Land­ver­kauf mit Auf la­ge

Sol­len ih­re Ge­mein­den Land­re­ser­ven ver­kau­fen oder nicht? Die­se Fra­ge trieb die Ba­chen­bül­a­cher Stimm­be­rech­tig­ten um. Im Fall der Po­li­ti­schen Ge­mein­de lau­tet ih­re Ant­wort «Ja», bei der Schul­ge­mein­de «Ja, aber».

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Dsh

Die Schul­ge­mein­de Bachenbülach dürf­te bald um min­des­tens 2,85 Mil­lio­nen Fran­ken rei­cher sein. So viel soll der Ver­kauf ih­rer Par­zel­le an der Pün­tras­se in die Kas­se spü­len. Weil die Schu­le das Land sel­ber nicht mehr braucht, be­an­trag­te sie der Schul­ge­mein­de­ver­samm­lung vom Don­ners­tag, die­ses dem Meist­bie­ten­den ver­äus­sern zu dür­fen. Die­se ge­neh­mig­te das Vor­ha­ben trotz ei­ni­ger Ein­wän­de, al­ler­dings erst nach län­ge­ren Dis­kus­sio­nen und mit ei­ner wei­te­ren Be­din­gung. Ein Land­ver­kauf der Po­li­ti­schen Ge­mein­de wurde dis­kus­si­ons­los ge­neh­migt.

Das Wort Ta­fel­sil­ber fiel am Don­ners­tag­abend zwar für ein­mal nicht, aber ein Stimm­bür­ger ver­glich die Par­zel­le La­chen mit «Gold­re­ser­ven», die man ja auch nicht ein­fach so dem Meist­bie­ten­den «ver­scha­chert».

Die Ab­sicht der Schul­pfle­ge Bachenbülach, das 2167 Qua­drat­me­ter gros­se Grund­stück dem Meist­bie­ten­den zu ver­äus­sern, war das um­strit­tens­te Ge­schäft am Don­ners­tag­abend, an dem sich 121 re­spek­ti­ve 122 Per­so­nen zu den Ge­mein­de­ver­samm­lun­gen der Po­li­ti­schen Ge­mein­de und der Schul­ge­mein­de tra­fen.

Schu­le braucht Land nicht

Man be­nö­ti­ge die an der Pün­ten­stras­se ge­le­ge­ne Par­zel­le nicht mehr für schu­li­sche Zwe­cke, er­klär­te Schul­pfle­ge­prä­si­dent Har­ry Spre­cher (FDP): «Wenn wir es zum Min­dest­preis von 2,85 Mil­lio­nen Fran­ken ver­kau­fen, kön­nen wir den Er­lös zum Schul­den­ab­bau und zur Fi­nan­zie­rung von wert­er­hal­ten­den Mass­nah­men, na­ment­lich beim Schul­haus Hal­den, nut­zen.»

Spre­cher rech­ne­te vor, was der Ver­kauf an Steu­er­sub­strat ge­ne­rie­ren wür­de. «Woh­nen dort der­einst 35 Per­so­nen, be­deu­tet das 127000 Fran­ken Steu­er­ein­nah­men pro Jahr.» Rech­ne man die Grund­stück­ge­winn­steu­ern hin­zu, er­gä­be dies jähr­li­che Ein­nah­men von 190 000 Fran­ken. «Wenn wir das Land be­hal­ten wür­den, blie­be ein­zig die Wert­stei­ge­rung.»

Meh­re­re wol­len war­ten

«Müs­sen wir wirk­lich ver­kau­fen, ob­wohl kei­ne Not herrscht?», frag­te ein Stimm­bür­ger. Man könn­te die Par­zel­le doch im Bau­recht ab­ge­ben. Die­se Dis­kus­si­on sei an der letz­ten Schul­ge­mein­de­ver­samm­lung be­reits ge­führt wor­den, be­schied ihm Spre­cher: «Und wir ha­ben da­mals den Auf­trag zum Ver­kauf er­hal­ten.»

