«Win­ter oh­ne Schnee ist doch ein­fach nur öde»»

Zürcher Unterländer - - Samstag Extra -

Ich bin mit­ten im Win­ter zur Welt ge­kom­men, stam­me von vä­ter­li­cher Sei­te her aus ei­nem Berg­kan­ton, ha­be mit et­wa 5 Jah­ren mein ers­tes Ren­nen im Ski­kin­der­gar­ten ge­won­nen und mei­ne Lieb­lings­ge­schich­te aus der Kind­heit er­zählt von Lars, dem klei­nen Eis­bä­ren. Der Schnee und ich – das ist schon ei­ne ganz spe­zi­el­le Lie­bes­ge­schich­te. Aus­ser­dem kann ich nichts da­für, dass ich im auf gut 400 Me­ter über Meer ge­le­ge­nen Bülach und nicht in ei­nem schnee­si­che­ren Win­ter­ort zur Welt ge­kom­men bin.

Schnee ge­hört ein­fach zum Win­ter

da­zu, auch im Flach­land. So­bald es schneit, er­scheint die Dun­kel­heit sanft er­hellt, es knis­tert un­ter den Füs­sen und die Land­schaft wirkt, als wä­re sie mit ei­ner or­dent­li­chen Por­ti­on Pu­der­zu­cker be­stäubt. Wun­der­schön! Fehlt al­ler­dings die­se weis­se Pracht, ist Win­ter ein­fach nur öde. Üb­rig blei­ben dann noch die Er­käl­tungs­vi­ren und die hus­ten­den Kol­le­gen, die kah­len Bäu­me, die kur­zen Ta­ge und die gars­ti­gen Tem­pe­ra­tu­ren. Gru­sig!

«So­bald es schneit, hellt sich mei­ne Win­ter­lau­ne pro­por­tio­nal zur Men­ge an fal­len­dem Schnee auf.»

So­bald aber di­cke Flo­cken am Him­mel tan­zen, hellt sich mei­ne Win­ter­lau­ne pro­por­tio­nal zur Men­ge an fal­len­dem Schnee auf. Und schau­en Sie mal in die Ge­sich­ter Ih­rer Mit­men­schen: Es geht vie­len gleich, vor al­lem den Kin­dern. Un­ver­ges­sen sind die vie­len Schnee­ta­ge mei­ner Kind­heit, als wir schon bei der dünns­ten Schnee­schicht die Da­vo­ser­schlit­ten aus dem Kel­ler hol­ten und zu un­se­rem Schlit­tel­hü­gel un­weit des Quar­tiers stapf­ten. Ich er­in­ne­re mich so­gar an ei­nen Aus­flug mit un­se­rem Pri­mar­leh­rer an eben­die­sen Hü­gel – und dies an­stel­le ei­ner Ma­the­stun­de.

Zu­ge­ge­ben: Heu­te wä­re ein sol­cher Aus­flug nicht mehr mög­lich. Am Hang mei­nes Schlit­tel­hü­gels steht näm­lich seit vie­len Jah­ren ei­ne Mehr­fa­mi­li­en­haus­sied­lung. Zu­dem be­sit­ze ich we­der ei­nen Schlit­ten noch so schi­cke Moon­boots wie frü­her. Doch die Be­geis­te­rung für den Schnee ist ge­blie­ben. Nur weil er sich hier un­ten nor­ma­ler­wei­se nicht me­ter­hoch türmt, heisst das nicht, dass er nicht auch ab und zu hier­hin ge­hört.

Mir ist klar, dass mei­ne An­sich­ten zum The­ma Schnee stark ro­man­ti­siert sind. Ich be­strei­te auch gar nicht, dass Schnee im Un­ter­län­der Stras­sen­ver­kehr un­wei­ger­lich zu Pro­ble­men führt. Auch der Pflotsch, der sich bei stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren wohl oder übel bil­det – und das dau­ert im Un­ter­land meist nicht lan­ge –, könn­te er­satz­los ge­stri­chen wer­den. Aber für ei­ne kur­ze Zeit «Win­ter­wun­der­land» neh­me ich so­gar die­sen in Kauf.

Mar­ti­na Can­ti­eni Re­dak­to­rin

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