Zü­rich braucht neue Ide­en

Tages Anzeiger - - Bellevue - Mit­re­den: blog.ta­ges­an­zei­ger.ch Alex Flach ist auch Club­pro­mo­tor,

In die­sen Wo­chen be­geht das Hi­ve sei­nen drei­zehn­ten Ge­burts­tag, der Su­per­mar­ket hat den zwan­zigs­ten ge­fei­ert, und auch die Zu­kunft muss nicht mehr lan­ge war­ten, bis die jüngs­ten Gäs­te gleich alt sind wie der Club selbst. Das Kauf­leu­ten gibts seit über zwan­zig Jah­ren und das Mas­cot­te, der Me­thu­sa­lem des Zürcher Nacht­le­bens, kann auf über hun­dert Par­ty­jah­re zu­rück­bli­cken. Die letz­te nen­nens­wer­te Club­er­öff­nung im Hou­se- und Tech­no-be­reich war je­ne des Spa­ce­mon­ki vor ei­nem Jahr. Klaus, der zweit­jüngs­te Zürcher Elec­tro­ni­caClub, wur­de vor drei Jah­ren er­öff­net.

Wer sein ei­ge­nes Tanz­lo­kal er­öff­nen möch­te und sich zwecks Eva­lua­ti­on bei er­fah­re­nen Club­ma­chern um­hört, darf nicht auf er­mu­ti­gen­de Wor­te hof­fen. Wer er­war­te, das ers­te Jahr in den schwar­zen Zah­len ab­zu­schlies­sen, sei ein Fan­tast. Die Kon­kur­renz sei rie­sig, egal, auf wel­ches Mu­sik­gen­re man sich spe­zia­li­sie­re. So­ci­al Me­dia ha­be das An­ban­deln im Club ab­ge­löst und so­wie­so: Die Leu­te wür­den heu­te lie­ber Quorn es­sen und im Fit­ness­stu­dio schwit­zen als Al­ko­hol trin­ken und im Club tan­zen.

Der Al­ko­hol­kon­sum ist tat­säch­lich seit Jah­ren rück­läu­fig. Hand­kehrum kom­men stän­dig neue Gins und Wod­kas auf den Markt, und für die meis­ten ist die Wahl zwi­schen Fit­ness­stu­dio und Club kein Ent­we­der-oder: Ir­gend­wo muss man den trai­nier­ten Bo­dy ja vor­füh­ren. Zu­dem: Der gros­se Hy­pe um Face­book, Tin­der & Co. scheint sich dem En­de zu­zu­nei­gen, und so­lan­ge man im Netz nicht es­sen, trin­ken und Sex ha­ben kann, bleibt das ech­te Le­ben un­schlag­bar. Da wä­re aber auch noch das Hin­der­nis «Be­hör­den». Die wür­den das Nacht­le­ben re­gu­lie­ren, wos nur geht, und da­bei öf­ter übers Ziel hin­aus­schies­sen. Et­wa mit der ver­schärf­ten Be­wil­li­gung für Be­trie­be mit Öff­nungs­zei­ten nach Mit­ter­nacht. Aber ei­gent­lich ist al­les halb so wild. Mit Zürcher Be­am­ten kann man re­den. Die Stadt­ver­wal­tung hat ein­ge­se­hen, dass die Nacht­ru­he nicht das ers­te Qua­li­täts­merk­mal ur­ba­nen Le­bens ist.

Der Stadt feh­len aber die New­co­mer, ei­ne neue Ge­ne­ra­ti­on Nacht­le­ben­der mit dem Fai­b­le für akri­bi­sche Pla­nung, Wil­le und Mut, ih­ren Traum trotz (ver­meint­li­cher) Wid­rig­kei­ten in ei­nen Club zu ver­wan­deln. Dies ist der wah­re Grund, war­um es auf Club­Ebe­ne sta­tisch ge­wor­den ist und wes­halb die Zürcher Par­ty­ge­sell­schaft nur noch sel­ten über­rascht wird.

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