Der US-Ge­ne­ral, der Trump wi­der­spricht

Nach hef­ti­gen Atta­cken durch Prä­si­dent Trump hat der Na­toOber­be­fehls­ha­ber Deutsch­land in Schutz ge­nom­men.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Ausland - Nimm Deutsch­land in Schutz: Ge­ne­ral Cur­tis Sca­par­rot­ti. Da­ni­el Bröss­ler, Brüs­sel

«Deutsch­land ist ein ex­zel­len­ter Al­li­ier­ter», sag­te Cur­tis Sca­par­rot­ti die­ser Zei­tung. Es sei der zweit­gröss­te Trup­pen­stel­ler in der Al­li­anz, hob der USGe­ne­ral her­vor. Aus­ser­dem spie­le es in den bal­ti­schen Staa­ten wie auch in Af­gha­nis­tan ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Sca­par­rot­ti lob­te auch den beim Na­to-Gip­fel be­schlos­se­nen Auf­bau ei­nes Kom­man­do­zen­trums für Ma­te­ri­al- und Trup­pen­trans­por­te in Ulm. «Das ist gross­ar­tig und macht wirk­lich ei­nen Un­ter­schied für die Al­li­anz», sag­te er.

Trump hat­te beim Na­to-Gip­fel am Mitt­woch und Don­ners­tag vor al­lem an Deutsch­land schar­fe Kri­tik ge­übt, weil es sei­ne Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben zu lang­sam an­he­be. An Deutsch­land ha­be es wäh­rend des Gip­fels nicht nur Kri­tik ge­ge­ben, be­ton­te Sca­par­rot­ti. «Wir wis­sen in der Al­li­anz, wel­chen Bei­trag Deutsch­land leis­tet, wel­che Fä­hig­kei­ten es bei­steu­ert.»

Sca­par­rot­ti be­ton­te al­ler­dings, dass auch aus sei­ner Sicht Deutsch­land sei­ne An­stren­gun­gen ver­stär­ken muss. «Wir als Na­to wei­sen auf Fä­hig­keits­lü­cken hin. Die wer­den im Ein­klang mit den ei­ge­nen Plä­nen ge­schlos­sen. Ich bin zu­ver­sicht­lich, dass Deutsch­land das tun wird», sag­te er. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­kann­te sich beim Na­to-Gip­fel zum er­neu­er­ten Ziel der Na­to, Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben bis 2024 von min­des­tens 2 Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) an­zu­stre­ben. Als ei­ge­nes Ziel nann­te Ber­lin bis­lang le­dig­lich ei­nen An­stieg von der­zeit 1,24 auf 1,5 Pro­zent des BIP bis 2024.

Über­le­gun­gen für ei­ne Ver­le­gung der US-Trup­pen aus Deutsch­land gibt es ge­mäss Sca­par­rot­ti nicht. Als US-Kom- man­dant sei er «sehr zu­frie­den mit der Be­zie­hung, die wir ha­ben». Im Ju­ni hat­te die «Wa­shing­ton Post» be­rich­tet, das US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um prü­fe auf Ge­heiss von Trump die Ver­le­gung des gröss­ten Teils der 35 000 US-Sol­da­ten in Deutsch­land nach Ost­eu­ro­pa. Sta­tio­nie­run­gen wür­den «im­mer im Licht der La­ge» über­prüft, sag­te Sca­par­rot­ti.

In den Aus­ein­an­der­set­zun­gen beim Na­to-Gip­fel sieht Sca­par­rot­ti kei­ne Ge­fahr für die Al­li­anz. «Wür­den wir uns nicht al­le Har­mo­nie wün­schen? Aber das ist nicht die Welt, in der wir le­ben. Die Stär­ke un­se­rer Al­li­anz be­steht da­rin, dass wir Kl­ar­text re­den und ei­ne Lö­sung fin­den kön­nen.» Sca­par­rot­ti füg­te hin­zu: «Des­halb gibt es die­se Al­li­anz seit 70 Jah­ren und wird es sie wei­ter ge­ben. Ei­ne Al­li­anz, die Kon­flik­ten aus dem Weg geht, wür­de mir mehr Sor­gen be­rei­ten.»

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