Ein Plus­punkt im Kas­ten

Klo­tens neu­er Kee­per Jo­ren van Pot­tel­berg­he hat ei­nen span­nen­den Weg hin­ter – und ei­nen wohl noch span­nen­de­ren vor sich.

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Red

Zur letz­ten Par­tie vor der Na­tio­nal­mann­schafts­pau­se tritt Klo­ten mor­gen in Wein­fel­den ge­gen Thur­gau an. Der neue Go­a­lie Jo­ren van Pot­tel­berg­he könn­te sich er­neut als Rück­halt er­wei­sen.

94,51 Pro­zent Ab­wehr­quo­te steht in der Sta­tis­tik von Jo­ren van Pot­tel­berg­he. Nach drei Par­ti­en ge­gen die Swiss-Le­ague-TopTeams Visp, Ajo­ie und Ol­ten. Der neue Mann zwi­schen den Pfos­ten ist zwar erst 21 Jah­re alt, aber er brauch­te in Klo­ten kei­ne lan­ge An­lauf­zeit. «Es ist hier al­les bes­tens. Auf dem Eis hat es bis­her sehr gut funk­tio­niert. Mei­ne Vor­der­leu­te ha­ben in die­sen Par­ti­en ein­fach und klar­li­nig ge­spielt.»

Und er konn­te end­lich wie­der spie­len. Erst ei­ne Wo­che vor dem Sai­son­start der Na­tio­nal Le­ague er­fuhr er, dass Da­vos mit An­ders Lind­bäck ei­nen aus­län­di­schen Tor­hü­ter ver­pflich­tet hat­te. Van Pot­tel­berg­he wurde zur Num­mer 3. «Das war zu­erst ein Schock», sagt er da­zu. «Aber das sind Si­tua­tio­nen, die im Le­ben ei­nes Sport­lers im­mer wie­der vor­kom­men, auch in Nord­ame­ri­ka. Da­mit muss man ein­fach um­ge­hen kön­nen.» Er tat das, in­dem er im Trai­ning noch här­ter an sei­ner Phy­sis ar­bei­te­te, und er ge­noss die zwei Wo­chen, die er in Dä­ne­mark für Ringsted spie­len konn­te, um ein biss­chen Pra­xis zu sam­meln.

Wie Van Pot­tel­berg­he är­ger­te sich in­des auch Klo­ten lan­ge dar­über, dass der Go­a­lie-Ent­scheid in Da­vos so spät ge­fal­len war. Das An­ge­bot, Van Pot­tel­berg­he zu über­neh­men, kam erst, als mit Bern­hard Stark­baum der ös­ter­rei­chi­sche Schluss­mann in der Flug­ha­fen­stadt be­reits un­ter Ver­trag stand. Weil Klo­ten ge­merkt hat, dass die zwei zu­ge­las­se­nen Aus­län­der­plät­ze mit Feld­spie­lern bes­ser be­setzt sind, kam es En­de No­vem­ber dann doch noch zum De­al – der bis jetzt al­le Be­tei­lig­ten glück­lich macht.

Die bes­te Ent­schei­dung

Jo­ren van Pot­tel­berg­he wuchs als Kind bel­gi­scher El­tern in Zug auf, sei­ne Got­te brach­te ihn zum Eis­ho­ckey. Zum Go­a­lie wurde er erst spä­ter, ihn fas­zi­nier­te das Ge­samt­pa­ket an die­ser Po­si­ti­on: «Stark, ge­schmei­dig und schnell musst du sein, über 60 Mi­nu­ten kon­zen­triert.» Spä­ter woll­te Van Pot­tel­berg­he auf den Sport set­zen, sich nicht durch ei­ne Leh­re vom Weg ab­brin­gen las­sen. Des­halb be­schloss er mit 16, nach Schwe­den zu wech­seln, nach Lin­köping. «Das war die bes­te Ent­schei­dung, die ich bis­her ge­trof­fen ha­be», sagt er. Da war ei­ner­seits die Aus­bil­dung im Sport­gym­na­si­um mit zwei Trai­nings pro Tag, an­de­rer­seits der gros­se Schritt in die Selbst­stän­dig­keit. Un­ter­ge­bracht wa­ren die Nach­wuchs­spie­ler in ei­nem Block, Van Pot­tel­berg­he wohn­te al­lei­ne in ei­nem Stu­dio. «Die Gast­fa­mi­lie war weit weg, ich ha­be sel­ber ge­kocht und mei­ne Wä­sche be­sorgt.»

In die­sen drei Jah­ren Schwe­den wuch­sen Freund­schaf­ten her­an, die noch heu­te Be­stand ha­ben. Mit dem da­ma­li­gen Go­alie­trai­ner Niz­ze Lan­dén hat er wei­ter­hin Kon­takt, er war der Mann, der Van Pot­tel­berg­he am meis­ten vor­wärts­brach­te.

2015 wurde der Go­a­lie von De­troit ge­draf­tet, er ist be­reits in vier Trai­nings­camps der Red Wings ge­we­sen, die er als «sehr cool» be­zeich­net. Sein Ta­lent ein ers­tes Mal zei­gen konn­te er den Schwei­zern an der U-18-WM 2015 in Zug. Da er­reich­te sein Team das Bron­ze­spiel ge­gen Ka­na­da. Am glei­chen Tur­nier wa­ren Spie­ler wie Aus­ton Mat­t­hews und Pa­trik Lai­ne da­bei. Oder Ky­ril Ka­pri­sow, der an Olym­pia 2018 im Fi­nal das ent­schei­den­de Tor er­ziel­te. Oder Jes­se Pul­ju­jär­vi, der eben­falls be­reits ei­ne Rolle in der NHL spielt. Oder De­nis Mal­gin.

Zu­ger Fahr­ge­mein­schaft

Dort­hin, wo sie al­le sind, will Van Pot­tel­berg­he auch. Wann, das ist noch of­fen. «Was ich nächs­te Sai­son mache, ist noch nicht be­stimmt.» Zur­zeit gilt sein Fo­kus Klo­ten. Noch wehrt er die Schüs­se der Geg­ner mit ei­ner Mas­ke ab, die in den Da­vo­ser Far­ben ge­hal­ten ist. «Doch die Klo­ten-Mas­ke ist be­stellt», sagt er mit ei­nem brei­ten Lä­cheln und im Bünd­ner Dia­lekt. Den hat das Sprach­ta­lent – er spricht flä­misch, fran­zö­sisch, eng­lisch, schwe­disch und na­tür­lich deutsch – zu sei­ner ei­ge­nen Über­ra­schung in den zwei Jah­ren Da­vos sehr schnell an­ge­nom­men. Viel­leicht wird er ihn auch schnell wie­der los.

Auf je­den Fall lebt Van Pot­tel­berg­he seit dem Wech­sel nach Klo­ten wie­der bei sei­nen El­tern in Zug. Mit den Rou­ti­niers Fa­bi­an Sut­ter und Re­né Back bil­det er ei­ne Fahr­ge­mein­schaft, «ob­wohl mir al­le da­von ab­ge­ra­ten ha­ben», wie er la­chend sagt. Ihm passt die lo­cke­re Stim­mung in der Klo­te­ner Gar­de­ro­be. Mit sei­nen bis­he­ri­gen Pa­ra­den hat auch er sei­nen An­teil dar­an.

Fo­to: Keysto­ne

Klo­tens Go­a­lie Jo­ren van Pot­tel­berg­he hat schon zwei­mal das Tor des Schwei­zer A-Na­tio­nal­teams ge­hü­tet, wie hier im April ge­gen Weiss­russ­land.

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