Mit dem Nach­wuchs im Cock­pit

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Den­nis And­rew Frasch

Ges­tern fand der Na­tio­na­le Zu­kunfts­tag statt. El­tern konn­ten ih­re Spröss­lin­ge mit zur Ar­beit neh­men und ih­nen zei­gen, was sie so den gan­zen Tag trei­ben. So auch bei der Swiss am Flug­ha­fen Zü­rich. Dort konn­ten die Kin­der nicht nur den El­tern auf die Fin­ger schau­en, son­dern auch al­len an­dern.

Es ist noch nicht mal acht Uhr mor­gens, doch vor dem Ope­ra­ti­ons Cen­ter am Flug­ha­fen Zü­rich ste­hen be­reits 70 Kin­der mit ih­ren El­tern. Von Do­mi­nic An­gehrn, ih­rem Tour­gui­de für heu­te, wer­den sie in Grup­pen auf­ge­teilt. New York, San Fran­cis­co, Hong­kong oder Shang­hai heis­sen die­se, nach den gros­sen An­flug­sta­tio­nen die­ser Welt. Die El­tern ver­ab­schie­den sich von ih­ren Spröss­lin­gen, sie wer­den sie am Nach­mit­tag wie­der­se­hen.

Es ist Zu­kunfts­tag bei der Swiss. Der Nach­wuchs darf heu­te den El­tern beim Bröt­chen­ver­die­nen zu­schau­en. Zu­erst aber ge­hen sie auf ei­nen Rund­gang. «Wir wer­den Ka­bi­ne und Cock­pit, Tech­nik und die Lehr­lings­werk­statt be­su­chen», sagt An­gehrn. Dort wür­den die Kin­der von den je­wei­li­gen Ex­per­ten ei­ne Ein­sicht in ih­ren All­tag er­hal­ten.

Kei­ne spit­zen Ge­gen­stän­de oder Flüs­sig­kei­ten

Die Kin­der be­kom­men Aus­wei­se und Leucht­wes­ten. Draus­sen war­tet ein Car dar­auf, sie zur Werft zu brin­gen. Nach­dem al­le ein­ge­stie­gen sind, wird ih­nen über das Bord­mi­kro­fon er­klärt, dass sie gleich ei­ne Si­cher­heits­kon­trol­le pas­sie­ren. «Kei­ne spit­zen Ge­gen­stän­de oder Flüs­sig­kei­ten!», wer­den sie er­mahnt. Safe­ty First, auch bei den Jüngs­ten.

Nach dem Si­cher­heits­check geht es zum Han­gar. Dar­in steht ein Air­bus A330, der ex­tra für den Zu­kunfts­tag be­reit­ge­stellt wur­de. Das Flug­zeug ist erst am Mor­gen aus Mon­tre­al ge­lan­det. Zwei An­ge­stell­te der Li­ne Main­ten­an­ce (Flug­zeug­war­tung) ste­hen be­reit, um den Kin­dern die Tech­nik des gros­sen Me­tall­vo­gels nä­her­zu­brin­gen.

Ei­ner da­von ist Da­vid Pelt­zer. Er wird der Jung­mann­schaft das Fahr­werk, die Trieb­wer­ke, den Fracht­raum und das Avio­nics Com­part­ment (Schalt-und-wal­tZen­tra­le) er­klä­ren. Er macht dies zum zwei­ten Mal und ist ge­übt dar­in, kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te kind­ge­recht zu er­klä­ren. «Wenn der Pa­pi ei­ne Glüh­bir­ne wech­seln will, dann muss er vor­her auch die Si­che­rung raus­neh­men, da­mit er kei­nen Strom­schlag ab­kriegt!»

