«Es regt mich rich­tig auf»

Der FC Zü­rich steht im Sech­zehn­tel­fi­nal der Eu­ro­pa Le­ague und ver­dient Mil­lio­nen, doch zu­frie­den ist fast nie­mand. Vor al­lem nicht Trai­ner Lu­do­vic Ma­gnin.

Zürcher Unterländer - - Sport - Ue­li Kä­gi, Le­ver­ku­sen

Die FCZ-Spie­ler tan­zen in der Kur­ve der Ba­ya­re­na. Im Ka­bi­nen­gang taucht spä­ter Ver­tei­di­ger Alain Nef auf. Gar nicht eu­pho­risch. Er sagt: «Wir ha­ben mehr er­war­tet.»

Ei­ni­ge Spie­ler sind in die Ka­bi­ne und dann mit ih­ren Han­dys auf den Ra­sen zu­rück­ge­kehrt. Sie ma­chen Grup­pen­fo­tos und Sel­fies und Film­li mit dem Rest der Mann­schaft. Hin­ter sich die 2000 mit­ge­reis­ten Fans. Laut und glück­lich.

Im Sta­di­on­bauch sitzt spä­ter Lu­do­vic Ma­gnin. Ob es ei­ne süs­se Nie­der­la­ge ge­we­sen sei, will ein Jour­na­list wis­sen. «Nein», ant­wor­tet Ma­gnin. «Es regt mich rich­tig auf.»

Im Sta­di­on sprin­gen und klat­schen die Spie­ler im­mer noch, es ist jetzt 15 oder so­gar 20 Mi­nu­ten nach Spiel­schluss. Und ei­ni­ge set­zen zur an­ge­deu­te­ten Grät­sche ge­gen Team­kol­le­gen an. Vie­le la­chen.

Auf dem Weg zum Bus sagt spä­ter Ke­vin Rüegg: «Wir sind Fuss­bal­ler und wol­len je­des Spiel ge­win­nen. So rich­tig freu­en kön­nen wir uns nicht.»

7 Mil­lio­nen Ein­nah­men

Sel­ten wa­ren die Ge­gen­sät­ze nach ei­nem Fuss­ball­spiel grös­ser als am spä­ten Don­ners­tag­abend beim FC Zü­rich in Le­ver­ku­sen. Es sind in der Eu­ro­pa Le­ague erst vier Grup­pen­spie­le vor­bei, doch die Zürcher ha­ben sich be­reits zwei Run­den vor Schluss für den Sech­zehn­tel­fi­nal qua­li­fi­ziert. Das ist sport­lich aus­ser­ge­wöhn­lich für ein Su­per-Le­ague-Team. Und so ist die Eu­ro­pa Le­ague auch wirt­schaft­lich kein Ver­lie­rer­wett­be­werb mehr – zu­min­dest ge­mes­sen an den Ver­hält­nis­sen im Schwei­zer Fussball.

Der FCZ nimmt al­lein mit Uefa-Prä­mi­en ge­gen 7 Mil­lio­nen Fran­ken ein – oder 8 bis 9, wenn er in den letz­ten zwei Par­ti­en er­folg­reich bleibt. Zu­sam­men mit den Er­lö­sen für die im Som­mer ab­ge­ge­be­nen Stür­mer Dwa­me­na und Frey wird der Club in der lau­fen­den Rech­nungs­pe­ri­ode ei­nen hüb­schen Ge­winn ma­chen. Das ist auch gut für das Prä­si­den­te­n­ehe­paar Ca­ne­pa, das in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der gros­se De­fi­zi­te ge­deckt hat.

Die Zürcher be­nö­tig­ten am Don­ners­tag nach dem 0:1 aber das Re­mis zwi­schen Ras­grad und Lar­na­ca (0:0), um sich un­ter die letz­ten 32 zu spie­len. Ma­gnin ge­fiel das gar nicht. «Wir wuss­ten, dass wir nicht hier­her­kom­men, den gros­sen Kas­per ma­chen und auf Ball­do­mi­nanz spie­len», schliess­lich sei der Geg­ner «ei­ne Top­mann­schaft mit Spie­lern, die 50 Mil­lio­nen kos­ten».

