«Ver­trau­en in De­mo­kra­tie: Un­be­zahl­bar»

Zürcher Unterländer - - Forum - Ste­fan Schmid, Kan­tons­rat SVP und Ge­mein­de­prä­si­dent Nie­der­glatt

Zu «Gen­fer E-Vo­ting-Sys­tem ist am En­de» Aus­ga­be vom 29. No­vem­ber Der Kan­ton Genf stellt sein Sys­tem zur elek­tro­ni­schen Stimm­ab­ga­be En­de Fe­bru­ar 2020 ein. Das Pro­jekt sei zu teu­er. Zu­dem be­rich­te­te das Schwei­zer Fern­se­hen über Si­cher­heits­män­gel. Die Fach­welt ist sich ei­nig: Es ist tech­nisch un­mög­lich, ein Sys­tem be­reit­zu­stel­len, wel­ches gleich­zei­tig si­cher ge­gen Ma­ni­pu­la­tio­nen ist und die An­ony­mi­tät wahrt.

Ich per­sön­lich se­he E-Vo­ting als ei­ne un­ter­schätz­te Be­dro­hung für die di­rek­te De­mo­kra­tie. Miss­traut der Sou­ve­rän sei­ner Stimm­ab­ga­be, lei­det die Le­gi­ti­ma­ti­on und Glaub­wür­dig­keit der De­mo­kra­tie.

Im Kan­ton Zü­rich treibt je­doch die SP-Jus­tiz­di­rek­to­rin Jac­que­line Fehr das E-Vo­ting-Pro­jekt un­be­irrt vor­an. Da­bei klam­mert sie die tech­ni­schen und de­mo­kra­ti­schen Ri­si­ken aus, eben­so die Tat­sa­che, dass Ver­su­che mit EVo­ting we­der die Stimm­be­tei­li­gung er­höht ha­ben noch da­mit für den Stimm­bür­ger ei­ne Ver­ein­fa­chung er­reicht wurde. Wes­halb al­so die gan­ze Übung? Gibt es ir­gend­ei­ne Zürcher Ge­mein­de, wel­che den Auf­wand scheut? Ich ken­ne je­den­falls kei­ne.

Als Ge­mein­de­prä­si­dent in­ves­tie­re ich ger­ne jährlich fünf Sonn­ta­ge in das Wahl­bü­ro. Ich bin stolz dar­auf, mit ei­nem Team von Frei­wil­li­gen, wel­che durch den Sou­ve­rän ge­wählt wur­den, für die sorg­fäl­ti­ge Aus­zäh­lung der Stim­men sor­gen und bür­gen zu dür­fen. Das Ver­fah­ren ga­ran­tiert be­reits per Stimm­ab­ga­be die An­ony­mi­tät und si­chert da­mit die un­ver­fälsch­te Mei­nungs­äus­se­rung. Im Aus­zäh­lungs­pro­zess gilt in je­dem Teil­schritt das Vier­au­gen­prin­zip, ge­paart mit ei­ner mehr­fa­chen Ve­ri­fi­zie­rung und Plau­si­bi­li­sie­rung der Er­geb­nis­se.

Ab­ge­se­hen von Ge­heim­diens­ten kann E-Vo­ting aus­schliess­lich im In­ter­es­se je­ner lie­gen, wel­che ei­ne sol­che Platt­form ge­winn­brin­gend be­trei­ben oder sich ein po­li­ti­sches Denk­mal set­zen wol­len. Un­se­re De­mo­kra­tie soll­te sich solch nie­de­ren In­stink­ten nicht op­fern. Es be­steht kei­ne Not­wen­dig­keit, vom be­währ­ten, ver­trau­ten, an­ony­men und si­che­ren Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren ab­zu­wei­chen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.