Net­flix macht dem Bund Ver­spre­chun­gen

Lob­by­ing für Kul­tur Der Bun­des­rat will Us-strea­m­ing­diens­te ver­pflich­ten, in Schwei­zer Fil­me zu in­ves­tie­ren. Doch jetzt droht sei­ner Vor­la­ge der Ab­sturz – we­gen Op­po­si­ti­on aus dem In­land.

Tages Anzeiger - - Vorderseit­e - (hä)

Film­ge­setz Der Strea­m­ing­dienst Net­flix sei be­reit, sich an das ge­plan­te neue Film­ge­setz zu hal­ten – und dem­nach vier Pro­zent sei­nes Schwei­zer Um­sat­zes in hie­si­ge Film­pro­duk­tio­nen zu in­ves­tie­ren. Der Us-kon­zern ha­be dem Bund ent­spre­chen­de Zu­sa­gen ge­macht, sagt Ivo Kum­mer, Film­chef des Bun­des. Da­mit wi­der­spricht er Kri­ti­kern der Vor­la­ge. Die­se pro­gnos­ti­zie­ren, Net­flix wer­de sich ei­ner In­ves­ti­ti­ons­pflicht oh­ne­hin nicht un­ter­wer­fen.

Kommt die Hei­di-ge­schich­te bald als Net­flix-se­rie? Wer­den auch Goog­le Play und App­le TV per Bun­des­ge­setz ge­zwun­gen, Schwei­zer Fil­me mit­zu­fi­nan­zie­ren? Ab Mon­tag fal­len da­zu in Bern Ent­schei­de, wenn die Kul­tur­kom­mis­si­on des Na­tio­nal­rats die De­bat­te zum Film­ge­setz auf­nimmt. Doch wie Re­cher­chen jetzt zei­gen, droht der so­ge­nann­ten Lex Net­flix in der Kom­mis­si­on der Ab­sturz.

Mit der Vor­la­ge will Kul­tur­mi­nis­ter Alain Ber­set die ame­ri­ka­ni­schen Se­ri­en­gi­gan­ten da­zu brin­gen, in Schwei­zer Fil­me zu in­ves­tie­ren. Bis­her galt ei­ne sol­che In­ves­ti­ti­ons­pflicht (ne­ben der SRG) nur für na­tio­na­le Pri­vat­sen­der wie 3+ oder Teleclub. Neu sol­len al­le zah­len, die hier­zu­lan­de mit Fil­men und Se­ri­en Geld ver­die­nen: Strea­m­ing­diens­te (wie Net­flix), aus­län­di­sche Tv-sen­der mit Schwei­zer Pro­gramm­fens­tern (wie Sat 1), die Schwei­zer Re­gio­nal-tv-sen­der so­wie die Swiss­com und die Ka­bel­netz­be­trei­ber (wie UPC). Sie al­le sol­len künf­tig wäh­len, ob sie di­rekt in Schwei­zer Film­pro­duk­tio­nen in­ves­tie­ren – oder lie­ber ei­ne Er­satz­ab­ga­be von vier Pro­zent auf ih­rem Brut­to­um­satz zah­len.

Doch in der Kom­mis­si­on wird ve­he­ment ge­gen die­sen Plan lob­by­iert – nicht et­wa durch Net­flix und Co., son­dern durch Schwei­zer Fir­men. Die Pri­vat-tv-sen­der und UPC (Ex-ca­ble­com) schies­sen aus al­len Roh­ren ge­gen die Vor­la­ge. Die neue Film­ab­ga­be wä­re für die Pri­vat­sen­der «exis­tenz­ge­fähr­dend», sagt Ro­ger El­se­ner, Fern­seh­chef bei Ch-me­dia, das sie­ben na­tio­na­le und fünf re­gio­na­le Tv-sen­der be­treibt, dar­un­ter 3+, Te­lezü­ri und Te­lebärn. Die re­gio­na­len Tv-sen­der sei­en schon jetzt kaum ren­ta­bel. Na­tio­na­le Sen­der wie 3+ und Teleclub konn­ten ih­re Ab­ga­be­pflicht bis­her mit Gra­tis­wer­be­spots für Schwei­zer Ki­no­fil­me er­fül­len. Nun sol­len sie Cash zah­len, wo­ge­gen sich die Be­trei­ber weh­ren.

