So viel Zeit muss sein

Wer wie die Stern­deu­ter schenkt, wird selbst be­schenkt. Nein, es geht hier nicht um Gold, Weih­rauch und Myr­rhe.

Tages Anzeiger - - Bellevue - Ga­b­ri­el­la Ho­fer

Schön, dass Sie die­se Zei­len le­sen! Da­mit schen­ken Sie mehr als acht­zig Men­schen ei­ne Mi­nu­te Ih­rer wert­vol­len Zeit. Sie ha­ben es ver­dient, denn sie ha­ben Freu­de be­rei­tet: rund sieb­zig Kin­der, zwei Ka­te­che­tin­nen, ei­ne Or­ga­nis­tin, ein Haus­wart, drei Kö­chin­nen, vie­le frei­wil­li­ge Saal­hil­fen und ein Pfar­rer. Oh­ne es vor­gän­gig her­aus­zu­po­sau­nen, ha­ben sie teil­wei­se in ih­rer Frei­zeit Tex­te ge­le­sen, Lie­der ein­stu­diert, Räu­me und Ti­sche ge­schmückt, ki­lo­wei­se Pen­ne und Sau­cen ge­kocht und zu­sam­men mit Müt­tern und Vä­tern an ei­nem ge­wöhn­li­chen Werk­tag zwei St­un­den über Mit­tag mit­ein­an­der ge­fei­ert. Kei­ne Show. Oh­ne Schein­wer­fer­licht. Ge­mein­schaft.

«Schen­ken wir ein­an­der Zeit!» Die Auf­for­de­rung ist Pro­gramm an die­sem Mitt­woch nach dem Drei­kö­nigs­tag. Die Pfar­rei Drei­kö­ni­gen in der En­ge lädt das Quar­tier zum Fa­mi­li­en­got­tes­dienst mit Pas­ta­es­sen an die Schul­haus­stras­se 22 ein. Wir er­fah­ren, dass die Stern­deu­ter aus dem Mor­gen­land (Mt 2,1–12) zu­nächst lan­ge die Him­mels­kör­per be­ob­ach­tet ha­ben, be­vor sie den Weg nach Beth­le­hem auf sich ge­nom­men ha­ben. Sie ha­ben Gold, Weih­rauch und Myr­rhe ge­bracht, aber vor al­lem ha­ben sie sich für das Kind Zeit ge­nom­men. Sie ha­ben sich ihm ge­schenkt – und da «wur­den sie von sehr gros­ser Freu­de er­füllt».

Die Pri­mar­schü­ler vom Schul­haus Ga­bler ha­ben we­gen ei­ner Wei­ter­bil­dung der Leh­rer­schaft heu­te ganz­tags schul­frei. Die 70 Un­ti-kin­der neh­men sich an die­sem Tag Zeit für die Drei­kö­nigs­nach­fei­er, ein frei­wil­li­ges An­ge­bot der ka­tho­li­schen Kir­che in der En­ge. «Mit so vie­len Kin­dern ha­be ich nicht ge­rech­net», sagt Ros­sel­la Din­kel­mann. Seit drei Jah­ren lei­tet sie die Ka­te­che­se und Ju­gend­ar­beit. «Sie kann die Jun­gen be­geis­tern», weiss Or­ga­nis­tin Ros­wi­tha Häch­ler. «Seit sie bei uns ist, kom­men die Kin­der scha­ren­wei­se.» In den ad­vent­li­chen Ro­ra­te-mes­sen mor­gens um 6 Uhr sei­en je­weils et­wa 120 Kin­der da­bei ge­we­sen.

Oh­ne Stopp­uhr

Heu­te ge­stal­ten die 6- bis 12-Jäh­ri­gen den Gross­teil des Fa­mi­li­en­got­tes­diens­tes. Die Mäd­chen und Bu­ben zie­hen ge­mein­sam in die Kir­che ein, ei­ni­ge von ih­nen er­öff­nen die Mes­se mit den Chris­tus­ru­fen, an­de­re la­den zum Ge­bet ein, wie­der an­de­re spre­chen die Für­bit­ten, al­le zu­sam­men tre­ten sie als Chor auf. Al­les tipp­topp – und mit ei­ner fröh­li­chen Lo­cker­heit und leuch­ten­den Au­gen. Pa­ter Ju­li­us Zihl­mann teilt die Kom­mu­ni­on aus, sagt: «Wenn man sich Zeit nimmt für Je­sus, än­dert sich et­was – zum Gu­ten.» Sich Zeit neh­men für­ein­an­der, heis­se auch mit­ein­an­der in Frie­den le­ben.

Der 60-jäh­ri­ge Zihl­mann lei­tet die Pfar­rei Drei­kö­ni­gen seit ver­gan­ge­nem Sep­tem­ber. Er will sich Zeit neh­men für die Men­schen, Haus­be­su­che ma­chen, zu­hö­ren und mit­tra­gen. «Und zwar oh­ne Stopp­uhr.»

Fo­to: Do­mi­ni­que Mei­en­berg

Kir­che Drei­kö­ni­gen: Zeit für die Ge­mein­schaft.

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