In Zug – und nicht in Zürich – ver­die­nen An­ge­stell­te am meis­ten

Lohn­ver­gleich In al­len Bran­chen be­le­gen die Zen­tral­schwei­zer beim Sa­lär den na­tio­na­len Spit­zen­platz. Den Aus­schlag ge­ben tie­fe Steu­ern, gu­tes Per­so­nal und die zen­tra­le La­ge. Das zeigt ei­ne Ta­me­dia-ana­ly­se.

Tages Anzeiger - - Vorderseit­e - Ro­bert May­er

Mehr als 8000 Fran­ken je­den Mo­nat: Sol­che Durch­schnitts­löh­ne er­hält, wer im Kan­ton Zug und in der Stadt Zürich im Ban­ken­ und Fi­nanz­sek­tor, in der In­for­ma­tik und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on oder – im Fall von Zug – in der Me­di­zi­nal­tech­nik be­schäf­tigt ist. Das zeigt ei­ne Aus­wer­tung von Da­ten der Lohn­ana­ly­se­platt­form Lohn­check.ch.

An­ge­stell­te ver­die­nen in Zug über­dies nicht nur in aus­ge­wähl­ten Hoch­lohn­bran­chen so viel wie nir­gend­wo sonst in der gan­zen Schweiz. Die Zen­tral­schwei­zer lie­gen in sämt­li­chen Wirt­schafts­zwei­gen auf dem Spit­zen­platz. So weist Lohn­check.ch für Zu­ger Bank­an­ge­stell­te ei­nen durch­schnitt­li­chen Lohn von 8635 Fran­ken für ein Voll­zeit­pen­sum aus. In der Gas­tro­no­mie be­trägt der Zu­ger Me­di­an­lohn 4768 Fran­ken.

Dass der In­ner­schwei­zer Kan­ton auch be­züg­lich Stand­ort­qua­li­tät für Un­ter­neh­men re­gel­mäs­sig ei­nen Spit­zen­platz be­legt in der Kan­tons­rang­lis­te der Cre­dit Suis­se, ist kein Zu­fall. Jan Schüp­bach, Cs­öko­nom für re­gio­na­le Ana­ly­sen, er­in­nert dar­an, dass sich in den letz­ten Jah­ren Fir­men mit ho­her­wert­schöp­fung in Zug nie­der­ge­las­sen ha­ben – et­wa aus den Be­rei­chen Roh­stoff­han­del, Phar­ma, Me­di­zi­nal­tech­nik und In­for­ma­tik. «Sie schät­zen die ge­rin­ge Steu­er­be­las­tung», so Schüp­bach, «aber auch die ho­he Ver­füg­bar­keit an qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal, die gu­te Ver­kehrs­an­bin­dung und die Nä­he zum Flug­ha­fen.» Die Sog­wir­kung Zugs wir­ke sich po­si­tiv auf die Löh­ne aus. «Zu­erst und am stärks­ten gilt dies für Bran­chen mit ho­her Wert­schöp­fung», sagt der Cs­öko­nom. «In ih­rem Fahr­was­ser pro­fi­tie­ren auch struk­tur­schwä­che­re Be­rei­che.»

Die höchs­ten Löh­ne hier­zu­lan­de wer­den nicht in der Stadt Zürich be­zahlt. Das Schwei­zer Wirt­schafts­zen­trum liegt dies­be­züg­lich auf Platz zwei. Am meis­ten ver­dient, wer im Kan­ton Zug ar­bei­tet. Das gilt un­be­se­hen von der Bran­che: Ob pri­va­te oder öf­fent­li­che Hand, Di­enst­leis­tungs­oder In­dus­trie­sek­tor, Tief- oder Hoch­lohn­be­reich – aus­nahms­los führt Zug die Rang­lis­te an.

In der Stadt Ba­sel gibt es die dritt­höchs­ten Löh­ne im Land, da­hin­ter ran­giert der Kan­ton Genf. Auch die­se Rang­fol­ge lässt sich über al­le 16 ein­be­zo­ge­nen Wirt­schafts­zwei­ge be­ob­ach­ten. Erst mit ei­nem ge­wis­sen Ab­stand folgt die Stadt Bern.

Die­se Da­ten sind der Lohn­ana­ly­se-platt­form Lohn­check.ch zu ent­neh­men. Sie er­mög­licht es, je­weils zwei von fünf Ein­fluss­fak­to­ren auf die Lohn­hö­he – Ge­schlecht, Bran­che, Ar­beits­ort, Job­funk­ti­on und Be­rufs­er­fah­rung – be­lie­big mit­ein­an­der zu kom­bi­nie­ren. In un­se­rem Bei­spiel sind Ar­beits­ort und Bran­che ein­an­der ge­gen­über­ge­stellt. Bei den aus­ge­wie­se­nen Löh­nen han­delt es sich um Me­di­an­wer­te für Voll­zeit­pen­sen. Der Me­di­an­lohn ist je­ner Durch­schnitts­lohn, bei dem 50 Pro­zent der be­ob­ach­te­ten Ge­samt­heit mehr und die an­de­ren 50 Pro­zent we­ni­ger ver­die­nen.

