Wer den Weg zum Haus von Schnee und Eis be­frei­en muss

Wenn der Pöst­ler auf dem Pri­vat­weg zum Haus we­gen Glatt­eis stürzt, haf­tet der Haus­ei­gen­tü­mer.

Zürcher Unterländer - - Geld - Bern­hard Kis­lig

Manch ei­ner, der mor­gens frü­her aus dem Bett muss, um die Haus­zu­fahrt frei­zu­schau­feln, wür­de ger­ne auf die weis­se Win­ter­pracht ver­zich­ten. Das Schnee­schau­feln und das Sal­zen dient aber nicht nur da­zu, den Weg für das ei­ge­ne Au­to oder Ve­lo frei­zu­ma­chen, es ist auch ei­ne Pflicht. «Ein Haus­ei­gen­tü­mer haf­tet, wenn der Post­bo­te oder an­de­re Dritt­per­so­nen auf dem Pri­vat­weg aus­rut­schen und ver­un­fal­len», sagt Tho­mas Schwei­zer, Ju­rist bei der Su­va (Schwei­ze­ri­sche Ver­si­che­rungs­an­stalt).

Das sieht die Werk­ei­gen­tü­mer­haf­tung des Ob­li­ga­tio­nen­rechts so vor, und das Bun­des­ge­richt hat das in Ur­tei­len be­stä­tigt. Auch wenn Schnee vom Dach her­un­ter­fällt und je­man­den ver­letzt, haf­tet der Ei­gen­tü­mer. Er muss die­sem Ri­si­ko zum Bei­spiel mit Da­ch­in­stal­la­tio­nen vor­beu­gen oder da­für sor­gen, dass der Schnee ge­fahr­los ent­fernt wird.

Fra­ge der Zu­mut­bar­keit

Die Haf­tung gilt nur, wenn die Schnee­räu­mung auf grob fahr­läs­si­ge Wei­se ver­nach­läs­sigt wird. Pflicht ist nur, was auch zu­mut­bar ist. Da­bei gibt es In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum. «Bei star­kem Schnee­fall in der Nacht kann nicht er­war­tet wer­den, dass mor­gens um 6 Uhr der Schnee weg­ge­räumt ist», er­läu­tert Schwei­zer. Als Richt­grös­se gilt: Zwi­schen 7 und 21 Uhr soll­ten Zu­fahrt oder Fuss­weg zum Haus von Schnee und Eis be­freit sein, so­fern es tags­über nicht schneit. Der si­che­re Zu­gang zum Haus soll­te so breit sein, dass zwei Personen pro­blem­los an­ein­an­der vor­bei­kom­men.

Im Ei­gen­heim ist der Be­sit­zer für die Schnee­räu­mung ver­ant­wort­lich. Bei Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern grund­sätz­lich auch. Doch in Miet­ver­trag oder Haus­ord­nung kön­nen auch Mie­ter da­zu ver­pflich­tet wer­den. Ist das nicht der Fall, wer­den in der Re­gel ein Haus­wart oder ex­ter­ne Fach­kräf­te mit den Ar­bei­ten be­auf­tragt.

Bei an­hal­tend ver­eis­ten oder ver­schnei­ten Zu­fahrts­we­gen kön­nen Mie­ter hin­ge­gen ei­nen Man­gel gel­tend ma­chen und ei­ne Miet­zins­re­duk­ti­on ver­lan­gen. Ge­naue­re Aus­kunft da­zu er­teilt der Mie­ter­ver­band oder die zu­stän­di­ge Miet­schlich­tungs­stel­le.

Wie die Schwei­ze­ri­sche Mo­bi­li­ar be­stä­tigt, schlies­sen fast al­le Haus­ei­gen­tü­me­rin­nen und Haus­ei­gen­tü­mer ei­ne Ge­bäu­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung ab. Für ein Ein­fa­mi­li­en­haus mit ei­ner vier­köp­fi­gen Fa­mi­lie kos­tet die­se bei der Mo­bi­li­ar knapp 130 Fran­ken im Jahr. Sie deckt Personen- und Sach­schä­den, die we­gen ei­nes Werk­man­gels oder ei­nes man­gel­haf­ten Un­ter­halts ent­ste­hen.

Wenn al­so der Pöst­ler we­gen Glatt­eis auf der pri­va­ten Zu­fahrt ver­un­fallt, zahlt in der Re­gel in ei­nem ers­ten Schritt die Su­va die Hei­lungs­kos­ten. In ei­nem zwei­ten Schritt kann sie Rück­griff auf die Ge­bäu­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung des Ei­gen­tü­mers neh­men. Da es in sol­chen Fäl­len wie er­wähnt ei­ni­gen In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum gibt, han­deln die Ver­si­che­run­gen meist un­ter­ein­an­der ei­nen Be­trag aus, wie Tho­mas Schwei­zer von der Su­va aus­führt.

Öf­fent­li­che Stras­sen

Auf öf­fent­li­chen Trot­toirs und Stras­sen haf­tet grund­sätz­lich der Staat, wenn es we­gen Glatt­eis oder Schnee zu Un­fäl­len kommt. Doch hier ist es schwie­ri­ger, ei­ne Haf­tung durch­zu­set­zen, wie Tho­mas Schwei­zer er­läu­tert. Denn ins­be­son­de­re bei star­kem Schnee­fall kann ei­ner Ge­mein­de nicht zu­ge­mu­tet wer­den, je­den Stras­sen­ab­schnitt un­un­ter­bro­chen von Schnee und Eis zu be­frei­en.

Zu­dem müss­ten Ge­mein­den bei­spiels­wei­se auch Um­welt­vor­ga­ben ein­hal­ten, die ei­nen mass­vol­len Um­gang mit Salz vor­schrei­ben wür­den, be­tont Da­ni­el Eber­hard, Me­dien­spre­cher bei der Ab­tei­lung Ent­sor­gung und Re­cy­cling der Stadt Zü­rich. Er skiz­ziert auch die Gren­zen. 200 Pi­kett­mit­ar­bei­ter kön­nen in Zü­rich bei Schnee­fall kurz­fris­tig ein­ge­setzt wer­den, ver­gan­ge­ne Wo­che wa­ren in der Stadt 120 Fahr­zeu­ge für Schnee­räu­mung und En­tei­sung un­ter­wegs. Trotz­dem gab es im­mer noch et­li­che Ab­schnit­te mit er­höh­ter Rutsch­ge­fahr.

Da bei ei­nem weit­läu­fi­gen Stras­sen­netz in Ge­mein­den nicht al­les mög­lich ist, ver­weist Da­ni­el Eber­hard auch auf die Ei­gen­ver­ant­wor­tung: Au­to­fah­rer müs­sen Win­ter­rei­fen mon­tie­ren, Velo­fah­rer soll­ten bei schlech­ten Ver­hält­nis­sen auf den öf­fent­li­chen Ver­kehr um­stei­gen und Fuss­gän­ger gu­tes Schuh­werk tra­gen.

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