ten ver­schreibt – 2011 war dies das Al­bum «The Cla­shi­fi­ca­ti­on of Dub», das Stü­cke der kul­ti­gen eng­li­schen Punk­band The Clash wie «Guns of Brix­ton» oder «Lon­don Cal­ling» in smoo­the und doch oft groo­ven­de in­stru­men­ta­le Dub­ver­sio­nen um­in­ter­pre­tier­te. Und 2014, an­läss­lich des 100. Ge­burts­tags von Wil­li­am S. Bur­roughs, ver­öf­fent­ lich­ten die Mu­si­ker das Werk «Bur­roughs in Dub», das von Bur­roughs him­s­elf ge­le­se­ne Text­pas­sa­gen mit psy­che­de­lisch­trip­pi­gen Sounds un­ter­leg­te. Nicht nur von Fans die­ser Bea­tGe­ne­ra­ti­on­iko­ne wur­de es be­geis­tert auf­ge­nom­men. Die Ein­schät­zung von Ra­dio SRF 3, Dub Spen­cer & Tran­ce Hill wür­den in­zwi­schen zu den be­kann­tes­ten Dub­for­ma­tio­nen Eu­ro­pas zäh­len, ist si­cher nicht falsch.

«Si­lent Night Dub»

Je­den­falls hat man sich nun eben wie be­reits er­wähnt an den Hei­lig­abend und des­sen himm­li­sches und hym­ni­sches Lied­gut ran­ge­macht. Da­bei sind es vor al­lem Klas­si­ker wie «O du fröh­li­che» (der nun «Oh How Joy­ful­ly Dub» heisst), «Jing­le Bells», «Ihr Kin­der­lein kom­met» («Oh Co­me, Litt­le Child­ren Dub»), «Stil­le Nacht» («Si­lent Night Dub») oder «We Wish You a Mer­ry Christmas», die nun, stets den wum­mern­den Bass vor­an, fröh­lich ver­peilt oder lus­tig be­kifft aus den Laut­spre­chern groo­ven; no­ta­be­ne al­le­samt rein in­stru­men­tal, so­dass man sie gar als Ka­rao­ke­ver­sio­nen für ei­nen viel­stim­mi­gen Sing­sang ein­set­zen könn­te. Auch wenn ein­ge­stan­den wer­den muss, dass den Me­lo­di­en durch den dub­by Style das (be­)sinn­li­che Ele­ment ein we­nig flö­ten geht, muss man klar fest­hal­ten: So cool und frisch ha­ben die­se mu­si­ka­li­schen Im­mer­grüns echt noch nie ge­klun­gen.

Dub Spen­cer & Tran­ce Hill: Christmas in Dub (Echo Beach / Pro­log Re­cor­ds). Cd-tau­fe: heu­te, 19.30 Uhr, Moods Club.

Fo­to: Jörg Brandt

Die Be­sinn­lich­keit der Evergreens ist bei den Ver­sio­nen der Dub-for­ma­ti­on ein we­nig flö­ten ge­gan­gen.

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