CVP-Prä­si­dent at­ta­ckiert CVP-ge­führ­te Post

Der Bun­des­be­trieb pro­zes­siert seit Jah­ren ge­gen die Ver­le­ger. Da­mit dro­he wie­der ein De­ba­kel zu­las­ten des Steu­er­zah­lers, sagt Ger­hard Pfis­ter und greift da­mit sei­nen Par­tei­kol­le­gen an, Post­prä­si­dent Urs Schwal­ler. CVP-Prä­si­dent Ger­hard Pfis­ter.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Schweiz - Clau­dia Blu­mer

«Wann kommt die­ser Be­trieb zur Ru­he?», frag­te der Zu­ger Na­tio­nal­rat und CVP-Prä­si­dent Ger­hard Pfis­ter kürz­lich wäh­rend ei­nes In­ter­views mit die­ser Zei­tung. Er ha­be den Ein­druck, dass es bei der Post kei­ne Ein­sicht ge­be, dass der Ver­wal­tungs­rat die Schuld auf die un­te­ren Char­gen ab­zu­schie­ben ver­su­che und die Auf­klä­rung be­hin­de­re. Der Skan­dal sei noch nicht aus­ge­stan­den. Die­se Wor­te sind be­mer­kens­wert, denn der bun­des­ei­ge­ne Ser­vice-pu­b­lic-Be­trieb steht der CVP tra­di­tio­nell na­he. Obers­te po­li­ti­sche Ver­tre­te­rin ist CVPBun­des­rä­tin Do­ris Leuthard, Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent der ehe­ma­li­ge CVP-Stän­de­rat Urs Schwal­ler. Seit je ist die Post, wie auch bei­spiels­wei­se die SRG, mit der CVP per­so­nell und ide­ell ver- strickt. Pfis­ter meint die Post­au­to-Af­fä­re, spricht aber noch et­was an­de­res an, das sich zum De­ba­kel aus­wach­sen könn­te: den seit Jah­ren schwe­len­den Rechts­streit der Post mit den Ver­le­gern, die sich im Ver­band Schwei­zer Me­di­en or­ga­ni­sie­ren.

Das Post­ge­setz, das 2012 in Kraft trat, ver­langt, dass die Post Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten in der gan­zen Schweiz zu Agglo­me­ra­ti­ons­prei­sen in die Haus­hal­te lie­fert. Dies im Sin­ne der Me­di­en­viel­falt – das Par­la­ment woll­te ver­hin­dern, dass die Zu­stel­lung in Berg- und Rand­re­gio­nen viel teu­rer ist als in der Stadt und der Zei­tungs­kon­sum folg­lich in pe­ri­phe­ren Ge­gen­den schwin­den wür­de. Für die Post heisst das: Sie muss bei der Zu­stel­lung in ab­ge­le­ge­nen Dör­fern De­fi­zi­te in Kauf neh­men.

Streit um For­ma­li­tä­ten

Doch wie hoch die­ser Agglo­me­ra­ti­ons­ta­rif ist – dar­über strei­ten Post und Ver­le­ger seit mitt­ler­wei­le fünf Jah­ren. In den ers­ten vier Jah­ren ging es um For­ma­li­tä­ten; die Fra­ge, ob das Bun­des­amt für Kom­mu­ni­ka­ti­on (Ba­kom) zu- stän­dig sei oder die eid­ge­nös­si­sche Post­kom­mis­si­on, ei­ne dem De­par­te­ment an­ge­glie­der­te Auf­sichts­be­hör­de. Wei­ter woll­te die Post ver­hin­dern, dass den Ver­le­gern Par­tei­stel­lung zu­kommt, dass sie als gleich­be­rech­tig­te Par­tei an dem Ver­fah­ren teil­neh­men kön­nen. 2017 hat das Bun­des­ge­richt ent­schie­den: Die Ver­le­ger sind Par­tei, und das Ba­kom ist zu­stän­dig.

