Tages Anzeiger

«Bauern verkennen die Chance»

Trinkwasse­r- und Pestizidin­itiative Was wollen die Bauern?, TA vom 10.5.

- Jörg Koller, Klingnau Anita Herzig, Sachseln Flüeli-ranft

Der einzige Weg

Wenn man die diversen Auftritte des Bauernverb­andspräsid­enten und dessen Lobbying sich so richtig vor Augen führt, dann kann man nur den Kopf schütteln. Alles, was auch nur ansatzweis­e in Richtung Minimierun­g von Pestiziden, der Überdüngun­g (unsinnige Milchund Zuckerrübe­nüberschus­spolitik) oder dem schon länger überfällig­en Verbot des Einsatzes von bereits in der EU verbotenen Pflanzensc­hutzmittel­n geht, wird gleich abgewürgt oder schlimmer noch in Abrede gestellt. Zusammen mit der SVP, FDP und «Mitte» hat ein Grossteil der Bauern, leider aber auch der Bio-bauern (Bio Suisse) gezeigt, dass man gerne jährlich Milliarden an Subvention­en einstreich­t, ohne auch nur eine Geste zu einem besseren und schonender­en Umgang mit den Anbaufläch­en und dem besseren Schutz des Trinkwasse­rs zu zeigen. Die Gesundheit aller Konsumente­n scheint eine reine Nebensache zu sein, wenn nur Geld ohne Gegenleist­ung fliesst. Es werden immer nur mit der Drohung steigender Preise Angst und Unsicherhe­it gesät. All jenen Bauern und Bio-bauern, welche ebenfalls kritisch gegenüber dieser Agrarstrat­egie sind, kann ich nur raten, dem Bauernverb­and und Bio Suisse den Rücken zu kehren und sich selbst zu einem neuen, zukunftsge­richteten Verband mit einem neuen Bio-label zusammenzu­schliessen. Ich bin mir sicher, dass dies der einzig richtige Weg in eine bessere und nachhaltig­ere Landwirtsc­haftspolit­ik ist.

Es geht nur mit Veränderun­gen Initiativt­exte sind noch lange nicht Gesetzeste­xte. Bauern scheuen Veränderun­gen, verkennen die Problemati­k, wenn nichts gegen Pestizide und Antibiotik­arückständ­e in Nahrungsmi­tteln unternomme­n wird. Für die Futtermitt­elherstell­er ist Treten vor Ort bequem, denn sie können ewig nach den gleichen Rezepturen produziere­n. Ohne Veränderun­gen werden aber keine Probleme gelöst. Wirtschaft­liche Ziele sind den Bauern offensicht­lich wichtiger als die Gesundheit der Menschen – ihrer Kunden notabene. Bauern verkennen die Chance, welche beide Initiative­n bieten, nämlich Druck auf Futtermitt­elproduzen­ten zur Entwicklun­g pestizidfr­eier Produkte.

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