Bun­des­stadt liegt zu­rück

Mit Zug, Zürich und Ba­sel-stadt be­le­gen je­ne Kan­to­ne die Spit­zen­plät­ze beim Lohn, die auch in der jähr­li­chen Kan­tons­rang­lis­te der Cre­dit Suis­se re­gel­mäs­sig am bes­ten ab­schnei­den. Die Gross­bank be­misst die Stand­ort­qua­li­tät der Kan­to­ne aus Un­ter­neh­mer­sicht, et­wa an­hand der Steu­er­be­las­tung, der Ver­füg­bar­keit von hoch qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten und der ver­kehrs­tech­ni­schen An­bin­dung. Wer­den dank die­ser Ein­flüs­se neue Fir­men an­ge­lockt – wie das in den letz­ten Jah­ren be­son­ders in Zug zu be­ob­ach­ten ist –, treibt das über kurz oder lang die Löh­ne in die Hö­he.

Die Par­al­le­li­tät von Stand­ort­gunst und Lohn­hö­he zeigt sich aber auch in um­ge­kehr­ter Rich­tung: Schluss­licht in der CSKan­tons­rang­lis­te wie bei den meis­ten Bran­chen­löh­nen ist der Kan­ton Ju­ra. Als Tief­lohn­kan­ton er­weist sich fer­ner Ap­pen­zell In­ner­rho­den.

Ge­mäss den Da­ten ver­die­nen Mit­ar­bei­ten­de im Ban­ken- und Fi­nanz­sek­tor in der Stadt Zürich durch­schnitt­lich 8356 Fran­ken, in der Stadt Ba­sel sind es 7958 Fran­ken, für Bern wer­den 7285 Fran­ken aus­ge­wie­sen und für St. Gal­len 7090 Fran­ken. Wer im Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau ar­bei­tet, kann für die Städ­te mit durch­schnitt­lich 7087 Fran­ken (Zürich), 6739 Fran­ken (Ba­sel), 6319 Fran­ken (Bern) und 6192 Fran­ken (St. Gal­len) rech­nen.

Aus den Lohn­check-da­ten lässt sich wei­ter ent­neh­men, dass das Lohn­ni­veau in Kan­to­nen wie Aar­gau, Schwyz und Tes­sin über die ver­schie­de­nen Bran­chen hin­weg zu­meist ähn­lich hoch oder (leicht) hö­her ist als in der Stadt Bern. Aus­nah­men sind die Bran­chen Bau­ge­wer­be/im­mo­bi­li­en und Ge­wer­be/hand­werk, in de­nen im Tes­sin – wohl auf­grund der Nä­he zum ita­lie­ni­schen Ar­beits­markt – merk­lich ge­rin­ge­re Löh­ne üb­lich sind.

Bern weist in­so­fern ei­ne Be­son­der­heit auf, als die Me­di­an­löh­ne im länd­li­chen Raum über je­nen in der Stadt lie­gen. Da­mit un­ter­schei­det sich Bern von Zürich oder Ba­sel. Wäh­rend Zürich lohn­mäs­sig als Ban­ken- und Ver­si­che­rungs­platz pro­fi­tiert und Ba­sel als Stand­ort für Phar­ma­und Me­di­zi­nal­tech­nik­fir­men, kann die in Bern do­mi­nan­te öf­fent­li­che Ver­wal­tung bei der Be­zah­lung nicht mit­hal­ten.

Ban­ken zah­len am bes­ten

Auf­ge­schlüs­selt nach Bran­chen, ist es der Ban­ken- und Fi­nanz­sek­tor, der am bes­ten ent­lohnt. Da­hin­ter fol­gen In­for­ma­tik/te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on, Me­di­zi­nal­tech­nik so­wie Che­mie/phar­ma. Die Bran­chen mit den ge­rings­ten Löh­nen sind Gast­ge­wer­be/ho­tel­le­rie, De­tail-/gross­han­del so­wie Tou­ris­mus/rei­sen/frei­zeit.

In der Stadt Zürich er­streckt sich die Lohn­band­brei­te von 8356 Fran­ken im Ban­ken- und Fi­nanz­sek­tor bis zu 4677 Fran­ken in Gast­ge­wer­be/ho­tel­le­rie; da­zwi

schen lie­gen zum Bei­spiel die Ver­si­che­run­gen mit 7492 Fran­ken und De­tail-/gross­han­del mit 5420 Fran­ken. In Ba­sel reicht die Lohn­sche­re von 7958 Fran­ken (Ban­ken) bis 4593 Fran­ken (Gast­ge­wer­be), wo­bei für Che­mie/ Phar­ma ein Me­di­an­lohn von 7242 Fran­ken und für Trans­port/ Lo­gis­tik ein sol­cher von 5510 Fran­ken ge­nannt wird.

Was Bern be­trifft, so ste­hen den dor­ti­gen Bank­löh­nen von 7285 Fran­ken je­ne in Gast­ge­wer­be/ho­tel­le­rie von 4541 Fran­ken ge­gen­über; die öf­fent­li­che Ver­wal­tung kommt auf ei­nen Me­di­an­lohn von 6572 Fran­ken, der Be­reich Tou­ris­mus/rei­sen/frei­zeit auf 5305 Fran­ken.

Foto: Getty

Im In­ner­schwei­zer Kan­ton er­hält man in al­len Bran­chen die höchs­ten Löh­ne: Blick auf Zug.

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