Ein an­de­rer Vo­tant plä­dier­te da­für, mit dem Ver­kauf zu­zu­war­ten, bis Bachenbülach ei­ne Ein­heits­ge­mein­de sei: «Dann ha­ben wir Leu­te, die kom­pe­tent ge­nug sind, um mit mög­li­chen In­ter­es­sen­ten zu ver­han­deln.»

Ein Mann be­zeich­ne­te es als «re­spekt­los», dass man jetzt schon wie­der mit Ver­kaufs­ab­sich­ten kom­me. «Wir ha­ben das erst vor drei Jah­ren ab­ge­lehnt.» Aus­ser­dem kön­ne man nicht al­les ver­kau­fen, was man nicht mehr brau­che: «Das weckt doch nur Be­gehr­lich­kei­ten bei den Aus­ga­ben.» Man müs­se zu­dem auch an zu­künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen den­ken, schloss er.

Dem wi­der­sprach Ge­mein­de­prä­si­dent Micha­el Bi­ber (FDP) ve­he­ment: «Es ist nicht Auf­ga­be der öf­fent­li­chen Hand, ein Grund­stück an bes­ter La­ge zu hor­ten und da­mit die ei­ge­ne Ent­wick­lung zu be­hin­dern.» Das sei üb­ri­gens die Mei­nung des ge­sam­ten Ge­mein­de­rats.

Die Ver­samm­lung sprach sich mit 74 zu 37 Stim­men für den Ver­kauf aus. Zu­vor hat­te sie ei­nen An­trag der FDP mit 74 zu 29 Stim­men ge­neh­migt. Mit die­sem for­der­te die Par­tei, die Ver­kaufs­be­din­gun­gen so zu er­gän­zen, dass auf dem Land Ei­gen­tums- und kei­ne Miet­woh­nun­gen er­stellt wer­den. Das soll da­zu bei­tra­gen, dass in der Ge­mein­de hoch­wer­ti­ger Wohn­raum ent­steht.

Glat­te Pre­mie­re für Bi­ber

Ver­gleichs­wei­se spie­lend und oh­ne Ge­gen­stim­me hat­te zu­vor Ge­mein­de­prä­si­dent Bi­ber an der ers­ten von ihm ge­lei­te­ten Ge­mein­de­ver­samm­lung ei­nen Land­ver­kauf durch­ge­bracht. Die Po­li­ti­sche Ge­mein­de darf ei­ne 285 Qua­drat­me­ter gros­se Par­zel­le an der La­chen­stras­se ei­nem An­stös­ser zum Preis von 186 500 Fran­ken ab­tre­ten. Beim Ver­kaufs­preis ist be­rück­sich­tigt, dass auf ei­nem Teil des Grund­stücks ei­ne EKZ-Trans­for­ma­to­ren­sta­ti­on steht. Eben­falls oh­ne Ge­gen­stim­men ge­neh­mig­ten die Stimm­be­rech­tig­ten den An­schluss­ver­trag «Ab­was­ser­rei­ni­gungs­an­la­ge Furt Bülach». Die­ser re­gelt seit 1976 die Kon­di­tio­nen, un­ter de­nen die Stadt Bülach und die Kreis­ge­mein­den ihr Ab­was­ser in die ARA lei­ten dür­fen. «Weil al­le Ge­mein­den das Ge­fühl hat­ten, zu kurz zu kom­men, hat man den Ver­trag über­ar­bei­tet», er­klär­te Tief­bau­vor­ste­her Ar­thur Ca­ve­gn. Der neue Kos­ten­ver­tei­ler be­deu­te in­des für Bachenbülach kei­ne gros­se Än­de­rung. Statt wie bis­her mit 11,97 Pro­zent be­tei­ligt sich Bachenbülach neu mit 12 Pro­zent an den Kos­ten der ARA. Das sind 7513 Fran­ken mehr pro Jahr.

«Es ist nicht Auf­ga­be der öf­fent­li­chen Hand, ein Grund­stück an bes­ter La­ge zu hor­ten.»

Micha­el Bi­ber, Ge­mein­de­prä­si­dent (FDP)

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