En­de Ju­ni hat die Post ei­nen Fra­ge­ka­ta­log des Ba­kom be­ant­wor­tet; die­ses klärt nun ab und nimmt ei­ne Beur­tei­lung vor. Wie lan­ge der Pro­zess noch dau­ert, ist schwie­rig ab­schätz­bar. Al­lein der Pro­zess beim Ba­kom wird ei­ni­ge Mo­na­te in An­spruch neh­men, und da­nach ist mit ei­nem er­neu­ten Gang vor Bun­des­ge­richt zu rech­nen. Un­klar ist auch die Streit­sum­me, die laut CVP-Prä­si­dent Pfis­ter in­di­rekt auf den Steu­er­zah­len­den las­tet. Wür­de die Post den Pro­zess ver­lie­ren, müss­te sie nicht nur die Pro­zess­kos­ten tra­gen, son­dern den Ver­le­gern auch die zu hoch ver­rech­ne­ten Ta­ri­fe für die Jah­re 2013 bis 2016 zu­rück­er­stat­ten. Die Hö­he der Sum­me ken­ne man zur­zeit nicht, sagt An­dre­as Häupt­li, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­le­ger­ver­bands. «Die Post ver­wei­gert die Trans­pa­renz.» Sie könn­te aber in der Di­men­si­on der Post­au­to-Af­fä­re lie­gen, sagt Häupt­li. Das wä­ren dann meh­re­re Dut­zend Mil­lio­nen Fran­ken.

Ger­hard Pfis­ter fragt in ei­ner Mit­te Ju­ni ein­ge­reich­ten In­ter­pel­la­ti­on den Bun­des­rat, ob die­ser die fi­nan­zi­el­len Ri­si­ken ken­ne für den Fall, dass die Post ih­re «ob­struk­ti­ve Wa­gen­burg-Men­ta- li­tät» noch jah­re­lang wei­ter­trei­be, die be­reits für den Fall Post­au­to mit­ur­säch­lich ge­we­sen sei. Wei­ter for­dert Pfis­ter den Bun­des­rat auf, ge­nau­er hin­zu­se­hen und ge­ge­be­nen­falls dies­mal frü­her zu in­ter­ve­nie­ren. «Sonst wird man in ein paar Jah­ren bloss wie­der fol­gen­los den Ver­wal­tungs­rats­prä­si­den­ten der Post be­ken­nen hö­ren, er sei er­schüt­tert, dass zu­las­ten der Steu­er­zah­ler die Post jah­re­lang ver­zö­ger­te, ver­tusch­te und sich ge­gen den Wil­len des Ge­setz­ge­bers in ei­ner Wa­gen­burg ver­schanz­te. Dies­mal aber mit vol­lem Wis­sen und aus­drück­li­chem Wil­len des Ver­wal­tungs­rats.»

«Das dient der Sa­che nicht»

Wäh­rend Ex­po­nen­ten der SVP das Ver­hal­ten der Post seit Jah­ren kri­ti­sie­ren, hat sich die CVP bis­her zu­rück­ge­hal­ten. Da­mit scheint nun Schluss zu sein. Mit wel­cher Mo­ti­va­ti­on greift Pfis­ter sei­ne Par­tei­kol­le­gen an? Er ha­be von der Sa­che ge­hört und sie be­rei­te ihm Sor­gen, sagt Pfis­ter. «Als Par­la­men­ta­ri­er se­he ich es als mei­ne Auf­ga­be, bei staats­na­hen Be­trie­ben genau hin­zu- schau­en.» Dies ha­be mit par­tei­po­li­ti­schen Über­le­gun­gen nichts zu tun.

Mar­tin Can­di­nas, CVP-Na­tio­nal­rat und Mit­glied der Fern­mel­de­kom­mis­si­on, ver­tritt ei­ne ähn­li­che An­sicht. Die Si­tua­ti­on sei un­be­frie­di­gend, «die jah­re­lan­ge Pro­zes­sie­re­rei dient der Sa­che nicht». Nun sei das Ver­fah­ren in vol­lem Gan­ge, die Post kön­ne nicht mehr zu­rück.«Wenn der Bund ein­greift, mischt er sich in ope­ra­ti­ve Be­lan­ge ein», sagt der Rä­to­ro­ma­ne. «Wir müs­sen auf­pas­sen, dass wir die Post nicht zu ei­nem Amt de­gra­die­ren.»

Der Post-Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Urs Schwal­ler will sich auf An­fra­ge nicht äus­sern. Er ver­weist auf sei­ne Pres­se­stel­le, die mit­teilt, man ha­be dem Ba­kom Fra­gen be­ant­wor­tet. Das Ba­kom be­stä­tigt dies.

SVP-Na­tio­nal­rä­tin Na­ta­lie Rick­li hat den Rechts­streit schon vor Jah­ren kri­ti­siert. «Der Hand­lungs­be­darf ist of­fen­sicht­lich», sagt sie. Der Bun­des­rat blei­be un­tä­tig. Sie wer­de das The­ma in der nächs­ten Sit­zung der Fern­mel­de­kom­mis­si­on im Au­gust noch­mals ein­brin­gen.

Fo­to: Keysto­ne

Kri­tisch:

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