Wird der Let­zi­grund zum Rug­by-sta­di­on?

Sport Der Ge­mein­de­rat for­dert, das Sta­di­on je­nen zu ge­ben, die heu­te zu kurz kom­men.

Tages Anzeiger - - Vorderseit­e - Ma­ri­us Huber

Sport Wenn die Zürcher Pro­fi­fuss­bal­ler ins neue Hard­turm­sta­di­on um­zie­hen, soll der Let­zi­grund zur Heim­stät­te von an­de­ren Sport­ar­ten wer­den: Rug­by, Ame­ri­can Foot­ball und Frau­en­fuss­ball. Das hat der Zürcher Ge­mein­de­rat be­schlos­sen, und die Stadt­re­gie­rung zeigt sich of­fen für die Idee. Zum Knack­punkt könn­ten die Kos­ten wer­den: Das Rug­by-team der Gras­shop­pers – ob­wohl Schwei­zer Meis­ter – kann sich der­zeit nur we­ni­ge Tau­send Fran­ken Platz­mie­te leis­ten. Die SP möch­te, dass der Let­zi­grund künf­tig auch für die Be­völ­ke­rung ge­öff­net wird.

In we­ni­gen Ta­gen be­ginnt ei­ne der gröss­ten Sport­ver­an­stal­tun­gen des Pla­ne­ten: die Rug­by­WM. In Zü­rich aber fris­tet die­ses Spiel, das man­che als at­trak­ti­ve­re Al­ter­na­ti­ve zum Fussball se­hen, ein Ni­schen­da­sein. Das könn­te sich än­dern nach ei­nem gest­ri­gen Ent­scheid des Zürcher Ge­mein­de­rats, der von den Grün­li­be­ra­len an­ge­stos­sen wur­de. Sie ver­lang­ten, den Let­zi­grund zur Hei­mat von Ra­sen­sport­ar­ten wie Rug­by und Ame­ri­can Foot­ball zu ma­chen, so­bald die Pro­fi­fuss­bal­ler ins neue Hard­turm­sta­di­on um­ge­zo­gen sei­en.

Glp-ge­mein­de­rä­tin Isa­bel Gar­cia strich her­aus, was vie­le in die­ser Stadt noch nicht re­gis­triert ha­ben: Die Zu­schau­er fän­den mehr und mehr Ge­fal­len an die­sen bei­den Sport­ar­ten, und die Zürcher Mann­schaf­ten ge­hö­ren lan­des­weit zur Spit­ze.

Im Rug­by stel­len die Gras­shop­pers so­gar den ak­tu­el­len Schwei­zer Meis­ter. Wäh­rend sich die Gc-fuss­bal­ler auf ei­ne zweit­klas­si­ge Sai­son vor­be­rei­te­ten, ge­wann das Rug­byteam im Ju­ni ge­gen Nyon zum zwei­ten Mal den Ti­tel. Und das in ei­ner Li­ga, die sonst von Teams aus der Ro­man­die do­mi­niert wird, wo der Ein­fluss der Rug­by-gross­macht Frank­reich spür­bar ist. Und im Ame­ri­can Foot­ball sind die Re­ne­ga­des, einst mehr­fa­cher Schwei­zer Meis­ter, ge­ra­de wie­der in die höchs­te Spiel­klas­se zu­rück­ge­kehrt.

«Da ist wirk­lich noch Sport»

Die Idee, sol­chen Teams im Let­zi­grund ei­nen wür­di­gen Rah­men zu bie­ten, stiess im Rat fast durchs Band auf Wohl­wol­len. Der Stadt­rat muss nun prü­fen, was mög­lich ist. Auf In­sis­tie­ren der FDP wur­de die­ser Auf­trag aus­ge­wei­tet auf an­de­re Mann­schafts­sport­ar­ten, die heu­te zu kurz kom­men. Pre­pa­rim Avi­li sag­te, dass man ins­be­son­de­re auch dem Frau­en­fuss­ball ei­ne Platt­form bie­ten könn­te. Die­se Aus­sich­ten be­geis­ter­ten SVP-GE­mein­de­rat Bern­hard im Ober­dorf, weil die­ser der Mei­nung ist, dass der Fussball der Frau­en «wirk­lich noch Sport» sei und nicht bloss «Busi­ness». Er wün­sche ih­nen viel mehr Zu­schau­er. Zü­rich scheint be­reit für al­ter­na­ti­ve Sport­an­ge­bo­te im Let­zi­grund, das zeig­ten auch an­de­re eu­pho­ri­sche Vo­ten.

Noch ei­nen Schritt wei­ter geht die SP: Sie ver­langt vom Stadt­rat, zu prü­fen, ob der Let­zi­grund künf­tig auch für die Be­völ­ke­rung wie­der ge­öff­net wer­den kön­ne. So, wie das einst ver­spro­chen war, be­vor we­gen der Fuss­ball­fans und der Py­ro-pro­ble­ma­tik ein Zaun hoch­ge­zo­gen wur­de. Die FDP ist skep­tisch. Sie sorgt sich we­gen kost­spie­li­ger Schä­den an der schnel­len Lauf­bahn, auf die das Leicht­ath­le­tik-mee­ting an­ge­wie­sen sei.

Kos­ten sind der Knack­punkt

Josh Bjorn­son, der Prä­si­dent der Gc-rug­by-sek­ti­on, fän­de es gross­ar­tig, wenn sein Team in Zu­kunft im Let­zi­grund spie­len könn­te statt wie heu­te auf ei­nem Feld in der All­mend Br­u­nau am Stadt­rand. Al­ler­dings hat er Zwei­fel, ob der Um­zug fi­nan­zi­ell trag­bar wä­re. Der Platz in der All­mend kos­tet den Rug­by-club et­wa 5000 Fran­ken pro Jahr, hin­zu kom­men 3000 Fran­ken für ei­nen Trai­nings­platz in Küs­nacht wäh­rend des Win­ters. Viel mehr lie­ge man­gels Spon­so­ren zur­zeit nicht drin, die Rug­by-sek­ti­on fi­nan­zie­re sich vor al­lem über Mit­glie­der­bei­trä­ge und ei­ne jähr­li­che Grill­par­ty.

Bjorn­son kann sich des­halb vor­stel­len, den Let­zi­grund in ei­nem ers­ten Schritt als Spiel­stät­te für das Na­tio­nal­team zu nut­zen, um Wer­bung für den Sport zu ma­chen. Als die auf­stre­ben­de Schwei­zer Mann­schaft vor fünf Jah­ren in ei­nem Ent­schei­dungs­spiel den Auf­stieg in ei­ne hö­he­re Di­vi­si­on schaff­te, zog dies ei­ne Men­ge Zu­schau­er ins Zürcher Kle­in­sta­di­on Uto­grund. Bjorn­son be­stä­tigt den Ein­druck, dass Rug­by hier po­pu­lä­rer wird. Das lie­ge nicht nur an Ex­pats und Zu­wan­de­rern aus Län­dern mit lan­ger Rug­by-tra­di­ti­on. Der An­teil an Schwei­zer Spie­lern sei bei den Gras­shop­pers in­nert gut zehn Jah­ren von rund 40 auf 70 Pro­zent ge­stie­gen.

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