Fon­due es­send nach San Fran­cis­co

Nach der Tech­nik geht es wei­ter zur Lehr­lings­werk­statt. Po­ly­me­cha­ni­ker­und Au­to­ma­tiker­lehr­lin­gen er­klä­ren den Kin­dern, was sie so ma­chen bei der Swiss. Die Azu­bis sind kaum fünf Jah­re äl­ter als ih­re Be­su­cher. Jes­si­ca Bar­ba­gal­lo, Head of Vo­ca­tio­nal Trai­ning (Lei­te­rin Be­rufs­aus­bil­dung), die auch an­we­send ist, kom­men­tiert: «Wir zei­gen heu­te zum Bei­spiel die Ro­bo­tik. Da­für ha­ben die Lehr­lin­ge ei­nen Ro­bo­ter pro­gram­miert, der au­to­ma­tisch vom Stand­platz auf die Start­bahn fah­ren kann.» Dies die­ne na­tür­lich auch da­zu, dem Nach­wuchs zu zei­gen, was für be­ruf­li­che Mög­lich­kei­ten man bei der Swiss ha­be.

Ähn­lich sieht das auch Chris­toph Ul­rich, Head of Hu­man Re­sour­ces (Per­so­nal­chef ): «Der Zu­kunfts­tag ist ei­ne von vie­len Ge­le­gen­hei­ten, die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on auf un­se­re Ar­beits­plät­ze auf­merk­sam zu ma­chen.» In der Schweiz wür­de mit dem dua­len Bil­dungs­sys­tem die Be­rufs­wahl sehr früh er­fol­gen – «da nimmt auch der Zu­kunfts­tag ei­ne wich­ti­ge Rol­le ein».

Mit selbst ge­fräs­tem Jo­jo aus der Po­ly­me­cha­ni­ker-Werk­statt in der Hand geht es für die Kids zur letz­ten Sta­ti­on. Zu­rück al­so zum Han­gar. Dort war­tet der Znü­ni, da­nach kommt das High­light: die Ka­bi­ne und das Cock­pit des A330. Ein­zeln wer­den den Kin­dern Eco­no­my-, Bu­si­nes­sund First Class ge­zeigt. Wäh­rend den ei­nen der Grup­pe der Trash Com­pac­tor (Müll­pres­se) als öko­lo­gi­sches Wun­der­ge­rät an­ge­prie­sen wird und sie über den Laut­spre­cher al­ler­lei Un­sinn an­sa­gen, wer­den den an­de­ren in der First Class die An­nehm­lich­kei­ten de­rer ge­zeigt, die es sich leis­ten kön­nen. Die Kids sit­zen auf den für sie viel zu gros­sen Ses­seln und drü­cken fröh­lich an al­len Knöp­fen her­um.

Pi­lot Pas­qual Neu­wei­ler er­klärt ih­nen, dass man für die 10000 bis 12000 Fran­ken beim Flug nach San Fran­cis­co im Win­ter schon mal Fon­due zum Es­sen be­kommt. Das rie­che dann teil­wei­se ein biss­chen. «Das ist ja ei­ne Klas­se!», scherzt ei­nes der Kin­der. Da muss selbst Neu­wei­ler la­chen. Der 34-Jäh­ri­ge ist seit bald fünf Jah­ren Pi­lot bei der Swiss und eben­falls zum zwei­ten Mal beim Zu­kunfts­tag da­bei.

Im Cock­pit geht es erns­ter zu: Die vie­len leuch­ten­den Knöp­fe und Bild­schir­me wol­len er­klärt wer­den. «Vie­le der Kin­der des flie­gen­den Per­so­nals wis­sen schon sehr viel. Die kom­men mit ei­ner ganz be­son­de­ren Be­geis­te­rung hier­her.» Mit dem Aus­flug in das In­ne­re des A330 en­det der Rund­gang. Dies­mal oh­ne Si­cher­heits­check gehts mit dem Car zu­rück zum Ope­ra­ti­on Cen­ter, wo die Kin­der den Nach­mit­tag bei den El­tern im Bü­ro ver­brin­gen.

Fo­to: Den­nis And­rew Frasch

Früh übt sich – auch beim Flie­gen. Pi­lot Mar­kus Herr­mann er­klärt den Kin­dern am Zu­kunfts­tag, was all die Knöp­fe be­deu­ten.

Fo­tos: Den­nis And­rew Frasch

Im Han­gar wer­den die Flie­ger für ih­re Ein­sät­ze in der Luft ge­war­tet.

Maît­re de Ca­bi­ne Lau­rent Bo­vey ist sehr amü­siert über die An­sa­gen.

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