«Ich hof­fe auf un­se­re Nach­bar­län­der»

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Schweiz - In­ter­view: Ste­fan Hä­ne

AB­KOM­MEN Der Prä­si­dent der Kon­fe­renz der Kan­tons­re­gie­run­gen be­tont, dass ei­ne Es­ka­la­ti­on des Streits nicht im In­ter­es­se der Schweiz wä­re.

Be­ne­dikt Würth, der Bun­des­rat scheut sich vor dem Ent­scheid, den Ent­wurf zum Rah­men­ver­trag ab­zu­leh­nen oder zu bil­li­gen.

In der ge­gen­wär­ti­gen in­nen­po­li­ti­schen Kon­stel­la­ti­on kann ich die­se Zu­rück­hal­tung ver­ste­hen. Für ei­nen Ab­schluss des Ver­trags braucht es die Ab­stüt­zung im Par­la­ment, bei den Kan­to­nen, die Un­ter­stüt­zung von So­zi­al­part­nern und mass­ge­ben­den Ver­bän­den so­wie die Zu­stim­mung der Be­völ­ke­rung. Des­halb be­grüs­se ich das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren, das der Bun­des­rat nun in Gang setzt.

Die EU möch­te nicht wei­ter zu­war­ten. Nebst der Bör­sen­äqui­va­lenz könn­te sie wei­te­re Na­del­sti­che set­zen.

Der Bun­des­rat hat be­reits ei­ne Ver­ord­nung in Kraft ge­setzt, mit der die Schwei­zer Bör­se ge­schützt wer­den soll für den Fall, dass die EU die Bör­sen­äqui­va­lenz nicht ver­län­gert. Zu et­wai­gen Na­del­sti­chen möch­te ich an­mer­ken: Die EU be­steht nicht nur aus der EU-Kom­mis­si­on, son­dern auch aus ih­ren Mit­glieds­staa­ten. Die EU-Kom­mis­si­on muss die Mit­glieds­staa­ten nun auch kon­sul­tie­ren.

Sie be­fürch­ten nicht, dass die EU die Dau­men­schrau­ben an­zie­hen wird?

Es ist nicht aus­zu­schlies­sen, dass die EU wei­te­re Mass­nah­men mit nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen auf die Schweiz in die We­ge lei­tet. Ich hof­fe aber ins­be­son­de­re auf un­se­re Nach­bar­län­der. Sie ha­ben an sta­bi­len Be­zie­hun­gen mit der Schweiz ein gros­ses In­ter­es­se. Müss­te die Schweiz wei­te­re Ge­gen­mass­nah­men er­las­sen – et­wa den Tran­sit­ver­kehr er­schwe­ren?

Ei­ne Es­ka­la­ti­on des Streits wä­re si­cher­lich nicht im In­ter­es­se der Schweiz, da die EU am län­ge­ren He­bel sitzt. Ziel muss es sein, auf ei­ne Ver­stän­di­gung hin­zu­ar­bei­ten. Es ste­hen Wah­len an. 2019 wird das Schwei­zer Par­la­ment neu be­stellt sein, eben­so das EU-Par­la­ment. Die EU-Kom­mis­si­on wird auch neu kon­sti­tu­iert sein. Wir brau­chen ei­nen Mo­dus vi­ven­di für die Über­gangs­pha­se bis 2020.

Die Schweiz soll al­so auf bes­se­re Zei­ten war­ten?

Der Kol­la­te­ral­scha­den ei­ner Nicht­un­ter­zeich­nung des Rah­men­ver­trags muss sich in en­gen Gren­zen hal­ten; dar­auf müs­sen wir nun hin­ar­bei­ten. Ob uns das ge­lin­gen wird, ist selbst­re­dend nicht si­cher. Die EU muss sich aber be­wusst sein: Die Schwei­zer Be­völ­ke­rung wür­de sie bei wei­te­ren Na­del­sti­chen noch kri­ti­scher se­hen, als sie es oh­ne­hin schon tut.

Be­ne­dikt Würth: Der St. Gal­ler Re­gie­rungs­rat (CVP) prä­si­diert die Kon­fe­renz der Kan­tons­re­gie­run­gen.

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