Der Ge­sund­brun­nen von Zü­rich

Zürcher Unterländer - - Zürich - Giu Li­na Gius­to

Der Über­lie­fe­rung nach soll Zü­rich einst gar über ei­nen Ge­sund­brun­nen ver­fügt ha­ben. Der frü­her un­ter die­sem Na­men be­kann­te Helm­haus­brun­nen spiel­te zur Zeit der Re­for­ma­ti­on ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Der schwe­fel­hal­ti­gen Qu­el­le wur­den hei­len­de Kräf­te nach­ge­sagt. Die heu­te ver­schol­le­ne Heil­quel­le war da­mals ei­ne der we­ni­gen in der Schweiz. Der Sod be­fand sich in der Gruft ei­ner ein­fa­chen Ka­pel­le, die auf der klei­nen Lim­mat­in­sel er­baut wur­de und die bei Fun­da­men­tar­bei­ten im 15. Jahr­hun­dert wie­der zum Vor­schein kam. We­gen ih­rer Heil­kraft nann­te man sie fort­an «hei­li­ger Brunn». Im Jahr 1556 wur­de der Sod we­gen gros­sen Zu­laufs der Ka­tho­li­ken in Zü­rich auf Be­fehl ver­schlos­sen. So ging der Ge­sund­brun­nen von Zü­rich all­mäh­lich ver­ges­sen. Da­mals wa­ren Zieh- oder Sod­brun­nen weit ver­brei­tet. Laut der Ab­tei­lung Was­ser­ver­sor­gung Stadt Zü­rich nahm 1430 der ers­te öf­fent­li­che Lauf­brun­nen sei­nen Be­trieb auf. Es han­delt sich da­bei um den Ama­zo­nen­brun­nen am Renn­weg. Auf dem Stadt­plan von Jos Mu­rer aus dem Jahr 1576 ist der Brun­nen be­reits mit ei­ner Fi­gur auf dem Holz­schnitt von Zü­rich er­kenn­bar. Ob es sich da­bei um die glei­che Fi­gur wie heu­te han­delt, ist je­doch nicht eru­ier­bar. Brun­nen­fi­gu­ren mit je­weils reich ver­zier­ten Säu­len sind cha­rak­te­ris­tisch für die Brun­nen aus die­ser Zeit. Noch heu­te prä­gen die­se das Bild der Zürcher Alt­stadt.

Die Brun­nen wer­den wö­chent­lich ge­rei­nigt

Rund ein Vier­tel al­ler Brun­nen in Zü­rich wer­den über ein ei­ge­nes Qu­ell­was­ser­netz ge­speist. An das Netz sind ne­ben Spi­tä­lern und Zi­vil­schutz­bau­ten auch die über 80 Not­was­ser­brun­nen an­ge­schlos­sen. Die­se Bron­ze­guss­brun­nen die­nen der Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung im Fal­le ei­nes Un­ter­bruchs der nor­ma­len Was­ser­lei­tun­gen.

Das Qu­ell­was­ser­netz er­streckt sich über ei­ne Län­ge von 150 Ki­lo­me­tern über das Stadt­ge­biet. Das Was­ser stammt zum gröss­ten Teil aus Qu­ell­fas­sun­gen, wel­che seit dem 15. Jahr­hun­dert in den Hü­geln rund um Zü­rich er­stellt wur­den. Die rest­li­chen Brun­nen in der Stadt sind ans nor­ma­le Was­ser­ver­sor­gungs­netz an­ge­schlos­sen – wie die Haus­hal­te. Ihr Was­ser be­steht aus 70 Pro­zent See­was­ser, 15 Pro­zent Qu­ell­was­ser und ge­nau­so viel Grund­was­ser.

Ne­ben der ho­hen Zahl an Brun­nen wird da­mit ei­ne wei­te­re Be­son­der­heit in Zü­rich au­gen­fäl­lig: Sämt­li­che Brun­nen sind mit Trink­was­ser ge­speist. Wer Durst hat, kann sich an je­dem die­ser Was­ser­spen­der nach Lust und Lau­ne er­fri­schen. Ins­ge­samt acht städ­ti­sche Mit­ar­bei­ter küm­mern sich wö­chent­lich um die Sau­ber­keit und den Un­ter­halt der Brun­nen. Ins­ge­samt 800 der über 1200 öf­fent­li­chen und pri­va­ten Brun­nen reinigen sie des­halb je­de Wo­che.

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