Kin­der­ab­zug: Auch der Mit­tel­stand pro­fi­tiert

Vor al­lem bei der Be­täu­bung pas­sie­ren Feh­ler. Das zeigt ein neu­er Be­richt.

Tages Anzeiger - - Vorderseit­e -

Fak­ten­check Fa­mi­li­en mit ei­nem Brut­to­ein­kom­men von über 100 000 Fran­ken könn­ten bald bis zu 910 Fran­ken we­ni­ger Steu­ern zah­len: Das Par­la­ment will den Kin­der­ab­zug bei der di­rek­ten Bun­des­steu­er er­hö­hen. Die SP stört das: «Das ist ein rei­ner Bo­nus für Top­ver­die­ner.» Stimmt das? Ge­mäss neu­es­ten Zah­len wür­den auch mit­tel­stän­di­sche Fa­mi­li­en vom Ab­zug pro­fi­tie­ren, in den Ge­nuss des vol­len Be­trags kä­men so­gar die obers­ten Mit­tel­ständ­ler. Die SP ruft da­mit ei­nen be­trächt­li­chen Teil ih­rer Wäh­ler auf, ge­gen das ei­ge­ne Porte­mon­naie zu stim­men.

Die Vi­de­os aus West­schwei­zer Schlacht­hö­fen wühl­ten vor ei­nem Jahr vie­le auf. Ver­öf­fent­licht hat­te sie die Or­ga­ni­sa­ti­on Pour l’ega­lité Ani­ma­le. Zu se­hen ist un­ter an­de­rem, wie Tie­re nur mit gröss­ten Schwie­rig­kei­ten be­täubt wer­den. Nun zeigt ein Be­richt des Bun­des, dass es sich da­bei nicht um Ein­zel­fäl­le han­delt.

Zwi­schen Ja­nu­ar 2018 und März 2019 wur­den 67 Be­trie­be, in de­nen Rin­der, Scha­fe, Zie­gen oder Schwei­ne ge­schlach­tet wer­den, kon­trol­liert. Das ent­spricht et­wa je­dem zehn­ten Schlacht­be­trieb in der Schweiz. Die Mehr­heit der un­ter­such­ten klei­ne­ren Be­trie­be und knapp die Hälf­te der Gross­be­trie­be wie­sen im Be­reich Tier­schutz De­fi­zi­te auf. Ins­be­son­de­re bei der Be­täu­bung, der Tö­tung der Tie­re, dem Ent­blu­ten, so­wie bei der Un­ter­brin­gung der Tie­re wur­den Män­gel fest­ge­stellt. Die Kon­trol­len wa­ren an­ge­mel­det. Zum Teil wur­den ge­zielt Ri­si­ko­be­trie­be aus­ge­wählt.

Der Schwei­zer Tier­schutz (STS) nennt die Be­fun­de «alar­mie­rend». Über­rascht ist er aber nicht. Cesa­re Sciar­ra, Lei­ter des Be­reichs Nutz­tie­re beim STS, sagt, man ha­be bei ei­ge­nen Kon­trol­len Ähn­li­ches fest­ge­stellt. Ins­be­son­de­re das Be­täu­ben wer­de in vie­len Be­trie­ben schlecht durch­ge­führt – vor al­lem in klei­ne­ren.

Ge­mäss Sciar­ra ha­ben die Pro­ble­me bei der Be­täu­bung mit schlecht aus­ge­bil­de­ten Schlach­tern und man­gel­haf­ten Ap­pa­ra­ten zu tun. So kom­me es vor, dass die Be­täu­bungs­z­an­ge nicht rich­tig an­ge­setzt wer­de. Al­ler­dings wür­den bei der Elek­tro­be­täu­bung auch Ge­rä­te ver­wen­det, die zu we­nig leis­tungs­fä­hig sei­en. Ge­mäss dem Be­richt des Bun­des be­trifft Letz­te­res vor al­lem die Schlach­tung von Schwei­nen. Oft wer­de nicht kon­trol­liert, ob die Be­täu­bung er­folg­reich war.

An­pas­sun­gen vor­ge­se­hen

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