Bol­so­na­ros Ge­schenk an Rom

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Ausland -

BO­LI­VI­EN Der frü­he­re ita­lie­ni­sche Ter­ro­rist Cesa­re Bat­tis­ti steht nach 37 Jah­ren Flucht vor der Aus­lie­fe­rung.

Cesa­re Bat­tis­ti trug ei­nen Kinn­bart und die Haa­re hat­te er sich ge­färbt. Doch die Re­tu­schen brach­ten nichts mehr. Bo­li­via­ni­sche Po­li­zis­ten ha­ben am Wo­che­n­en­de das frü­he­re Mit­glied der links­ex­tre­men ita­lie­ni­schen Ter­ror­grup­pe «Pro­le­ta­ri ar­ma­ti per il co­mu­nis­mo» (PAC) in San­ta Cruz de la Sier­ra fest­ge­nom­men und da­mit ei­ne lan­ge, epi­so­den­rei­che Flucht be­en­det. Seit Ta­gen hat­ten sie Bat­tis­ti be­schat­tet. Kaum sass er fest, ent­sand­te die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung ein Flug­zeug nach La Paz, um ihn ab­zu­ho­len. Noch ein­mal wol­len die Ita­lie­ner nicht dü­piert wer­den.

Flüch­tig seit 1981

Bat­tis­ti, 64-jäh­rig, flieht sein hal­bes Le­ben lang vor der ita­lie­ni­schen Jus­tiz. Die hat ihn zu le­bens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. Vier Mor­de las­tet sie ihm an, an ei­nem Po­li­zis­ten, ei­nem Ju­we­lier, ei­nem Metz­ger und ei­nem Ge­fäng­nis­wär­ter. In zwei Fäl­len soll er sel­ber ge­schos­sen ha­ben, in den an­de­ren bei­den Fäl­len war er of­fen­bar Teil ei­nes Kom­man­dos. Zum Ter­ro­ris­mus kam Bat­tis­ti zu­fäl­lig. Als jun­ger Mann war er Pro­vinz­gau­ner: Ein­brü­che, Raub­über­fäl­le. In der Haft lern­te er Leu­te der PAC ken­nen.

Als er wie­der frei­kam, half er den Ter­ro­ris­ten, mit Über­fäl­len auf Ban­ken und Su­per­märk­te Geld zu be­schaf­fen für die po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten der Grup­pe. We­gen Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner be­waff­ne­ten Ter­ror­ban­de wur­de Bat­tis­ti 1979 zu 13 Jah­ren Haft ver­ur­teilt, brach aber 1981 aus. Seit­her ist er flüch­tig: Frank­reich, Me­xi­ko, wie­der Frank­reich, Bra­si­li­en, Bo­li­vi­en. Al­le ita­lie­ni­schen Re­gie­run­gen, lin­ke wie rech­te, dräng­ten auf sei­ne Aus­lie­fe­rung. Doch Bat­tis­ti konn­te sich den Fän­gen im­mer ent­win­den: In Frank­reich pro­fi­tier­te er wie an­de­re so­ge­nann­te «po­li­ti­sche Ak­ti­vis­ten» aus Ita­li­en von der um­strit­te­nen «Doc­tri­ne Mit­ter­rand». Der frü­he­re Prä­si­dent François Mit­ter­rand fand, reui­ge Mit­glie­der der Ter­ror­grup­pen hät­ten Exil ver­dient, so sie denn kein Blut an den Hän­den hät­ten. Bei Bat­tis­ti galt die­se Ein­schrän­kung nicht: Er ge­noss ei­nen Son­der­sta­tus. Der Rö­mer hat­te in Pa­ris als Haus­wart ge­ar­bei­tet und schrieb ge­fei­er­te Kri­mi­nal­ro­ma­ne. Als 2004 die Dok­trin ver­wirk­te und Bat­tis­ti aus­ge­lie­fert wer­den soll­te, er­hielt er von lin­ken Pa­ri­ser In­tel­lek­tu­el­len Un­ter­stüt­zung. Man hielt ihn in der Sze­ne für ein po­li­ti­sches Op­fer.

Sal­vi­ni gra­tu­lier­te Bol­so­na­ro

Bat­tis­ti türm­te nach Bra­si­li­en. Prä­si­dent Lu­la hob an sei­nem letz­ten Amts­tag die be­reits er­las­se­ne Aus­lie­fe­rungs­ver­fü­gung auf. Als im Herbst 2018 der ul­tra­rech­te Po­li­ti­ker Jair Bol­so­na­ro die bra­si­lia­ni­schen Wah­len ge­wann, öff­ne­te sich für Ita­li­en plötz­lich ei­ne neue Ge­le­gen­heit. Bol­so­na­ros po­li­ti­scher Ge­sin­nungs­ge­nos­se, der ita­lie­ni­sche In­nen­mi­nis­ter Mat­teo Sal­vi­ni, gra­tu­lier­te zur Wahl. Als Dank, sag­te Jair Bol­so­na­ro, schi­cke er ein «Ge­schenk» nach Rom. Ge­meint war Bat­tis­ti. Vor Weih­nach­ten er­liess die bra­si­lia­ni­sche Jus­tiz ei­nen Haft­be­fehl «zwecks Aus­lie­fe­rung». Bat­tis­ti floh nach Bo­li­vi­en, liess sich den Bart wach­sen. Ver­ge­bens, die Fahn­der hat­ten sein Te­le­fon an­ge­zapft.

Fo­to: Reu­ters

Cesa­re Bat­tis­ti nach sei­ner Ver­haf­tung.

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