Tages Anzeiger

Auch ewige Liebe hat einmal ein Ende

Das Beste zum Schluss Die Maag-halle in Zürich-west wird abgerissen. Wir erinnern uns an die schönsten Produktion­en, die dort zu sehen waren.

- Stefan Busz

Shows in der Schweiz zu produziere­n, sei, wie einen Skilift in Marokko zu betreiben, sagte Darko Soolfrank, Co-betreiber der Maag-halle, vor einiger Zeit. Wir haben uns von einigen seiner Produktion­en hochziehen lassen. Hier die Liste unserer Favoriten.

1 Deep – Das Musical (2002) Mit einer farbigen Unterwasse­rshow startete die Geschichte der Maag-halle, die damals noch Maag Music Hall hiess. Millionen wurden in den Umbau und ein neues Musical gesteckt. Charles Lewinsky schrieb die Geschichte über das Leben von Paradiesfi­schen, Oberst Krabbe und Frau Krake, Markus Schönholze­r komponiert­e die Musik dazu. «Ein submarines Schwergewi­cht der leichten Unterhaltu­ng», urteilte der «Tages-anzeiger». Dem Publikum gefiel das Musical, 160’000 Menschen sahen rund 250 Vorstellun­gen. Bei manchen blieb der Text eines Lieds ewig hängen: «Ohne Träume wäre das Leben nur dunkel und grau.» Die Maag-betreiber Darko Soolfrank und Guido Schilling hatten eine Option für die Halle bis Ende 2002 – mit Möglichkei­t auf Verlängeru­ng. Und machten mit ihrem Traum einfach weiter. 2 Ewigi Liebi (2007)

Wie lange dauert die Ewigkeit? Für jede Aufführung von «Ewigi Liebi» haben die Musiker einen Strich an die Wand gemacht. Bis zum 24. Juni 2012 sind 906 Striche zusammenge­kommen, die Zeichen für das erfolgreic­hste aller Schweizer Musicals. Seit der Premiere im September 2007 sahen mehr als 650’000 Zuschaueri­nnen und Zuschauer das Stück – einer davon sogar 106-mal. Zum 10-Jahr-jubiläum gabs dann einen Zuschlag. Ein paar neue Songs waren für die Wiederaufn­ahme dazugekomm­en, wie «Jung verdammt» von Lo & Leduc. Die Geschichte von Roman Riklin selber hat sich nicht verändert, sie ist ein Gang durch die Schweizer Liedproduk­tion in 42 Nummern: Von «Luegid vo Bärge und Tal» bis zu «Ewigi Liebi» ist alles da, was im Land Anklang gefunden hat. Ein Hoch auf das Schweizer Liedgut.

3 Die Schweizerm­acher (2010) Wenn Frau Galli den eidgenössi­schen Standardta­nz tanzt, legt sie jeden Füdlibürge­r flach. Mit der Musical-adaption des erfolgreic­hsten Schweizer Films feierte die Swissness in der MaagHalle einen Triumph. In der Merchandis­ing-abteilung gab es T-shirts mit der Aufschrift

Die Schweiz singt ihre Lieder: «Ewigi Liebi» ist eines davon. «Chrampfer». Auf der Bühne wurde im Sprachlabo­r «Choge cheibe Bölle» gerappt. Buch-autor Paul Steinmann und Komponist Markus Schönholze­r mixten alte und neue Elemente zur Frage von Anpassung und Widerstand zu Fondue und Co. zusammen. Das Musical sollte eine schöne Vorstellun­g von der Schweiz geben, wie sie sein könnte, das CH stand da als Chiffre für das gemeinsame Glück. Der Werbespot kam beim Publikum nicht so gut an.

«Break the Tango» war ein Wagnis. Aber auch eine Sensation, voller Bewegung, Farben, Musik.

4 Mein Name ist Eugen (2016) Das Musical funktionie­rt als Zeitmaschi­ne. Es erzählt, ganz nach dem Buch von Klaus Schädelin, die Geschichte von Eugen, der 13 ist und partout nicht erwachsen werden will. Sein Ziel ist, ewig ein Lausbub zu bleiben, koste es, was es wolle. Und dafür wird schon mal die Uhr angehalten. Regisseur Dominik Flaschka fand für diese gestoppte Kindheit die beste Form, er liess die Jugendlich­en Jugendlich­e sein (die Erwachsene­n waren Puppen). Roman Riklin schrieb für die Lausbuben die Texte und die Musik. Eine federleich­te Aufführung, nicht nur wegen der Hühner, die auf der Bühne einen grossartig­en Auftritt hatten.

5 Break the Tango (2015)

An einer Strassenec­ke in Buenos Aires beginnt die Geschichte. Eine Streetgang trifft auf die Tango-bande. Sie zeigen, was sie so draufhaben: Windmills, Headspins und Babyspins gegen Beleo, Entrada und Media Luna. Die Show bringt dann Tango und Streetdanc­e zusammen. Nicht als Battle von Hip-hop vs. Milonga. Sondern als ein Versuch, zusammen neue Wege zu gehen. Es war ein Wagnis auch für Betreiber Darko Soolfrank, der diese Produktion konzipiert­e und auf die Bühne brachte. Die Show war eine Sensation, voller Bewegung, Farben, Musik. Nach der Premiere in Zürich ging der Weg weiter nach Genf, Düsseldorf, Berlin, Wien, München, Paris.

6 Van Gogh Alive (2020)

Die Halle wird zum Museum. Mit der Multimedia-ausstellun­g wurde ein wenig die Zukunft vorweggeno­mmen. Vincent van Gogh gab es in Xxl-format mit Dolby Surround. Die ganze Kunst wurde auf das x-fache ihrer Grösse aufgeblase­n und mit Vivaldi und Schubert unterlegt. Das Publikum konnte so beschwingt durch die Sonnenblum­enlandscha­ft wandern. Das kam an, 80’000 Menschen haben die Show gesehen.

7 Space Dream (2021)

Es ist eine Rückkehr zu den Anfängen. Mit «Space Dream» haben die Produzente­n und die Hallenbetr­eiber Soolfrank und Schilling 1995 in Baden einen Grosserfol­g gefeiert, fünf Jahre lief das Musical dort. Zum 25-Jahr-jubiläum gibts ein Wiedersehe­n – in einer komplett neuen Form und auf Schweizerd­eutsch. Der Song «Look to the Stars» heisst jetzt «Flüg eifach los». Nicht so einfach in Corona-zeiten, wo alles seine Grenzen hat.

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«Die Schweizerm­acher» konnten der Vorlage nicht das Wasser reichen.
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In «Deep» ging es um Liebe, Freude, Hass, Missgunst und Eifersucht.
 ?? Fotos: Keystone ?? Begehbare Kunstlands­chaft: Spazieren durch Van Gogh.
Fotos: Keystone Begehbare Kunstlands­chaft: Spazieren durch Van Gogh.
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