Ein Turm fei­ert Ge­burts­tag

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseite - San­dra Kus­ter

LANGNAU Mor­gen wird der Hoch­wacht­turm auf der Al­bis­ket­te 40 Jah­re alt. Ob der Aus­sichts­turm in zehn Jah­ren noch steht, ist noch un­klar.

Der Aus­sichts­turm auf der Hoch­wacht ist ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel: 16200 Per­so­nen be­such­ten ihn im ver­gan­ge­nen Jahr. An schö­nen Sonn­ta­gen wa­ren es teils so­gar über 300 Per­so­nen, die das Pan­ora­ma ge­nos­sen.

Am 9. De­zem­ber 1978 – mor­gen vor vier­zig Jah­ren – er­öff­ne­te die Ver­ei­ni­gung Pro Sihl­tal den Turm. Mass­geb­lich am Bau be­tei­ligt war der Ro­ta­ry-Club Zü­rich, der an be­sag­tem Tag den Turm der Ver­ei­ni­gung Pro Sihl­tal über­gab. Bis heu­te ge­hört er Pro Sihl­tal, wäh­rend sich der Wild­nis­park Zü­rich um den Un­ter­halt küm­mert. «Mit dem Hoch­wacht­turm möch­ten wir den Leu­ten die land­schaft­li­che Schön­heit der Um­ge­bung nä­her­brin­gen», sagt Isa­bel­le Roth, Prä­si­den­tin des Ver­eins Pro Sihl­tal. Die­se ge­ra­te auf­grund der Nä­he zur Stadt schnell in Ver­ges­sen­heit.

Teil ei­nes Alarm­net­zes

Dem Turm­bau ging ei­ne lang­jäh­ri­ge Ge­schich­te vor­aus. Fest­ge­hal­ten wurde sie 2003 in ei­nem Jah­res­heft von Pro Sihl­tal zum 25-Jahr-Ju­bi­lä­um des Turms. Wie es dar­in heisst, ist der Stand­ort des Turms nicht zu­fäl­lig ge­wählt. Bis ins 18. Jahr­hun­dert war die Al­bis-Hoch­wacht Teil ei­nes Alarm­net­zes, das 23 Zürcher Hoch­wach­ten um­fass­te. Die da­mals noch kaum be­wal­de­ten Flä­chen lies­sen ei­nen wei­ten Blick zu und er­mög­lich­ten den Wach­pos­ten, mit Rauch und Feu­er­zei­chen zu kom­mu­ni­zie­ren und vor Fein­den zu war­nen.

Mit­te der 1950er-Jah­re wur­den dann Stim­men laut, die sich für den Bau ei­nes Turms aus­spra­chen. Als Bei­spiel dien­te der höl­zer­ne Loo­ren­kopf­turm auf dem Ad­lis­berg bei Wi­ti­kon, der 1954 er­baut wurde. Dar­auf­hin setz­te sich der Vor­stand von Pro Sihl­tal 1956 mit der Idee aus­ein­an­der. Ein Gut­ach­ten ver­deut­lich­te da­mals al­ler­dings, dass ein Bau auf­wen­di­ger wür­de als ge­dacht. Der be­ste­hen­de Schutz­pa­vil­lon wür­de ab­ge­ris­sen und der Bo­den ab­ge­tra­gen wer­den müs­sen, um ei­nen sta­bi­len Un­ter­grund zu schaf­fen. Auch wür­de der Turm deut­lich hö­her wer­den müs­sen als ur­sprüng­lich an­ge­dacht. Das Pro­jekt ge­riet des­halb für knapp zehn Jah­re ins Sto­cken, bis es 1967 durch ein Mit­glied der Ver­ei­ni­gung Pro Sihl­tal wie­der zum Le­ben er­weckt wurde.

Ge­baut in nur vier Mo­na­ten

Mit der Grün­dung ei­nes Fonds Mit­te der 1970er-Jah­re wurde der fi­nan­zi­el­le Grund­stein zur Rea­li­sie­rung des Turms ge­legt. Spen­den des Dorf­ver­eins Gat­ti­kon, ei­nes Eh­ren­mit­glieds von Pro Sihl­tal so­wie ei­ne Spen­de der Ge­mein­de Thal­wil flos­sen hin­ein. Durch den Ein­satz von Car­lo Old­a­ni wurde das Vor­ha­ben auch vom Vor­stand des Ro­ta­ry-Clubs Zü­rich un­ter­stützt. Mit den Ro­ta­ry-Clubs aus der Au, Thal­wil, dem Kno­nau­er Amt und Zü­richWest wur­den wei­te­re pas­sen­de Geld­ge­ber ge­fun­den.

Im Au­gust 1978 war es dann end­lich so weit, und der Bau des 30 Me­ter ho­hen Turms konn­te be­gin­nen. Nach nur knapp vier Mo­na­ten Bau­pha­se stand der Holz­turm mit sei­nen 153 Stu­fen. Am 9. De­zem­ber 1978 wurde der Turm vor den Au­gen von über hun­dert Zu­schau­ern er­öff­net.

Ein neu­er Turm aus Stahl?

Erst 2017 wurde der Turm für rund 20 000 Fran­ken sa­niert. «Der Auf­wand für den Turm hält sich sonst aber in Gren­zen», sagt Isa­bel­le Roth. Zwi­schen zwei­und fünf­tau­send Fran­ken wür­den für die In­stand­hal­tung jährlich aus­ge­ge­ben. Der vor 40 Jah­ren ab­ge­schlos­se­ne Bau­rechts­ver­trag be­wil­lig­te den Hoch­wacht­turm für 50 Jah­re. Da der Ver­trag in zehn Jah­ren ab­lau­fen wird, ist noch of­fen, ob der Turm da­nach wei­ter ste­hen bleibt. Pro Sihl­tal und der Wild­nis­park Zü­rich wür­den sich über die Er­hal­tung freu­en, wie Roth sagt. Auch ein ganz neu­er Turm kom­me in­fra­ge. «Fi­nan­zi­ell sind wir aber in der glei­chen Si­tua­ti­on wie da­mals», sagt Roth. Auch heu­te sei­en sie auf Spen­den­gel­der an­ge­wie­sen. «An­stel­le des höl­zer­nen Turms könn­ten wir uns auch ei­ne Stahl­kon­struk­ti­on vor­stel­len.»

Fo­to: Ma­nue­la Matt

Der Hoch­wacht­turm steht seit 40 Jah­ren auf der Al­bis­ket­te.

Fo­to: Ma­nue­la Matt

Der Hoch­wacht­turm ist 30 Me­ter hoch und er­mög­licht die Sicht auf den Zü­rich­see und das Sihl­tal.

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