Sa­bo­ta­ge­akt auf Hanf­feld

Ein Mil­lio­nen­scha­den ist auf ei­nem Hanf­feld in Benken ent­stan­den. Un­be­kann­te Tä­ter ris­sen Tau­sen­de Pflan­zen aus und sä­ten frem­den Sa­men. Der Päch­ter ver­däch­tigt die Kon­kur­renz. Der Han­del mit Pro­duk­ten aus dem erst kürz­lich le­ga­li­sier­ten Can­na­bi­s­ex­trakt C

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseite - Chris­ti­an Dietz-Sa­luz

Auf ein Feld mit le­ga­len Hanf­pflan­zen im Lin­th­ge­biet ist ein An­schlag ver­übt wor­den. Die un­be­kann­te Tä­ter­schaft ver­ur­sach­te ei­nen Mil­lio­nen­scha­den. Der Be­sit­zer ver­däch­tigt die Kon­kur­renz. di

Der Vor­fall liest sich wie ein Kri­mi im Land­wirt­schafts­mi­lieu. Ein Bau­er ent­deck­te auf ei­nem Acker, den er in Benken für ei­ne Fir­ma be­wirt­schaf­tet, ei­nen Sa­bo­ta­ge­akt. 4000 Hanf­pflan­zen wur­den aus der Er­de ge­ris­sen und lie­gen ge­las­sen.

Ein Drit­tel des rund drei Hekt­aren gros­sen Fel­des ist zer­stört, wie «20 Mi­nu­ten On­li­ne» ges­tern be­rich­te­te. Zu­dem streu­ten die un­be­kann­ten Tä­ter Hanf­sa­men aus, wel­che die ver­blie­be­nen zwei Drit­tel Hanf­pflan­zen und de­ren Blü­ten ge­schä­digt hät­ten.

1600 Ki­lo­gramm ver­nich­tet

Nutz­nies­se­rin des Fel­des ist die im ba­sel­län­di­schen Et­tin­gen an­säs­si­ge Fir­ma Tell Hemp. Sie ver­kauft Pro­duk­te für Kör­per­pfle­ge und Er­näh­rung mit dem Wirk­stoff Can­na­b­idi­ol (CBD). Die­ser ist im Ge­gen­satz zum eben­falls aus dem Hanf ge­won­ne­nen THC le­gal. Der Kon­sum von CBD wirkt eher be­ru­hi­gend und soll ge­gen Krämp­fe, Ent­zün­dun­gen, Angst so­wie Übel­keit hel­fen, wäh­rend THC psy­cho­trop ist und das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem be­ein­flusst.

To­ny Per­uz­zo ist Ge­schäfts­part­ner von Tell Hemp und rech­net den Scha­den in Benken vor: Die 4000 Hanf­plan­zen hät­ten et­wa 1600 Ki­lo­gramm Blü­ten er­ge­ben. «Das be­deu­tet für uns ei­nen Scha­den von rund 1,3 Mil­lio­nen Fran­ken.»

«Aus der Bran­che»

Per­uz­zo kann sich drei un­ter­schied­li­che Tä­ter vor­stel­len: Hanf­geg­ner, nei­di­sche Bau­ern und die Kon­kur­renz im Schwei­zer CBD-Markt. We­gen der aus­ge­streu­ten Sa­men steht für ihn die Kon­kur­renz im drin­gends­ten Ver­dacht. Zum ei­nen stün­den sol­che nicht je­der­mann zur Ver­fü­gung. Zum an­de­ren wüss­ten die Sa­bo­teu­re, was sie da­mit an­rich­ten kön­nen. «Un­ter die­sen Sa­men sind auch wel­che, die männ­li­che Pflan­zen her­vor­brin­gen», er­kärt Per­uz­zo. «Wenn die­se dann weib­li­che Hanf­pflan­zen be- stäu­ben, sind de­ren Blü­ten für den Ver­kauf un­brauch­bar.» Die Tä­ter hät­ten al­so auch die Ern­te auf den un­zer­stör­ten zwei Dritt­teln des Fel­des ver­nich­ten wol­len. Die­se be­rech­nen­de Vor­ge­hens­wei­se führt Per­uz­zo zum Schluss: «Wir ge­hen da­von aus, dass am ehes­ten je­mand aus der Bran­che da­hin­ter­steckt.»

Ge­gen­über «20 Mi­nu­ten» weist ei­ner der Kon­kur­ren­ten je­de Schuld von sich. Sein Un­ter­neh­men ha­be so et­was nicht nö­tig. Das Ge­schäft lau­fe gut. Wenn schon, wür­de er mit markt­üb­li­chen Me­tho­den wie Preis­sen­kun­gen die Mit­be­wer­ber be­kämp­fen, aber si­cher nicht, in­dem Fel­der der Kon­kur­renz zer­stört wür­den.

Be­loh­nung aus­ge­setzt

Kaum in Ver­dacht ste­hen für Per­uz­zo Tritt­brett­fah­rer, die ver­bo­te­ne, fast iden­tisch aus­se­hen­de THC-Hanf­pflan­zen ins Feld schmug­geln woll­ten. «Un­ser Hanf steht in Reih und Glied, da fal­len wild wach­sen­de Pflan­zen so­fort auf », sagt er. Tell Hemp hat nun An­zei­ge we­gen Sach­be­schä­di­gung er­stat­tet. Ge­mäss Me­dien­spre­cher Gi­an Andrea Rez­zo­li hat die Kan­tons­po­li­zei St. Gal­len den Scha­den­platz un­ter­sucht und die Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men. To­ny Per­uz­zo hofft auf Hin­wei­se von Zeu­gen, die ver­däch­ti­ge Ak­ti­vi­tä­ten auf dem Feld in Benken be­ob­ach­tet ha­ben. «Für je­den sach­dien­li­chen Hin­weis, der zur Auf­klä­rung des Falls bei­trägt, set­zen wir ei­ne Be­loh­nung von 10 000 Fran­ken aus.»

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