Was hat das Grün­zeug mit un­se­rem Den­ken zu tun?

Der un­ga­ri­sche Schrift­stel­ler und Fo­to­graf Pe­ter Na­das zeigt zum ers­ten Mal sei­ne Han­dy­bil­der im Kunst­haus Zug. Pe­ter Na­das zeigt das Auf­blü­hen und Ver­ge­hen.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Kultur & Gesellschaft - Pe­pe­ro­ni von Pe­ter Na­das. Gui­do Kal­be­rer

Beim Be­trach­ten der rund 50 Han­dy­fo­tos, die im Gar­ten von Pe­ter Na­das ent­stan­den sind, stellt sich ein ver­blüf­fen­der Ef­fekt ein. Das Au­ge, ge­wohnt, sol­che di­gi­ta­len Im­pres­sio­nen als flüch­tig zu ta­xie­ren, sieht sich mit lau­ter der Lang­sam­keit ver­pflich­te­ten Su­jets kon­fron­tiert: Zwie­beln und Au­ber­gi­nen, Pe­pe­ro­ni und Knob­lauch­knol­len. Oder ei­nem Gar­ten­stuhl im Win­ter, Som­mer und Herbst. Die Bil­der im Kunst­haus Zug las­sen kei- nen Schnell­durch­lauf zu, die im All­tag er­for­der­li­che Be­schleu­ni­gung wird jäh ab­ge­bremst. Man steht vor flä­chi­gen Auf­nah­men, die aus der Zeit ge­fal­len schei­nen – und wun­dert sich, wie es der Ver­fas­ser des Ro­mans «Buch der Er­in­ne­rung» schafft, sein Le­bens­pro­jekt – die Fra­ge nach der Ent­ste­hung des Be­wusst­seins – auch in der Fo­to­gra­fie zu ver­fol­gen. Und das auf äs­the­tisch an­spruchs­vol­lem Ni­veau.

Un­merk­li­cher Wan­del

Na­das, der 2012 ei­ne Aus­stel­lung mit sei­nen ana­lo­gen Fo­to­gra­fi­en am glei­chen Ort ein­rich­te­te, hat den Reiz des neu­en Me­di­ums ent­deckt: «Als de­mo­kra­tisch-li­be­ra- ler Mensch mag ich die­se Zu­gäng­lich­keit des Werk­zeugs.» Zwi­schen 2013 und 2017 ent­stan­den die bei­den Fo­to­se­ri­en «Hin­aus in den Gar­ten» und «End­lich im Frei­en» auf sei­nem Land­sitz im west­un­ga­ri­schen Gom­boss­zeg. Dort, wo die Zeit still zu ste­hen scheint, zeigt er den un­merk­li­chen Wan­del der Din­ge: das Auf­blü­hen und das Ver­ge­hen.

Lie­be zum De­tail

Der stu­dier­te 76- jäh­ri­ge Che­mi­ker zeigt ei­ne in­ten­si­ve Nä­he und Lie­be zum De­tail. Es ist kein Zu­fall, dass sei­ne kürz­lich er­schie­ne­ne, über 1000 Sei­ten um­fas­sen­de Au­to­bio­gra­fie den Ti­tel «Auf­leuch­ten­de De- tails» trägt. Auch bei der Fo­to­gra­fie sind es die klei­nen Din­ge, wel­chen die Auf­merk­sam­keit des viel­fach be­gab­ten Künst­lers gilt. Wäh­rend an­de­re auf di­rek­tem Weg das gros­se Gan­ze an­vi­sie­ren, nimmt Pe­ter Na­das den wohl er­kennt­nis­rei­che­ren Um­weg über das Ein­zel­ne – in der Über­zeu­gung, dass sich das mensch­li­che Be­wusst­sein aus der Be­geg­nung mit die­sem kon­sti­tu­iert.

Wer durch den Gar­ten wan­delt, wird auf ver­meint­lich ein­fa­che Bil­der stos­sen – aber bald be­mer­ken, dass das «Grün­zeug», so der Au­tor, Bän­de spricht.

Gar­ten­stuhl im Wan­del der Jah­res­zei­ten:

In­ten­si­ve Nä­he und Lie­be zum De­tail:

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