«Schein­hei­li­ges Pseu­do­pro­jekt»

Zürcher Unterländer - - Forum - Son­ja Hin­nen, Rüm­lang

Zu «Die neu­en Kur­ven der Glatt ge­fal­len den Bau­ern nicht» Aus­ga­be vom 1. De­zem­ber Was die Flug­ha­fen AG mit dem Vor­ha­ben «Auf­wer­tung der Glatt» wie­der aufs Ta­pet bringt, ist wahr­lich nicht neu. Aber nicht nur die Bau­ern sind ge­gen die­se «Auf­wer­tung», wie der Be­richt sug­ge­riert. Nein, die ein­hei­mi­sche Be­völ­ke­rung, die Um­welt­ver­bän­de und so­gar die Grü­nen stö­ren sich auch an die­ser ei­gent­lich sehr lo­bens­wer­ten Idee, weil sie wis­sen, was da­hin­ter­steckt.

Hat der Flug­ha­fen auf ein­mal den grü­nen Dau­men ent­deckt, sich so­zu­sa­gen das grü­ne Män­te­li über­ge­zo­gen? Mit­nich­ten. Die­se Furz­idee ba­siert auf der Si­che­rung des Pis­ten­ver­län­ge­rungs­pro­jekts, das von ah­nungs­lo­sen Schreib­tisch­pla­nern des Flug­ha­fens seit Jah­ren «ge­stal­tet» wird und die nichts an­de­res kön­nen, als Kul­tur­land­ver­nich­tung per Zei­chen­tisch zu voll­zie­hen.

Ver­ges­sen wir nicht, dass auch des Flug­ha­fens we­gen in den 1930er-Jah­ren 80 Pro­zent der al­ten Glatt­läu­fe ent­wäs­sert, der Wald ab­ge­holzt und die Glatt in ih­rer heu­ti­gen Form be­gra­digt und ka­na­li­siert wurde.

Die Be­völ­ke­rung rund um den Flug­ha­fen hat sich längst ar­ran­giert mit den Un­ta­ten je­ner Zeit und er­freut sich an den Über­res­ten der Glatt­läu­fe, an Pfei­fen­put­zern, Tau­cher­li, Mol­chen und sons­ti­gem Ge­tier. Auch die Glatt in ih­rer heu­ti­gen Form stört ei­gent­lich nie­man­den, ge­schwei­ge denn die Angst vor Hoch­was­ser. Al­le sind hap­py – gut so.

Dar­um ist es un­ehr­lich und ner­vig, dass die Flug­ha­fen AG und der Kan­ton zu­erst al­les zu­be­to­nie­ren, um dann mit ih­rem schein­hei­li­gen Pseu­do­pro­jekt, na­tür­lich auf Kos­ten an­de­rer, wei­te­re Dut­zen­de Hekt­aren Kul­tur­land zer­stö­ren möch­ten und da­mit die Exis­tenz der an­säs­si­gen Land­wirt­schaft mas­siv ge­fähr­den. Da­mit ma­chen sich Kan­ton und Flug­ha­fen völ­lig un­glaub­wür­dig.

Ich er­war­te von den be­trof­fe­nen Ge­mein­den und de­ren Ver­tre­tern, dass sie sich mit al­len Mit­teln ge­gen das Pro­jekt stel­len oder zu­min­dest ei­ne mas­siv re­du­zier­te, ein­ver­nehm­li­che Lö­sung mit den be­trof­fe­nen Land­wir­ten er­ar­bei­ten. Das vor­lie­gen­de Pro­jekt ge­hört in der Glatt ver­senkt. Die Pis­ten­ver­län­ge­run­gen eben­falls.

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