Ge­tra­gen von Ad­re­na­lin, Stolz, Hun­ger

Zürcher Unterländer - - Wm 2018 - Fa­bi­an Ruch

Wenn man sagt, je­de WM er­hal­te den Sie­ger, den sie ver­die­ne, dann kann der Welt­meis­ter 2018 nur Kroa­ti­en sein.

In ei­nem Tur­nier mit vie­len Über­ra­schun­gen, knap­pen Sie­gen und zahl­rei­chen To­ren nach Stan­dard­si­tua­tio­nen sind die Kroa­ten der lo­gi­sche Ge­win­ner. Wahr­schein­lich durch ein Kopf­tor nach ei­nem Eck­ball in der Ver­län­ge­rung des Fi­nals ge­gen Frank­reich.

Das hört sich zu aben­teu­er­lich an? Hät­te denn je­mand ge­dacht, die­se Kroa­ten wür­den Ar­gen­ti­ni­en 3:0 weg­fe­gen? Und ab den Ach­tel­fi­nals drei­mal ei­nen 0:1-Rück­stand auf­ho­len, zwei­mal im Elf­me­ter­schies­sen und ein­mal nach Ver­län­ge­rung ge­win­nen?

Selbst­ver­trau­en und Zu­ver­sicht der Aus­wahl sind ins Gi­gan­ti­sche ge­stie­gen, zu­sam­men mit ih­rer Ent­schlos­sen­heit und So­li­da­ri­tät er­gibt das ei­ne welt­meis­ter­li­che Mi­schung. In­di­vi­du­ell mö­gen die Fran­zo­sen stär­ker be­setzt sein, ge­wiss, doch was brin­gen all die wun­der­ba­ren Hoch­ge­schwin­dig­keits­fuss­bal­ler wie Ky­li­an Mbap­pé, An­toi­ne Griez­mann und Ous­ma­ne Dem­bé­lé, wenn Na­tio­nal­trai­ner Di­dier De­schamps sein Team der­mas­sen nie­der­tou­rig lau­fen lässt?

Die nicht be­son­ders schnel­len kroa­ti­schen Ab­wehr­kräf­te wer­den je­den­falls gar nicht erst in Ge­fahr kom­men, über­sprin­tet zu wer­den. Und weil die Kroa­ten tech­nisch bes­ser sind, of­fen­si­ver aus­ge­rich­tet und fre­cher auch, wer­den sie es sein, die ih­re ra­san­ten Flü­gel Ivan Pe­ri­sic und An­te Re­bic in Stel­lung brin­gen kön­nen. Auch bei den Fran­zo­sen sind die

Denn es ist ja so: Für die Fran­zo­sen geht es mor­gen um ei­nen Ti­tel – für die Kroa­ten um al­les.

Aus­sen­ver­tei­di­ger die Schwach­stel­len – Ben­ja­min Pa­vard und Lu­cas Her­nan­dez wer­den ei­nen sehr un­an­ge­neh­men Sonn­tag­abend ver­brin­gen.

Es wä­re oh­ne­hin kein er­mu­ti­gen­des Zei­chen für den Fussball, wür­de der schreck­li­che fran­zö­si­sche Prag­ma­tis­mus mit ei­nem WM-Ti­tel be­lohnt.

Im­mer darf es nicht ge­nü­gen, auf ein Ver­tei­di­ger­kopf­tor zu hof­fen und ab­zu­war­ten, was der Geg­ner mit dem Ball an­stellt. Lei­den­schaft wird sich hof­fent­lich ge­gen Küh­le durch­set­zen. Das Auf­tre­ten der feu­ri­gen Kroa­ten ist ei­ne In­spi­ra­ti­on und be­weist, dass mit vor­bild­li­cher Ein­stel­lung und Team­ar­beit al­les mög­lich ist. Zu­mal das Zen­trum mit den her­aus­ra­gen­den Lu­ka Mod­ric und Ivan Ra­ki­tic so­wie dem un­ter­schätz­ten Mar­ce­lo Bro­zo­vic spie­le­risch stär­ker und lauf­freu­di­ger ist als der fran­zö­si­sche Auf­bau.

Kann üb­ri­gens je­mand ei­ne Ver­miss­ten­an­zei­ge für Frank­reichs Krea­ti­vi­tät auf­ge­ben?

Die Mü­dig­keit bei den Kroa­ten nach meh­re­ren kräf­te­rau­ben­den Be­geg­nun­gen spielt kei­ne Rol­le. Die Fuss­bal­ler wer­den ge­tra­gen von Ad­re­na­lin und Stolz, Pas­si­on und Er­folgs­hun­ger, für die Ge­ne­ra­ti­on um Mod­ric ist es die letz­te (und al­ler­gröss­te) Ge­le­gen­heit, den Coup zu rea­li­sie­ren. Und Frank­reich wird wie vor zwei Jah­ren im EM-Fi­nal ge­gen Por­tu­gal am ei­ge­nen Zy­nis­mus schei­tern. Denn es ist ja so: Für die Fran­zo­sen geht es mor­gen um ei­nen Ti­tel – für die Kroa­ten um al­les.

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