Die SRG sucht ver­zwei­felt Nach­mie­ter

Die SRG will aus ih­rem Haupt­sitz in Bern aus­zie­hen, um jähr­lich meh­re­re Mil­lio­nen Fran­ken zu spa­ren. Doch der Miet­ver­trag läuft bis 2032, und Nach­mie­ter zu fin­den, ist schwie­rig. Dies er­schwert den um­strit­te­nen Um­zug der Ra­dio­re­dak­ti­on nach Zü­rich.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Schweiz - An der Gi­a­co­met­ti­stras­se 1 im Ber­ner Ostring­quar­tier. Mar­kus Brot­schi

Die SRG muss spa­ren. Rund 100 Mil­lio­nen Fran­ken pro Jahr hat sie sich zum Ziel ge­setzt. So plant sie un­ter an­de­rem, ei­nen Gross­teil der Ra­dio­re­dak­ti­on von Bern nach Zü­rich zu ver­le­gen. Die­ser Um­zug soll die Be­triebs­kos­ten um jähr­lich 3 Mil­lio­nen Fran­ken sen­ken. Noch mehr spa­ren kann die SRG aber, wenn die Ge­ne­ral­di­rek­ti­on vom Stadt­rand Berns ins heu­ti­ge Ra­dio­stu­dio im Stadt­zen­trum um­zie­hen kann.

Die von ei­nem all­fäl­li­gen Um­zug nach Zü­rich be­trof­fe­nen Ra­dio­mit­ar­bei­ter ver­mu­ten denn auch, dass sie ih­ren Platz we­gen der Ge­ne­ral­di­rek­ti­on zu räu­men ha­ben. Denn für das Ge­bäu­de des Ra­dio­stu­di­os an der Schwarz­tor­stras­se ent­rich­tet die SRG mit jähr­lich 238 000 Fran­ken nur ei­nen ver­hält­nis­mäs­sig ge­rin­gen Bau­rechts­zins, wäh­rend sie für ih­ren Haupt­sitz an der Gi­a­co­met­ti­stras­se meh­re­re Mil­lio­nen Fran­ken Mie­te zahlt.

Die ge­nau­en Miet­kos­ten gibt die SRG nicht be­kannt. In ei­nem in­ter­nen Be­richt heisst es je­doch, mit dem Pro­jekt «Stand­ort­ver­la­ge­rung Ge­ne­ral­di­rek­ti­on» lies­sen sich jähr­lich bis zu 4,4 Mil­lio­nen Fran­ken ein­spa­ren. Ob die Ge­ne­ral­di­rek­ti­on das 14-stö­cki­ge Hoch­haus und ein Ne­ben­ge­bäu­de im Nord­os­ten Berns so rasch los­wird, ist aber frag­lich. Der Miet­ver­trag mit der Schwei­ze­ri­schen Mo­bi­li­ar, der das Ge­bäu­de ge­hört, läuft bis 2032; die SRG müss­te al­so ei­nen Nach­mie­ter fin­den. Das wie­der­um ist schwie­rig, denn in Bern gibt es zur­zeit ein Über­an­ge­bot an Bü­ro­räu­men. Erst vor kur­zem sind zwei po­ten­zi­el­le In­ter­es­sen­ten wie­der ab­ge­sprun­gen.

Bern stellt Be­din­gun­gen

Im Ide­al­fall könn­te ein Nach­mie­ter den be­ste­hen­den Miet­ver­trag und al­le frei­en Flä­chen über­neh­men, heisst es im Be­richt, der die­ser Zei­tung vor­liegt. Ge­lin­ge das nicht, wer­de die SRG in ei­ge­ner Re­gie Bü­ro­flä­chen ver­mie­ten. Die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen räu­men «ein ge­wis­ses Ver­mie­tungs- bzw. Fi­nanz­ri­si­ko» ein. Es sei da­mit zu rech­nen, dass die Hälf­te der Ge­samt­flä­che nicht ver­mie­tet wer­den kön­ne. Das Ein­spar­po­ten­zi­al wird denn auch vom künf­ti­gen Ver­mie­tungs­grad ab­hän­gig ge­macht. Im schlech­tes­ten Fall spart die SRG pro Jahr bloss 700 000 Fran­ken, im bes­ten Fall 4,4 Mil­lio­nen.

