Ein Sieg als Büh­ne für den um­strit­te­nen Coach

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Sport - Phi­lip Muschg

EIS­HO­CKEY Lu­ga­no-Coach Greg Ire­land nutzt das 3:2 bei den La­kers für Lob ge­gen in­nen und Kri­tik ge­gen aus­sen.

Sel­ten er­in­ner­te ein Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel im Ja­nu­ar so sehr ans Dschun­gel­camp wie je­nes am Sams­tag am Ober­see. Das Heim­team aus Rap­pers­wil-Jo­na bil­de­te die Ku­lis­se und lie­fer­te ein paar Prü­fun­gen, an de­nen sich der Gast aus Lu­ga­no ab­ar­bei­te­te. Und wie in der TV-Show «Ich bin ein Star – holt mich hier raus» dürf­te am En­de we­ni­ger das Zähl­ba­re – ge­won­ne­ne Ster­ne bei RTL, ge­won­ne­ne Punk­te ge­gen die La­kers – ent­schei­den, ob ein Kan­di­dat blei­ben darf oder nicht. Son­dern die Stim­me ei­ner be­stimm­ten Grup­pe: der TVZu­schau­er im ei­nen Fall, der Lu­ga­no-Füh­rung im an­de­ren.

Weil es beim letzt­jäh­ri­gen Play­off-Fi­na­lis­ten aber nur ei­nen ein­zi­gen Kan­di­da­ten gibt, ver­sucht sich der ent­spre­chend in Sze­ne zu set­zen. Und so kam es nach die­sem 3:2 zum gros­sen Auf­tritt von Trai­ner Greg Ire­land. «Es fängt mit euch an, Jungs», dik­tier­te der 53-Jäh­ri­ge in ein Dut­zend Re­por­ter­mi­kro­fo­ne. Der Rü­cken ge­ra­de, die Le­der­schu­he glän­zend, die Stim­me ru­hig, die Au­gen wach. Nach vier Nie­der­la­gen in Se­rie war dem Ka­na­di­er na­tür­lich klar, dass sein Job das The­ma war. Mit ei­ner Brand­re­de ge­gen das En­ga­ge­ment sei­ner ge­sam­ten Mann­schaft hat­te er sich ein paar Ta­ge zu­vor zu­sätz­lich ex­po­niert. Nun nutz­te er das Gross­auf­ge­bot von Jour­na­lis­ten, die vor al­lem sei­net­we­gen nach Rap­pers­wil-Jo­na ge­kom­men wa­ren, weid­lich aus. Stell­te klar, dass die Deu­tungs­ho­heit dar­über, was in Lu­ga­no pas­sier­te, noch im­mer bei ihm lag.

«Weis­ses Rau­schen, das man aus­blen­den muss», nann­te Ire­land die Dis­kus­sio­nen um sei­ne Zu­kunft. Und sag­te dann, was für ein Spiel er ge­ra­de ge­se­hen hat­te. «Bei fünf ge­gen fünf ha­ben wir sie to­tal do­mi­niert», hat­te er als ei­ner der we­ni­gen im Sta­di­on er­kannt. Und weil sein Team oft nicht mit fünf ge­gen fünf Spie­ler agie­ren durf­te, folg­ten die Fra­gen: «War­um wer­den wir im­mer mit zwei Spie­lern in Un­ter­zahl ver­setzt? Wo ist der Sup­port?», woll­te er be­züg­lich Stra­fen­ver­tei­lung wis­sen.

Da­bei war das, was sei­ne Mann­schaft ge­zeigt hat­te, durch­aus zu wür­di­gen. Weil La­pier­re nach sei­nem Stock­schlag ge­gen Bal­tis­ber­ger ge­sperrt und Haa­pa­la ver­letzt war, konn­te Lu­ga­no nur auf drei Aus­län­der zäh­len. Tops­ko­rer Hof­mann, der in der 56. Mi­nu­te den Sieg si­cher­te, hat­te noch am Mor­gen an Fie­ber ge­lit­ten. Moral zeig­te das Team nach zwei­ma­li­gem Rück­stand eben­falls. Und das Wich­tigs­te: Lu­ga­no sieg­te, die Play­off-Chan­cen blei­ben in­takt. Sechs Punk­te feh­len noch zu Rang 8.

«Jetzt bin ich dran»

Ire­land war kaum zu brem­sen. Ne­ben den Schieds­rich­tern wa­ren es die Me­di­en, die er kon­fron­tier­te. «Wenn wir ge­win­nen, sind wir für euch die Gröss­ten», hob er an, «wenn wir ver­lie­ren…» In die­sem Mo­ment kam Wi­der­spruch. «No», sag­te ein Tes­si­ner – und wur­de um­ge­hend un­ter­bro­chen. «Lass mich mei­nen Satz zu En­de ma­chen, jetzt bin ich dran mit re­den.» Der Ka­na­di­er rühm­te das En­ga­ge­ment sei­nes Teams, lob­te ein­zel­ne Spie­ler. Und sag­te den nicht wi­der­spruchs­frei­en Satz: «Wir spre­chen nicht von Aus­re­den – aber un­se­re Jungs kämp­fen seit zwei Wo­chen mit Er­käl­tun­gen.»

Greg Ire­land, so viel ist klar, ge­hört nicht zu je­nen Trai­nern, die in schwie­ri­gen Zei­ten ab­tau­chen. Und Lu­ga­no ist mit ei­nem Last-Mi­nu­te-Sieg ge­gen den ab­ge­schla­ge­nen Ta­bel­len­letz­ten auch nicht aus der Kri­se. Um­so in­ter­es­san­ter wä­re es zu wis­sen, was je­ne Leu­te von Ire­lands Auf­trit­ten hal­ten, die am En­de über Blei­ben oder Nicht­blei­ben be­stim­men. Doch sie schwie­gen. «Heu­te sol­len die re­den, die ge­won­nen ha­ben», sag­te Sport­chef Ro­land Ha­bis­reu­tin­ger. Und liess da­mit zwei Fra­gen of­fen. Wer re­det, wenn Lu­ga­no wie­der ver­liert? Und vor al­lem: Was sagt die­se Stim­me dann?

Fo­to: Keysto­ne

Im An­griffs­mo­dus:Lu­ga­nos Trai­ner Greg Ire­land.

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