Jac­que­line Fehr kri­ti­siert See­re­gi­on

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseite - Fa­bi­en­ne Senn­hau­ser

RE­GIE­RUNGS­RAT Im Ge­spräch mit der ZSZ spart die Vor­ste­he­rin des Zürcher Jus­tiz­de­par­te­ments, Jac­que­line Fehr (SP), nicht mit Kri­tik an den See­ge­mein­den.

We­ni­ge Mo­na­te vor den Re­gie­rungs­rats­wah­len holt die Win­ter­thu­re­rin Jac­que­line Fehr (SP) zum Rund­um­schlag ge­gen die Zü­rich­see­ge­mein­den und ih­re po­li­ti­schen Ver­tre­ter im Re­gie­rungs­rat aus.

Die Zü­rich­see­re­gi­on ver­fü­ge über we­nig In­no­va­ti­ons­kraft, sagt die Vor­ste­he­rin des Zürcher Jus­tiz­de­par­te­ments und Di­rek­to­rin des De­par­te­ments des In­nern in ei­nem In­ter­view mit der Zei­tung «Der Land­bo­te». «Es sieht dort in wei­ten Tei­len im­mer noch gleich aus wie vor zwan­zig Jah­ren», fügt die Win­ter­thu­re­rin an. Ver­gli­chen mit ur­ba­ne­ren Re­gio­nen wie et­wa dem Glat­tal, wo al­le zwei Jah­re ei­ne neue Stadt ent­ste­he, sei das ein rie­si­ger Un­ter­schied. Um­so wich­ti­ger sei es, dass die Re­gie­rung Ver­ständ­nis für die Her­aus­for­de­run­gen die­ser Zen­tren ha­be.

Für bes­se­re Durch­mi­schung

Auf Nach­fra­ge der ZSZ äus­sert sich die 55-Jäh­ri­ge nicht we­ni­ger poin­tiert über die See­ge­mein­den. So for­dert Fehr et­wa mehr De­mut von ih­nen. Am schö­nen Zü­rich­see feh­le oft das Ver­ständ­nis für die Be­dürf­nis­se der ur­ba­nen Zen­tren.

Aus der Sicht der Win­ter­thu­re­rin fehlt es auch den Ver­tre­tern der Zü­rich­see­re­gi­on in der Re­gie­rung hie und da an die­sem Ver­ständ­nis. Am be­schau­li­chen Zü­rich­see kön­ne man sich oft gar nicht vor­stel­len, wie tem­po­reich die Ve­rän­de­run­gen an­dern­orts sei­en. Mit­ten im Wahl­kampf für die Er­neue­rung des Re­gie­rungs­rats im kom­men­den März lässt die SP-Frau im Ge­spräch denn auch durch­bli­cken, dass sie sich ei­ne viel­fäl­ti­ge­re Zu­sam­men­set­zung der künf­ti­gen Re­gie­rung wün­sche.

Re­gie­rungs­rats­kol­le­ge Ernst Sto­cker (SVP) be­tont der­weil, dass er auch als Wä­dens­wi­ler stets die Vor­tei­le für den gan­zen Kan­ton im Blick ha­be.

RE­GIE­RUNGS­RAT Die Zürcher Re­gie­rungs­rä­tin Jac­que­line Fehr (SP) äus­sert im Ge­spräch mit der ZSZ Kri­tik an der Zu­sam­men­set­zung der Kan­tons­re­gie­rung und for­dert mehr Ver­ständ­nis der Zü­rich­see­ge­mein­den für den So­zi­al­las­ten­aus­gleich.

In ei­nem In­ter­view mit dem «Land­bo­ten» be­zeich­ne­ten Sie die Zü­rich­see­ge­mein­den als Re­gi­on, wo we­nig pas­siert und wo es we­nig In­no­va­ti­on gibt. Wie mei­nen Sie das?