Al­len­falls bleibt auch ein Teil der Ge­ne­ral­di­rek­ti­on am bis­he­ri­gen Stand­ort, denn im heu­ti­gen Ber­ner Ra­dio­stu­dio wür­de nur Platz für rund die Hälf­te der 400 Mit­ar­bei­ter des Haupt­sit­zes frei.

Die Stadt Bern hat der SRG ih­re Hil­fe bei der Su­che nach güns­ti­ge­ren Lie­gen­schaf­ten für die Ge­ne­ral­di­rek­ti­on an­ge­bo­ten.

Für die an­de­ren müss­te die SRG ei­nen neu­en, eben­falls preis­güns­ti­gen Stand­ort fin­den.

Die Stadt Bern hat der SRG ih­re Hil­fe bei der Su­che nach güns­ti­ge­ren Lie­gen­schaf­ten für die Ge­ne­ral­di­rek­ti­on an­ge­bo­ten. Eben­falls zeigt sie sich be­reit, die SRG bei der Nach­mie­ter­su­che für die Lie­gen­schaft an der Gi­a­co­met­ti­stras­se zu un­ter­stüt­zen. Al­ler­dings hel­fe die Stadt nur un­ter der Vor­aus­set­zung, dass das Ra­dio­stu­dio Bern min­des­tens im heu­ti­gen Um­fang be­ste­hen blei­be und kei­ne Ver­le­gung nach Zü­rich er­fol­ge, sagt Stadt­prä­si­dent Alec von Graf­fen­ried.

Der SRG-Ver­wal­tungs­rat ent­schei­det im Herbst über die Ver- le­gung der In­for­ma­ti­ons­ab­tei­lung von Ra­dio SRF von Bern nach Zü­rich. Ist bis da­hin kein Nach­mie­ter für den Haupt­sitz ge­fun­den, wel­cher der SRG die ho­hen Miet­kos­ten für ih­ren Haupt­sitz ab­nimmt, könn­te es für SRF-Di­rek­tor Rue­di Mat­ter schwie­ri­ger wer­den, den po­li­tisch um­strit­te­nen Um­zug zu be­grün­den. Stadt und Kan­ton Bern weh­ren sich ve­he­ment ge­gen ei­ne Kon­zen­tra­ti­on der Ra­dio­re­dak­ti­on in Zü­rich, weil da­mit jour­na­lis­ti­sche Viel­falt ver­lo­ren ge­he. Die SRG als fö­de­ra­lis­ti­scher und ge­büh­ren­fi­nan­zier­ter Me­dien­be­trieb müs­se ih­re Prä­senz im po­li­ti­schen Zen­trum der Schweiz be­hal­ten.

Auch die Mit­ar­bei­ten­den der Ra­dio­re­dak­ti­on in Bern leh­nen den Um­zug ab, weil sie be­fürch­ten, dass län­ger­fris­tig die Tren­nung zwi­schen Ra­dio und TV auf­ge­löst wird und die Qua­li­tät des Ra­di­os ver­lo­ren geht.

«Pu­bli­zis­ti­sche Ge­win­ne»

Die SRG-Spit­ze scheint hin­ge­gen nach wie vor ent­schlos­sen, den Um­zug gros­ser Tei­le der In­land­und der gan­zen Aus­land­re­dak­ti­on nach Zü­rich durch­zu­zie­hen. Ne­ben der Kos­ten­er­spar­nis macht die SRG «pu­bli­zis­ti­sche Ge­win­ne» gel­tend, die dank der Pro­duk­ti­on von Ra­dio-, TV-, und On­lin­ein­hal­ten am sel­ben Ort ent­stün­den.

Fo­to: En­ri­que Muñoz Gar­cía

Haupt­sitz der SRG

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