«Loy­al ge­gen­über dem Trai­ner»

Zürcher Unterländer - - Forum -

Zu «Die Na­tio­nal­spie­ler sol­len den zwei­ten Pass ab­ge­ben» Aus­ga­be vom 6. Ju­li Es ist we­ni­ger ei­ne Fra­ge des Pas­ses als der Men­ta­li­tät, wel­che bei der Schwei­zer Na­ti zum Pro­blem ge­wor­den ist. Da­bei geht es um die Spie­ler, wel­che aus den Re­gi­on des ehe­ma­li­gen Ju­go­sla­wi­en mit den Eth­ni­en der (ka­tho­li­schen) Kroa­ten, der (or­tho­do­xen) Ser­ben und des (mus­li­mi­schen) Ko­so­vo stam­men. Wis­sens­wert ist fer­ner, dass Ko­so­vo vor­her von den Ser­ben bru­tal un­ter­drückt wor­den war.

Die Schwei­zer Na­ti ver­dankt dem Ein­satz der aus die­ser Re­gi­on ein­ge­bür­ger­ten Spie­ler viel. Doch um­ge­kehrt ver­dan­ken die­se der Schweiz auch viel, in­dem sie näm­lich der Höl­le ent­ron­nen wa­ren und hier so­gar Kar­rie­re ma­chen konn­ten.

Da­her darf die­ser in den Köp­fen noch im­mer nach­wir­ken­de Kon­flikt nicht auf die Schwei­zer Na­tio­nal­mann­schaft über­tra­gen wer­den, ins­be­son­de­re die da­hin­ter­ste­hen­de Men­ta­li­tät nicht. Und es scheint, dass mit der Be­trau­ung des kroa­ti­schen Dop­pel­bür­gers Pet­ko­vic als Na­tio­nal­trai­ner kei­ne gu­te Wahl ge­trof­fen wor­den ist. Auch scheint es, dass es um die Loya­li­tät dem Trai­ner ge­gen­über geht und nicht um die So­li­da­ri­tät ge­gen­über dem Land. Je­den­falls lässt sich dies schlies­sen auf­grund ei­ner frü­he­ren Be­mer­kung ei­nes Jour­na­lis­ten, die Spie­ler wür­den es dem Trai­ner dan­ken.

Sie müs­sen es je­doch nicht dem Trai­ner dan­ken, son­dern dem Land, für das sie spie­len. Auch zeugt Pet­ko­vics Be­mer­kung, das Spiel müs­se «kon­kre­ter» wer­den, nicht gra­de von ana­ly­ti­scher Be­ga­bung und kla­rer Aus­drucks­fä­hig­keit. War denn das Spiel vor­her et­wa abs­trakt? Dass die An­grif­fe zu lang­sam vor­ge­tra­gen wor­den wa­ren – und zwar be­reits beim Spiel ge­gen Cos­ta Ri­ca –, hat zwar der Trai­ner auch be­merkt. Doch es wä­re sei­ne Sa­che ge­we­sen, dies zu än­dern.

Ins­be­son­de­re aber hat er den ver­sier­ten Tech­ni­ker, ge­nia­len Pass­ge­ber und be­herz­ten Kämp­fer Bre­el Em­bo­lo je­weils erst ge­gen En­de des Spiels hin ein­ge­setzt. Dass je­ner stets Schwung ins Spiel ge­bracht hat, war für je­der­mann of­fen­sicht­lich, nur für Pe­tro­vic nicht.

Thomas All­men­din­ger, Glatt­brugg

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