Ein Gar­ten, ei­ne Fa­mi­lie und viel Be­geis­te­rung für das Thea­ter

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Region - Andrea Bau­mann

WÄ­DENS­WIL Zum 15. Mal gas­tiert die­ses Jahr das Thea­ter Kan­ton Zü­rich im Gar­ten der Wä­dens­wi­ler Vil­la Flo­ra. Die Gast­ge­ber, Ri­ta Blu­men­thal und ih­re Fa­mi­lie, ver­bin­den mit den Frei­licht­auf­füh­run­gen un­ver­ges­se­ne Er­leb­nis­se.

Pas­sen­der hät­te es nicht sein kön­nen: Fle­der­mäu­se, die vor der Ku­lis­se des Voll­mon­des durch die Nacht schwir­ren. Und dar­un­ter, auf dem Bo­den, spielt sich ei­ne Sze­ne aus «Dra­cu­la» ab. Oder ein Sturm, der mit rau­schen­dem Ge­tö­se das Blatt­werk der 120-jäh­ri­gen Bu­chen durch­wühlt, der­weil auf der Büh­ne «Kö­nig Hirsch», um­ge­ben von den Geis­tern des Wal­des, um sein Glück kämpft. Das stim­mungs­vol­le Mit­ein­an­der von Na­tur und Thea­ter in die­ser und an­de­rer Va­ri­an­te könn­te man­chem Gast im Gar­ten der Wä­dens­wi­ler Vil­la Flo­ra nicht un­be­kannt sein. Denn dort, bei Ri­ta Blu­men­thal, Gio­van­ni Meng­hi­ni und den drei Kin­dern der Fa­mi­lie, fin­den je­den Ju­ni Thea­ter­auf­füh­run­gen im Frei­en statt. Dies im Rah­men ei­ner Tour­nee, die das Thea­ter Kan­ton Zü­rich quer durch den gan­zen Kan­ton un­ter­nimmt.

Am 19. Ju­ni steht Sha­ke­speares «Som­mer­nachts­traum» auf dem Pro­gramm. Just mit die­sem Stück hat 2002 die be­son­de­re Be­zie­hung der Fa­mi­lie Blu­ment­halMeng­hi­ni zum Thea­ter be­gon­nen: In je­nem Jahr sah sie im Park der Vil­la Grü­nen­berg in Wä­dens­wil die Ko­mö­die in der Ins­ze­nie­rung eben­die­ses Thea­ters Kan­ton Zü­rich.

Spon­ta­ne Be­geis­te­rung

Die 57-jäh­ri­ge Ri­ta Blu­men­thal lässt den da­ma­li­gen Auf­füh­rungs­be­such Re­vue pas­sie­ren. In den Er­zäh­lun­gen der ge­bür­ti­gen Bünd­ne­rin ja­gen sich die Su­per­la­ti­ve — über die Ins­ze­nie­rung, die Schau­spie­ler, den Park, ih­re Be­geis­te­rung. Noch an Ort und Stel­le ha­be sie den Ma­na­ger des Thea­ters an­ge­spro­chen. Ob er sich vor­stel­len kön­ne, künf­tig bei ihr, im Gar­ten der Vil­la Flo­ra, zu spie­len? Dies, weil der Park der Vil­la Grü­nen­berg in­fol­ge Ver­kaufs der­sel­ben für wei­te­re Durch­füh­run­gen nicht mehr in­fra­ge ge­kom­men sei. «Vor al­lem aber woll­ten wir un­se­ren Gar­ten für die Be­völ­ke­rung öff­nen», er­gänzt Meng­hi­ni. Als Dank, dass ih­nen die Stadt Wä­dens­wil die Vil­la mit­samt Um­schwung 2001 im Bau­recht ab­ge­ge­ben hat­te.

Und weil es ein­fach scha­de sei, an der Idyl­le des ver­wun­schen­ro­man­ti­schen Fle­ckens Grün nicht mehr Leu­te teil­ha­ben zu las­sen. Für sie sel­ber, sagt Blu­men­thal, sei der na­tur­na­he Gar­ten «fast bes­ser als das Haus». Vö­gel, Erd­krö­ten, Mol­che und Igel fän­den da­rin, nebst vie­len an­de­ren Tie­ren, ih­ren Le­bens­raum. Kom­me der­einst der Mo­ment, an dem sie aus dem Haus aus­zie­hen müs­se, wer­de sie sich we­gen des Gar­tens die Au­gen aus­wei­nen, ver­an­schau­licht sie. Je­den­falls sei der Thea­ter­ma­na­ger nach ei­nem Be­such über­zeugt ge­we­sen, und das Fa­mi­li­en­pro­jekt der be­son­de­ren Art ha­be sei­nen Lauf neh­men kön­nen.