Der Ka­bel­netz­be­trei­ber UPC wird grund­sätz­lich und wirft dem Bun­des­rat vor, die ge­plan­te Ab­ga­be sei ver­fas­sungs­wid­rig. Ent­schei­den­der wird in der par­la­men­ta­ri­schen De­bat­te je­doch ein an­de­res Ar­gu­ment sein, wel­ches die Pri­vat-tv- und die Ka­bel­netz­lob­by vor­brin­gen. Es geht so: «Die gros­sen Strea­m­ing­diens­te ha­ben ih­ren Sitz im Aus­land und kön­nen vom Bund nicht zur Be­zah­lung ge­zwun­gen wer­den. Dar­um trifft die neue Ab­ga­be nur Schwei­zer Fir­men.»

Bür­ger­li­che lan­cie­ren Kri­tik

Die­ses Ge­gen­ar­gu­ment sei falsch, sagt jetzt Ivo Kum­mer, Film­chef im Bun­des­amt für Kul­tur. Bun­des­ver­tre­ter hät­ten im Fe­bru­ar an der Ber­li­na­le Kon­takt mit Net­flix auf­ge­nom­men. «Da­bei ha­ben die Net­flix-ver­tre­ter zu­ge­si­chert, dass sie sich an die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben hal­ten wer­den, so, wie sie das auch in an­de­ren Län­dern tun.» Kum­mer sagt, Net­flix fin­de das Schwei­zer Mo­dell so­gar be­son­ders in­ter­es­sant, weil das Un­ter­neh­men hier – an­ders als in an­de­ren Län­dern – sel­ber ent­schei­den kön­ne, in wel­che Film­pro­jek­te es in­ves­tie­re.

Ein Pres­se­spre­cher des USUn­ter­neh­mens be­stä­tigt auf An­fra­ge, dass Net­flix In­ter­es­se an lo­ka­len Film­stof­fen ha­be. So in­ves­tie­re man schon heu­te in Schwei­zer Fil­me, et­wa in «Wol­ken­bruchs wun­der­li­che Rei­se in die Ar­me ei­ner Schick­se». Zu den De­bat­ten im eid­ge­nös­si­schen Par­la­ment um das Film­ge­setz will sich Net­flix öf­fent­lich aber nicht äus­sern, so­lan­ge de­ren Aus­gang of­fen sei.

Tat­säch­lich ist of­fen, ob die Vor­la­ge nicht ganz ab­stürzt. Denn die Kri­tik der Tv-sen­der und Ka­bel­netz­be­trei­ber stösst zu­min­dest im bür­ger­li­chen La­ger auf of­fe­ne Oh­ren. «Ich fürch­te, dass das Ge­setz nur die Schwei­zer An­bie­ter tref­fen wür­de, wäh­rend die gros­sen in­ter­na­tio­na­len Play­er durch­schlüp­fen», sagt CVP-NA­tio­nal­rat Phil­ipp Kut­ter. Die SVP leh­ne die «Zwangs­för­de­rung durch Pri­va­te» grund­sätz­lich ab, sagt Na­tio­nal­rat Pe­ter Kel­ler. Fdp-na­tio­nal­rat Chris­ti­an Was­ser­fal­len fin­det, es sei ab­surd, wenn der Bund den Pri­vat­sen­dern mit der ei­nen Hand Sub­ven­tio­nen zah­le und mit der an­de­ren ei­ne Film­ab­ga­be ab­knöp­fe.

Für das Ge­setz wirbt Mat­thi­as Ae­bi­scher, Sp-na­tio­nal­rat und

Prä­si­dent des Film­ver­bands Ci­né­su­is­se. Die Vor­la­ge kön­ne da­zu bei­tra­gen, dass mehr Swiss­ness auf die Bild­schir­me kom­me – so­gar in­ter­na­tio­nal, sagt er. «Ei­ne neue Hei­di-se­rie zum Bei­spiel wä­re auch auf Net­flix er­folg­reich.» Ent­schei­dend im Par­la­ment wer­de die Po­si­ti­on der bun­des­ei­ge­nen Swiss­com sein. Als Strea­m­ing­an­bie­ter wä­re sie be­trof­fen. Öf­fent­lich spricht auch sie sich ge­gen die Vor­la­ge aus, doch hin­ter den Ku­lis­sen tö­ne es an­ders, sagt Ae­bi­scher. In Ge­sprä­chen ha­be Swiss­com-ceo Urs Scha­ep­pi er­klärt, er wol­le ver­hin­dern, dass die Swiss­com zah­len müs­se und ih­re aus­län­di­schen Kon­kur­ren­ten nicht. «Scha­ep­pi si­gna­li­sier­te uns, dass er die Ab­ga­be nicht aus Prin­zip ab­lehnt.»

Fo­to: DCM

Net­flix hat in der Ver­gan­gen­heit et­wa schon in «Wol­ken­bruchs wun­der­li­che Rei­se in die Ar­me ei­ner Schick­se» in­ves­tiert.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.