Mu­si­ka­li­sche Vor­weih­nacht

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseite - Michèle Com­baz Thys­sen

Die Thal­wi­ler Sän­ge­rin Ju­lia Schi­wo­wa sang in Hor­gen Ge­schich­ten zur Ad­vents­zeit.

HOR­GEN Um die De­fi­ni­ti­on von «Weihnachten» dreh­te sich die mu­si­ka­li­sche Ad­vents­ge­schich­te der Thal­wi­ler Sän­ge­rin Ju­lia Schi­wo­wa. Sie er­in­nert an Weih­nachts­sze­na­ri­en, nicht oh­ne Kri­tik dar­an zu äus­sern.

«Die in­sti­tu­tio­na­li­sier­te Sehn­sucht an Weihnachten hat mich be­schäf­tigt», er­zählt Ju­lia Schi­wo­wa. «Ich ha­be mir über­legt, was für mich Weihnachten be­deu­tet, und die Lie­der ge­schrie­ben für die mu­si­ka­li­sche Ad­vents­ge­schich­te ‹Tör­li uf, Tör­li zue›.» Die Voll­blut­mu­si­ke­rin ist zwei­fa­che Mut­ter, in Zü­rich auf­ge­wach­sen und lebt in Thal­wil. Vor­zugs­wei­se Mund­art und Fran­zö­sisch singt die Toch­ter des rus­si­schen Stumm­film­pia­nis­ten Alex­an­der Schi­wow: «Rus­sisch ha­be ich erst nach der Ma­tur aus Neu­gier ge­lernt, weil auf der Mu­sik­hoch­schu­le so vie­le aus der Ex-So­wjet­uni­on stu­dier­ten.» Mu­si­ka­lisch be­wegt sich Schi­wo­wa in zwei Gen­res: Sie hat klas­si­schen Ge­sang stu­diert, zu­dem singt sie in ei­nem Jazz­trio. 2017 ur­auf­ge­führt, wurde «Tör­li uf, Tör­li zue» für den Auf­tritt im Horg­ner Schin­zen­hof von Ed­ward Rush­ton und Si­mo­ne Baumann für das sech­zehn­köp­fi­ge Orches­ter Ca­me­ra­ta Can­ta­bi­le neu ar­ran­giert. Am Sa­mich­laus­abend war­te­ten im Schin­zen­hof rund 250 Gäs­te, bis das Kon­zert mit ei­nem fei­er­li­chen Trom­pe­ten­so­lo be­gann. Schi­wo­wa fing an zu sin­gen und er­zähl­te in ih­ren Lie­dern von Na­sch­wa­ren aus ei­nem Zürcher Tra­di­ti­ons­ge­schäft, vom Ker­zen­zie­hen oder von ei­nem Ka­rus­sell­pferd auf der Ge­mü­se­brü­cke mit dem Schweif aus En­gels­haar. Al­les dreht sich um die idea­li­sier­te Weih­nacht und die plötz­li­che Desil­lu­sio­nie­rung, un­ter­malt von Bos­sa no­va. Sie singt vom Schau­fens­ter­bum­mel, von ei­nem un­be­kann­ten Alt­stadt­gäss­chen, das zu ei­nem blau­en Haus führt. Dort war­tet ein klei­ner Jun­ge mit sei­nem Ad­vents­ka­len­der und stellt Fra­gen: Wo geht das Weiss hin, wenn der Schnee schmilzt? Wer ist die Mut­ter vom Samichlaus?

Kri­tik am Fest­tags­kon­sum

Die Sän­ge­rin ant­wor­tet schlag­fer­tig und er­zählt vom Streit mit dem Bru­der über die Far­be der Christ­baum­ku­geln, vom schmel­zen­den Baum­schmuck aus Scho­ko­la­de, vom Hund, der die Wil­li­sau­er Ring­li vom Christ­baum frisst. «Al­le wis­sen, wie es geht mit Weihnachten», swingt Schi­wo­wa; der Fa­mi­li­en­krach sei vor­pro­gram­miert. Am En­de fängt der Beth­le­hem-Stern Feu­er, und mit dem Re­frain «’s Chripp­li brännt, d’Fa­mi­lie rännt» wird das Pu­bli­kum in die Pau­se ent­las­sen. «Wenn sie singt, wer­den ver­trau­te De­tails plötz­lich wich­tig», sag­te De­ni­se Viel­mi, Alt-Ge­mein­de­rä­tin von Hor­gen. Mit An­ek­do­ten aus ih­rem Le­ben als Mut­ter lei­tet Schi­wo­wa über zum zwei­ten Teil, nicht oh­ne den Fest­tags­kon­sum mit ei­nem Au­gen­zwin­kern zu kri­ti­sie­ren. Sie zeigt beim Med­ley im Du­ett mit dem Trom­pe­ter, dass sie auch im Scat be­wan­dert ist: Die ver­trau­ten Weih­nachts­me­lo­di­en er­kennt man auch oh­ne ver­ständ­li­che Wor­te.

Fo­to: Ma­nue­la Matt

Die Thal­wi­ler Sän­ge­rin Ju­lia Schi­wo­wa sang im Horg­ner Schin­zen­hof­saal mit dem Orches­ter Ca­me­ra­ta Can­ta­bi­le Lie­der zum Ad­vent.

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