Und nun al­so fin­det es heu­er zum 15. Mal statt. Be­reits im Fe­bru­ar kün­di­ge sich das Un­ter­fan­gen an. Ab dann lie­ge sie ihm und den Kin­dern re­gel­mäs­sig in den Oh­ren mit ih­ren ban­gen Fra­gen, sagt Meng­hi­ni scher­zend über sei­ne Frau. Ob das Wet­ter – in vier Mo­na­ten no­ta­be­ne – wohl gut sein wer­de. Ob er denn wirk­lich am Tag der Vor­stel­lung frei­ge­nom­men ha­be.

Ers­tes Mal mit gros­ser Freu­de

2004 galt es für die Fa­mi­lie – zu der die heu­te 20-jäh­ri­ge Toch­ter Ca­te­ri­na und zwei Söh­ne im Al­ter von 25 und 34 Jah­ren ge­hö­ren – erst­mals ernst als Thea­ter­gast­ge­ber. Ein har­tes Jahr sei es ge­we­sen mit der Re­stau­rie­rung der Vil­la und dem noch Un­be­kann­ten des Thea­ter­abends im ei­ge­nen Gar­ten. Gel­te es doch, im Vor­feld Fly­er auf­zu­hän­gen, am Vor­stel­lungs­abend die Bar zu be­trei­ben, die Abend­kas­se zu be­sor­gen und über­haupt da­nach zu se­hen, dass al­les rei­bungs­los ab­lau­fe. Nichts­des­to­trotz, «es war ei­ne irr­sin­ni­ge Freu­de», er­in­nern sich die Haus­her­ren.

Die Freu­de ist ge­blie­ben. Un­ver­ges­se­ne Er­leb­nis­se ver­bin­det die Fa­mi­lie mit den Thea­ter­aben­den, oh­ne je schlech­te Er­fah­run­gen ge­macht zu ha­ben. Ca­te­ri­na er­in­nert sich an die Schau­spiel­trup­pe der ers­ten Jah­re, die die Kin­der bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den mit Ge­schich­ten un­ter­hal­ten ha­be. Be­mer­kens­wert sei auch die stets spon­ta­ne Gäs­te­schar, die sich nicht zu scha­de sei, nach ei­ner Re­gen­pau­se Tri­bü­ne und Büh­ne ab­zu­trock­nen – ge­mein­sam mit den Schau­spie­lern. «Vie­le Be­su­cher kom­men al­lein schon we­gen des stim­mungs­vol­len Am­bi­en­te», sagt Blu­men­thal. Ei­nen ein­zi­gen Wer­muts­trop­fen ken­ne sie: «Ich wür­de gern rich­tig für das Pu­bli­kum ko­chen und aus ei­ner gros­sen Pfan­ne schöp­fen.» Da aber beisst sie bei ih­rem Mann auf Gra­nit: zu auf­wen­dig, zu schwie­rig zu kal­ku­lie­ren. Im­mer­hin las­se sie es sich nicht neh­men, drei ver­schie­de­ne Sup­pen zu ser­vie­ren. «Ein Som­mer­nachts­traum» Di­ens­tag, 19. Ju­ni, 20.40 Uhr. Aus­weich­da­tum: Di­ens­tag, 26. Ju­ni, 20.40 Uhr. Bar und Sup­pe ab 19 Uhr. Vor­ver­kauf: Te­le­fon 052 212 14 42, in­fo@tkz.ch. Vil­la Flo­ra, Flo­ra­weg 9, Wä­dens­wil. www.thea­ter­kan­ton­zue­rich.ch

Fo­to: Sa­bi­ne Rock

Die Fa­mi­lie von Ri­ta Blu­men­thal (Mit­te) stellt ih­ren Gar­ten für Thea­ter­auf­füh­run­gen zur Ver­fü­gung.

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