«Der Kom­merz lässt die Ver­nunft ver­mis­sen»

Zürcher Unterländer - - Samstag Extra -

IIn der kal­ten Jah­res­zeit steigt der Wunsch nach wär­men­dem Licht. Ker­ze­n­ähn­li­ches Licht ent­spricht ei­ner lan­gen Tra­di­ti­on und stellt ein Be­dürf­nis des Menschen dar. Wär­me­strah­lung scheint hei­lend für ge­wis­se Schä­den an der Netz­haut zu sein, wie ak­tu­el­le For­schun­gen ver­mu­ten las­sen.

Dark-Sky Swit­z­er­land ist nicht ge­gen Be­leuch­tung, son­dern für den ver­nünf­ti­gen Um­gang mit Licht – und ge­nau die­se Ver­nunft lässt der Kom­merz bei Weih­nachts­be­leuch­tun­gen ver­mis­sen: Die Na­tur sucht Win­ter­ru­he und der Mensch trumpft gleich­zei­tig mit ir­ri­tie­ren­den Lich­ter­su­jets auf. Ob trop­fen­de Eis­zap­fen, blit­zen­de Lich­ter­ket­ten, grel­le Lich­ter­vor­hän­ge oder blaue Tan­nen­bäu­me, wan­dern­de Ster­ne, Schnee­flo­cken oder flir­ren­de La­ser­punk­te – der Fan­ta­sie sind kaum Gren­zen ge­setzt und das Wett­rüs­ten un­ter Nach­barn stoppt erst, wenn das letz­te Ren­tier aus­ver­kauft und ihr Strom­zäh­ler er­schöpft ist. Über Ge­schmack kann man be­kannt­lich strei­ten. Die Nacht­ru­he ist mit Ver­nunft oh­ne Streit mög­lich.

Das Um­welt­ziel «Lich­te­mis­sio­nen neh­men nicht wei­ter zu» wurde 2018 im Kan­ton Zü­rich er­neut ver­fehlt. Das er­staunt nicht. Ein Bei­spiel im Sü­den des Zürcher Un­ter­lands zeigt, dass selbst mit bes­ter Ab­sicht die Licht­men­ge der Weih­nachts­be­leuch­tung lo­kal mehr als ver­dop­pelt wird, oh­ne dass dies be­wusst ge­schieht: Wie ein über­gros­ses Weih­nachts­ge­schenk leuch­tet das Ein­kaufs­zen­trum Glatt je­weils im war­men Farb­ton um die­se Jah­res­zeit. Die Leucht­dich­te der Fas­sa­de wurde von Dark-Sky

«Die Na­tur sucht Ru­he, der Mensch trumpft mit ir­ri­tie­ren­dem Licht auf.»

Swit­z­er­land be­reits 2014 ge­mes­sen, sie be­trug da­mals 4,5 Ker­zen pro Qua­drat­me­ter und es wurde ge­schätzt, dass man mit dem­sel­ben Licht­strom et­wa ei­nen Ki­lo­me­ter Stras­se be­leuch­ten könn­te. Nun wurde 2018 die Fas­sa­de kom­plett re­no­viert. Die struk­tu­rier­te Fas­sa­de wurde ge­glät­tet, die Re­fle­xi­on der Fens­ter von Kup­fer auf Hell­blau er­höht und die Mehr­fach­ver­gla­sung auf drei ver­stärkt. Seit­her wer­den mehr als 13 Ker­zen pro Qua­drat­me­ter ge­mes­sen, al­so rund das Drei­fa­che der Licht­men­ge von frü­her. Die neue Fas­sa­de ver­stärkt den Ef­fekt, weil sie un­ge­hin­dert mehr­fa­che Spie­ge­lun­gen er­mög­licht. Bei duns­ti­ger Sicht sieht man den kräf­ti­ge­ren Licht­dom deut­lich.

Soll man sich da als Pri­vat­per­son über­haupt noch be­mü­hen? Ja, denn die Nach­barn sol­len ge­mäss Bun­des­ge­richts­ent­scheid ge­schützt wer­den. Die Weih­nachts­be­leuch­tung soll spä­tes­tens um 1 Uhr aus­schal­ten und nur vom 1. Ad­vent bis zum Drei­kö­nigs­tag lau­fen.

Lu­kas Schuler Prä­si­dent Dark-Sky Swit­z­er­land, Wal­li­sel­len

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