Es ist vor­bei mit der Ru­he

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Ausland - Alan Cas­sidy, Wa­shing­ton

USA Prä­si­dent Do­nald Trump er­nennt ei­nen neu­en Jus­tiz­mi­nis­ter und ei­ne neue UN-Bot­schaf­te­rin.

Es war das ab­rup­te En­de ei­ner trü­ge­ri­schen Ru­he. Fast ei­ne Wo­che lang hat­ten die Trau­er­fei­er­lich­kei­ten für den ver­stor­be­nen Ex-Prä­si­den­ten Ge­or­ge H.W. Bush vie­les in Wa­shing­ton lahm­ge­legt, oder, um es po­si­ti­ver aus­zu­drü­cken: Sie hat­ten die stets fieb­ri­ge At­mo­sphä­re in der USHaupt­stadt ein we­nig ab­ge­kühlt. Doch am Frei­tag war die Auf­re­gung zu­rück, aus­ge­löst von ei­ner wei­te­ren Per­so­nal­ro­cha­de in der Re­gie­rung von Do­nald Trump. Die wich­tigs­te Neu­be­set­zung be­trifft da­bei die Stel­le des Jus­tiz­mi­nis­ters, die nach dem Ab­gang von Jeff Ses­si­ons nur in­te­ri­mis­tisch be­setzt wurde.

Als neu­en Mann an der Spit­ze des Mi­nis­te­ri­ums hat Trump nun Wil­li­am Barr er­nannt, ei­nen er­fah­re­nen re­pu­bli­ka­ni­schen Ju­ris­ten, der schon un­ter Ge­or­ge H.W. Bush als Jus­tiz­mi­nis­ter dien­te. Heu­te ist der 68-Jäh­ri­ge An­walt in ei­ner re­nom­mier­ten Wa­shing­to­ner Kanz­lei, ein Mann des Esta­blish­ments al­so – und den­noch ist sei­ne Er­nen­nung nicht un­be­strit­ten. Be­vor er sein Amt an­tre­ten kann, muss Barr erst vom Se­nat be­stä­tigt wer­den. Da­bei wird es vor al­lem dar­um ge­hen, wie sich Trumps Kan­di­dat zur Russ­land-Un­ter­su­chung des Son­der­er­mitt­lers Ro­bert Mu­el­ler stellt. Als Jus­tiz­mi­nis­ter wür­de Barr die Auf­sicht über die Er­mitt­lun­gen ob­lie­gen.

Zu re­den ge­ben des­halb Barrs frü­he­re Aus­sa­gen zu die­sem The­ma. So stell­te er sich ver­gan­ge­nes Jahr in ei­nem Gast­bei­trag in der «Wa­shing­ton Post» auf den Stand­punkt, dass Trump den rich­ti­gen Ent­scheid ge­trof­fen ha­be, als er den FBI-Di­rek­tor Ja­mes Co­mey ge­feu­ert ha­be. Co­meys Ent­las­sung ist Teil von Mu­el­lers Un­ter­su­chung, es geht da­bei um die Fra­ge, ob sich Trump da­mit der Jus­tiz­be­hin­de­rung schul­dig ge­macht hat – ei­ne An­sicht, die Barr nicht teilt. An an­de­rer Stel­le kri­ti­sier­te er, dass ei­ni­ge von Mu­el­lers Staats­an­wäl­ten an Kan­di­da­ten der De­mo­kra­ti­schen Par­tei ge­spen­det hät­ten – ein Vor­wurf, den auch Trump im­mer wie­der auf­greift.

Schliess­lich er­weck­te Barr auch schon den Ein­druck, dass die US-Jus­tiz ei­gent­lich gar nicht Trumps mög­li­che Ab­spra­chen mit Russ­land un­ter­su­chen soll­te, son­dern des­sen Kon­kur­ren­tin in den Wah­len 2016, Hil­la­ry Cl­in­ton. Bei De­mo­kra­ten lös­te Barrs gest­ri­ge Er­nen­nung denn auch Sor­gen aus. Se­na­tor Richard Blu­men­thal sag­te, es ge­he jetzt dar­um, dass sich Barr in den Hea­rings vor dem Se­nat da­zu ver­pflich­te, Mu­el­lers Un­ter­su­chung vor po­li­ti­scher Ein­fluss­nah­me zu schüt­zen, dass er für die Un­ab­hän­gig­keit der Jus­tiz und für die Rechts­staat­lich­keit ein­tre­te. Trump selbst be­zeich­ne­te Barr als «mei­ne ers­te Wahl von Beginn an».

Be­vor sie bei Trump an­heu­er­te, ar­bei­te­te Hea­ther Nau­ert bei Fox News. Dort mo­de­rier­te sie «Fox & Fri­ends», ei­ne von Trumps Lieb­lings­sen­dun­gen.