Mehr als die­sen vor al­lem of­fen­siv lee­ren Auf­tritt hat­te er schon er­war­tet. Er kri­ti­sier­te sei­ne Spie­ler, weil sie im Auf­bau «im­mer ein, zwei Ball­kon­tak­te zu viel» hat­ten. Das ge­he vi­el­leicht in der Schweiz, aber nicht auf die­sem Ni­veau. Er är­ger­te sich über die «vie­len tech­ni­schen Feh­ler – weil vi­el­leicht der Druck des Bun­des­li­gis­ten zu gross war». Und er reg­te sich «bru­tal» auf, dass das Ge­gen­tor nach ei­nem ste­hen­den Ball fiel, da­ne­ben ha­be sei­ne Mann­schaft ja recht or­dent­lich ver­tei­digt.

Vi­el­leicht kön­ne er am Frei­tag am Flug­ha­fen über die Qua­li­fi­ka­ti­on lä­cheln, sag­te der Trai­ner auch, be­vor er sei­nen Zwie­spalt in ei­nen wei­te­ren Satz ver­pack­te: «Was gut ist: Wir sind nach vier Spie­len wei­ter und wer­den wie­der eu­ro­päi­sche Spie­le im nächs­ten Jahr er­le­ben. Da­für soll­te ich mei­ner Mann­schaft ei­gent­lich gra­tu­lie­ren. Aber das wer­de ich erst am Frei­tag oder in der Län­der­spiel­pau­se ma­chen.»

Er gra­tu­lier­te dem Team dann doch frü­her, nach dem spä­ten Es­sen im Ho­tel in der Nacht. Wir müs­sen uns die­sen Mo­ment aber nicht be­son­ders herz­lich vor­stel­len. Er ha­be es «über die Lip­pen ge­bracht, zu gra­tu­lie­ren», er­zählt Ma­gnin am nächs­ten Tag am Flug­ha­fen Düsseldorf.

Ca­ne­pa träumt von En­g­land

Die Ent­täu­schung des 39-Jäh­ri­gen sagt al­les über des­sen Am­bi­tio­nen. Ein schö­ner Er­folg in Eu­ro­pa ent­schä­digt nicht für ein 0:1 in Le­ver­ku­sen. Es war nach dem Cup­fi­nal ge­gen YB und dem Heim­spiel ge­gen den Bun­des­li­gis­ten auch das ers­te Spiel mit grös­se­rer Aus­strah­lung, das er mit dem FCZ ver­lo­ren hat.

Und so, wie Ma­gnin denkt, den­ken (mitt­ler­wei­le) auch sei­ne Spie­ler. Sie hät­ten auf dem Ra­sen ge­fei­ert, weil der Ein­zug in den Sech­zehn­tel­fi­nal «für den Ver­ein et­was Gros­ses ist» und als «Dan­ke­schön für die vie­len mit­ge­reis­ten Fans», sagt Nef. Und so war nach dem Match ei­gent­lich nur An­cil­lo Ca­ne­pa mehr zu­frie­den als un­zu­frie­den. Der Start­platz im Fe­bru­ar mach­te ihn «stolz auf die Mann­schaft, auf den Trai­ner, auf den Trai­ner­stab». Er wür­de ger­ne auch noch die nächs­te Run­de über­ste­hen. Und dann auf ei­nen gros­sen eng­li­schen Geg­ner tref­fen. Chel­sea, Ar­se­nal, vi­el­leicht Li­ver­pool, wenn die Reds die Cham­pi­ons-Le­ague-Grup­pen­pha­se nicht über­ste­hen. «Das wä­re wirk­lich fas­zi­nie­rend.»

Fo­to: Keysto­ne

FCZ-Prä­si­dent An­cil­lo Ca­ne­pa und As­sis­tenz­coach Re­né van Eck.

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