Im Ge­gen­satz zu ei­nem Win­ter­thu­rer schaut bei­spiels­wei­se ein Mei­le­mer aus sei­nem Fens­ter und sieht noch im­mer mehr oder we­ni­ger das Glei­che wie vor zwan­zig Jah­ren. Aber das soll kein Vor­wurf an die See­ge­mein­den sein. Es ist ein­fach ein Fakt. Das lang­fris­ti­ge Raum­pla­nungs­kon­zept des Kan­tons sieht ja auch vor, dass das Wachs­tum zu 80 Pro­zent in den ur­ba­nen Räu­men ge­schieht.

Wenn es kein Vor­wurf ist, was war denn die Ab­sicht Ih­rer Aus­sa­ge?

Ich plä­die­re für mehr Re­spekt der pri­vi­le­gier­ten ge­gen­über den be­las­te­ten Ge­mein­den. Es zeigt sich, dass das Ver­ständ­nis für den So­zi­al­las­ten­aus­gleich ge­ra­de in den See­ge­mein­den nicht sehr gross ist.

Kön­nen Sie das ge­nau­er er­klä­ren?

In Die­ti­kon oder Wal­li­sel­len bei­spiels­wei­se ver­än­dert sich das Orts­bild und die Zu­sam­men­set­zung der Be­völ­ke­rung al­le fünf Jah­re kom­plett. Da­mit sind Po­li­tik und Ge­sell­schaft per­ma­nen­ten Neu­an­pas­sun­gen un­ter­wor­fen. Am be­schau­li­chen Zü­rich­see kann man sich oft gar nicht vor­stel­len, wie tem­po­reich die Ve­rän­de­run­gen an­ders­wo sind. Es ist aber wich­tig, dass man auch an den bei­den See­ufern rea­li­sie­ren wür­de, was für ei­ne wahn­sin­ni­ge Leis­tung die­se Brenn­punk­te er­brin­gen.

Die Ge­mein­den am Zü­rich­see zah­len 2019 mehr als die Hälf­te des Ge­samt­be­trags, der im Fi­nanz­aus­gleich um­ge­wälzt wird. Sind Sie si­cher, dass es op­por­tun ist, die­se Ge­mein­den mit ei­ner sol­chen Aus­sa­ge vor den Kopf zu stos­sen? Brei­te­re Schul­tern tra­gen mehr. Die See­ge­mein­den pro­fi­tie­ren ja haupt­säch­lich von ih­rem Stand­ort. Da gibt es nichts, was sie bes­ser ma­chen als an­de­re. Ih­re Po­tenz ist al­so leis­tungs­un­ab­hän­gig. Über die­ses Glück dürf­te man durch­aus de­mü­tig sein.

Der Be­zirk Hor­gen und da­mit die Zü­rich­see­re­gi­on ist im Re­gie­rungs­rat ge­gen­wär­tig gleich drei­fach ver­tre­ten. Ei­ne Über­re­prä­sen­ta­ti­on aus Ih­rer Sicht?

Es ist ein de­mo­kra­ti­scher Ent­scheid, der grund­sätz­lich nicht zu kri­ti­sie­ren ist.

Aber?

Das Um­feld, aus dem man stammt, das prägt auch die ei­ge­ne Po­li­tik. Wenn man am schö­nen Zü­rich­see sitzt und sel­ber gar nicht be­trof­fen ist von den Her­aus­for­de­run­gen, mit de­nen die ur­ba­nen Zen­tren heu­te zu kämp­fen ha­ben, dann fehlt oft das Ver­ständ­nis für de­ren Be­dürf­nis­se.

En­de März 2019 ste­hen Re­gie­rungs­rats­wah­len an. Ma­chen Sie mit sol­chen Aus­sa­gen nicht ein­fach Wahl­kampf?

Es ist mei­ner Mei­nung nach wich­tig, dass im Re­gie­rungs­rat ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven ver­tre­ten sind. Und ich bin zu­ver­sicht­lich, dass mit den ak­tu­el­len Kan­di­da­ten die Chan­ce be­steht, dass die ur­ba­nen Räu­me mehr Ein­fluss in un­se­re Re­gie­rung neh­men kön­nen.

«Am Zü­rich­see kann man sich oft gar nicht vor­stel­len, wie tem­po­reich die Ve­rän­de­run­gen an­ders­wo sind.»

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