Ab­fall­hai muss aus Zü­rich weg

Die Stadt Zü­rich will nichts mehr wis­sen von der Er­fin­dung aus Rüm­lang.

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Andrea Söl­di

Der Ab­fall­hai ist nicht ein­fach nur ein ge­wöhn­li­cher Müll­ei­mer. Das De­sign-Stück der ehe­ma­li­gen Rüm­lan­ger Fir­ma Brü­co schaff­te es bis ins Mu­se­um für Gestal­tung und schluckt den Keh­richt in Städ­ten wie Ber­lin, Wi­en und Bar­ce­lo­na, aber auch in vie­len Un­ter­län­der Ge­mein­den wie et­wa Bülach, Ober­glatt und Rüm­lang. «Ein wah­rer Ex­port­schla­ger», sagt Mat­thi­as Stre­bel, Mit­in­ha­ber der An­ta Swiss in Kno­nau, die aus der Fir­ma Brü­co her­vor­ge­gan­gen ist. Her­ge­stellt wer­den die ed­len Chrom­stahl­ei­mer aber im­mer noch in Rüm­lang, von der Rutz-Grup­pe, so­wie an zwei wei­te­ren Stand­or­ten.

Doch der Stadt Zü­rich ist das ge­fei­er­te Stück nun nicht mehr gut ge­nug. In den nächs­ten Jah­ren will man die Ei­mer nach und nach durch güns­ti­ge­re, so­ge­nann­te Zü­ri-Kü­bel er­set­zen. Sie ha­ben ei­ne grös­se­re Öff­nung, durch wel­che die im­mer um­fang­rei­che­ren Ver­pa­ckun­gen der Ta­ke-away-An­bie­ter bes­ser pas­sen – so die Be­grün­dung ge­gen­über «Lo­kal­in­fo» und «Ta­ge­sAn­zei­ger».

Ent­rüs­tung im In­ter­net

Le­ser zei­gen we­nig Ver­ständ­nis für den Be­schluss. Der Ar­ti­kel auf «Ta­ges-An­zei­ger on­li­ne» konn­te am Frei­tag über vie­le St­un­den den Spit­zen­platz un­ter den meist­ge­le­se­nen hal­ten. In der Um­fra­ge be­zeich­ne­ten den Ent­scheid rund 85 Pro­zent als No-go. Und das Müll­the­ma in­spi­rier­te die Nut­zer zu zahl­rei­chen Kom­men­ta­ren, die meis­ten da­von in ent­rüs­te­ter To­na­li­tät. Das Pro­blem sei mit klei­ne­ren Ver­pa­ckun­gen zu lö­sen, nicht mit grös­se­ren Müll­ei­mer­öff­nun­gen, schrie­ben di­ver­se. Und ein Kom­men­ta­tor bringt es kurz und bün­dig auf den Punkt: «Das sind gu­te Nach­rich­ten für uns Haus­halt­müll­ent­sor­ger!»

Tat­säch­lich ist der schma­le Schlitz des Ab­fall­hais kei­nes­wegs ein Kon­struk­ti­ons­feh­ler, son­dern ein be­wuss­ter Kniff. Er soll Spar­sa­me da­von ab­hal­ten, grös­se­re Men­gen Keh­richt hin­ein­zu­stop­fen und sich da­mit um die Sack­ge­bühr zu drü­cken. Ei­ni­ge Mo­del­le sind in der Mit­te so­gar noch mit ei­nem Steg aus­ge­rüs­tet, wel­cher die Öff­nung zu­sätz­lich ver­klei­nert. Das schie­fe Dach ver­un­mög­licht es zu­dem, Ab­fall dar­auf­zu­stel­len.

Scha­de, aber nicht be­droh­lich

Mat­thi­as Stre­bel, der aus den Me­di­en von der Ge­schich­te er­fah­ren hat, zeigt sich er­staunt. Dass aus­ge­rech­net die Stadt Zü­rich, wel­che die Ent­wick­lung ur­sprüng­lich an­ge­stos­sen hat­te, nicht mehr zu­frie­den ist mit dem Ab­fall­hai, kann er nicht ver­ste­hen. Im Jahr 2002 schrieb die Stadt den Auf­trag für neue Kü­bel aus. Der De­si­gner Wer­ner Zemp be­tei­lig­te sich am Wett­be­werb und schlug dem da­ma­li­gen In­ha­ber der Fir­ma Brü­co vor, sie zu pro­du­zie­ren. Mar­cel Stre­bel, Va­ter von Mat­thi­as Stre­bel, war nicht son­der­lich be­geis­tert. «Braucht die Welt wirk­lich ei­nen neu­en Kü­bel?», soll er ge­sagt ha­ben. Doch die Stadt wähl­te das Mo­dell un­ter 80 Be­wer­bun­gen aus.

«Wir hät­ten den Schlitz auch ver­grös­sern kön­nen, hät­te die Stadt mit uns ge­spro­chen», sagt Mat­thi­as Stre­bel. Zu­dem kos­te der Ab­fall­hai nie­mals 3100 Fran­ken wie in den Me­di­en an­ge­ge­ben, son­dern je nach Mo­dell zwi­schen 1500 und 2300 Fran­ken. Das aus Chrom­stahl ge­fer­tig­te Stück sei sehr lang­le­big. Die Fir­ma bie­tet Re­pa­ra­tu­ren und Sa­nie­run­gen an. Stre­bel fin­det es scha­de, dass Zü­rich aus­steigt. Fi­nan­zi­ell be­droh­lich sei der Ent­scheid aber nicht.

Fo­to: Ma­de­lei­ne Scho­der

Der schma­le Schlitz ist Pro­gramm: Nut­zer sol­len nur klei­ne Men­gen ent­sor­gen kön­nen, die un­ter­wegs ent­ste­hen. Der Haus­halt­müll ge­hört in den ge­büh­ren­pflich­ti­gen Keh­richt­sack.

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