Von Fox News zur UNO

Für Kri­tik sorgt auch die zwei­te Per­so­na­lie, die Trump am Frei­tag be­kannt gab: die Er­nen­nung von Hea­ther Nau­ert zur neu­en Bot­schaf­te­rin der USA bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen. Die 48-Jäh­ri­ge wird auf Nik­ki Ha­ley fol­gen, die das Amt zum Jah­res­en­de auf­gibt. Nau­ert ist der­zeit Spre­che­rin im US-Aus­sen­mi­nis­te­ri­um und hat – im Ge­gen­satz zu Ha­ley – kei­ne po­li­ti­sche Er­fah­rung. Be­vor sie in der Trump-Ad­mi­nis­tra­ti­on an­heu­er­te, war sie als Jour­na­lis­tin tä­tig, un­ter an­de­rem für den TV-Sen­der Fox News. Dort mo­de­rier­te sie zu­letzt die mor­gend­li­che Früh­stücks­sen­dung «Fox & Fri­ends», ei­ne von Trumps Lieb­lings­sen­dun­gen. Auch auf an­de­re Stel­len in der Re­gie­rung hat­te Trump schon Leu­te be­ru­fen, die ihm mit re­gel­mäs­si­gen Auf­trit­ten bei Fox News auf­ge­fal­len wa­ren. Vie­le in Wa­shing­ton ge­hen da­von aus, dass Trumps Ent­schei­dung für Nau­ert mit ei­ner Ab­wer­tung des Bot­schaf­ter­pos­tens ein­her­ge­hen wird. Die UN-Bot­schaf­ter sind dem US-Aus­sen­mi­nis­ter un­ter­stellt, ge­hö­ren aber meist auch gleich­zei­tig dem Ka­bi­nett an, wo­mit sie ei­nen di­rek­ten Zu­gang zum Prä­si­den­ten ha­ben. Laut Me­dien­be­rich­ten ist das bei Nau­ert wo­mög­lich nicht mehr der Fall. Kaum je­mand er­war­tet zu­dem, dass Nau­ert am UNO -Sitz mit ei­gen­stän­di­gen Ak­zen­ten auf­fal­len wird, so wie das Ha­ley bei ei­ni­gen The­men tat – et­wa, in­dem sie ge­gen­über Russ­land ei­ne deut­lich här­te­re Ton­art an­schlug als Trump.

Meh­re­re Me­di­en be­rich­te­ten zu­dem, dass Trumps St­abs­chef John Kel­ly kurz vor dem Rück­tritt ste­he. Die­se Ge­rüch­te mach­ten zwar schon oft die Run­de, doch dies­mal soll sich Trump an­geb­lich be­reits für ei­nen Nach­fol­ger ent­schie­den ha­ben. Es sol­le sich da­bei um Nick Ay­ers han­deln, den bis­he­ri­gen St­abs­chef von Vi­ze­prä­si­dent Mi­ke Pence. Vor ei­nem Jahr hät­te die Nach­richt über den be­vor­ste­hen­den Ab­gang Kel­lys noch gros­se Un­ru­he aus­ge­löst, weil vie­le dem ehe­ma­li­gen Drei-Ster­ne-Ge­ne­ral zu­gu­te hiel­ten, dass er im chao­ti­schen Weis­sen Haus für Dis­zi­plin sor­ge. Doch sehr dis­zi­pli­niert wirk­te die Re­gie­rungs­zen­tra­le auch un­ter sei­ner Füh­rung nie.

Mu­el­ler rückt nä­her

Für Ner­vo­si­tät sorgt bei Trump und in sei­nem Um­feld, dass die Russ­land-Un­ter­su­chung von Mu­el­ler zu­letzt neue Fahrt auf­ge­nom­men hat. Die Ent­hül­lung von ver­gan­ge­ner Wo­che, wo­nach Trumps frü­he­rer An­walt Micha­el Co­hen wäh­rend ei­nes Gross­teils der Wahl­kam­pa­gne 2016 ver­sucht hat­te, ein Im­mo­bi­li­en­pro­jekt Trumps in Mos­kau vor­an­zu­trei­ben, liess den Prä­si­den­ten schlecht aus­se­hen.

Für Frei­tag­abend (Orts­zeit) wa­ren zu­dem wei­te­re Do­ku­men­te an­ge­kün­digt wor­den, die Mu­el­ler vor Ge­richt ge­gen Trumps frü­he­ren Wahl­kampf­chef Paul Ma­n­a­fort vor­brin­gen woll­te. Die­ser hat­te die Er­mitt­ler laut Mu­el­ler wie­der­holt be­lo­gen. Trumps An­walt Ru­dy Gi­u­lia­ni zu­fol­ge wirft der Son­der­er­mitt­ler Ma­n­a­fort vor, Fal­sch­aus­sa­gen in Be­zug auf Trump ge­macht zu ha­ben, wo­bei zu­nächst nicht klar war, was da­mit ge­meint war. Noch vor der Pu­bli­ka­ti­on die­ser Do­ku­men­te kri­ti­sier­te Trump die Russ­land-Un­ter­su­chung ein wei­te­res Mal. In ei­ner Se­rie von Tweets warf er Mu­el­ler In­ter­es­sen­kon­flik­te vor. Zu­dem kün­dig­te er an, ei­nen «Ge­gen­be­richt» zu Mu­el­lers Er­kennt­nis­sen zu er­ar­bei­ten. «87 Sei­ten ste­hen schon», so der Prä­si­dent.

Fo­to: Jim Wat­son (AFP)

Prä­si­dent Do­nald Trump steigt auf der Air-Force Ba­se And­rews in Ma­ry­land in den Prä­si­den­ten-He­li­ko­pter.

Fo­to: Keysto­ne

Wil­li­am Barr, der neue US-Jus­tiz­mi­nis­ter.

Fo­to: AFP)

Hea­ther Nau­ert, die neue UNO-Bot­schaf­te­rin.

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