Von Vö­geln, Erd­be­ben und Pfos­ten­knal­lern

Wir schau­en zu­rück – auf skur­ri­le, lus­ti­ge und denk­wür­di­ge WMMo­men­te.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Wm 2018 - Mar­cel Roh­ner

Zwei Spie­le ste­hen noch aus und so­mit auch der gröss­te Mo­ment. Der, wenn ent­we­der Lu­ka Mod­ric, Cap­tain der Kroa­ten, oder Frank­reich-An­füh­rer Hu­go Llo­ris den Po­kal in die Hö­he stemmt. Die­se Sze­nen aus den ver­gan­ge­nen vier Wo­chen wer­den ei­nem aber ge­nau­so in Er­in­ne­rung blei­ben:

Die WM­Vö­gel: Von Ad­lern und Schwal­ben

Die Vö­gel flo­gen in Russ­land, hoch die Ad­ler, tief die Schwal­ben. Ein bra­si­lia­ni­scher Kom­men­ta­tor ver­mu­te­te auch ei­ne Frie­dens­tau­be ge­sich­tet zu ha­ben, als Gra­nit Xha­ka sein Tor ge­gen Ser­bi­en be­ju­bel­te. Es war aber ein Ad­ler, ein dop­pel­ter so­gar, der ei­ne schweiz­wei­te Dop­pel­bür­ger-De­bat­te aus­lös­te.

Wenn der Herbst an­bricht, flie­gen auch die Schwal­ben in den Sü­den. Das Ex­em­plar, das in Russ­land ge­sich­tet wur­de, hat­te es aber et­was gar ei­lig. Ney­mar flog und flog. Und mach­te sich nach dem Vier­tel­fi­nal auf Rich­tung Hei­mat. Ent­war­nung kommt aus Sem­pach: Die Vo­gel­war­te muss­te nicht ein­grei­fen.

Die teu­ren Gäs­te: Ma­ra­do­nas Zu­satz­leis­tun­gen

Meh­re­re Tau­send Dol­lar soll die Fi­fa ih­ren Vor­zei­ge­gäs­ten be­zahlt ha­ben, da­mit sie in Russ­land in den Sta­di­en er­schei­nen. Val­der­ra­ma, Drog­ba oder Mat­thä­us er­füll­ten ih­re Auf­ga­be. Ei­ner bot sei­nem Auf­trag­ge­ber aber Zu­satz­leis­tun­gen: Die­go Ma­ra­do­na. Er zeig­te den Zu­schau­ern gro­tes­ke Tän­ze, Got­tes­an­be­tun­gen und aus­ge­streck­te Mit­tel­fin­ger.

Ei­nen pro­mi­nen­ten Gast hat­te auch die Schwei­zer Na­tio­nal­mann­schaft. La­ra Gut be­kam von der Fi­fa aber kein Geld, wohl zu un­be­kannt. Die Bild­le­gen­de zu ei­nem welt­weit ver­brei­te­ten Fo­to des Paars: «Va­lon Beh­ra­mi hugs a swiss wo­man.»

Der Pur­zel­baum: Die Büh­ne ge­nutzt

Mi­l­ad Mo­ham­ma­di ist Aus­sen­ver­tei­di­ger. Er spielt für den Iran, 21 Mi­nu­ten lang im Spiel ge­gen Spa­ni­en. Vor­aus­set­zun­gen, die nicht ge­ra­de da­für spre­chen, dass Mo­ham­ma­di an die­ser WM als Tor­schüt­ze in Er­in­ne­rung blei­ben wird. So liess sich der Schlaue kurz vor Schluss et­was Spe­zi­el­les ein­fal­len. Sei­nen An­lauf beim letz­ten Ein­wurf des Spiels schmück­te er mit ei­nem Über­schlag, der ihm zu ei­nem Pur­zel­baum miss­glück­te. Und: Der Schieds­rich­ter liess die­se Art von Aus­füh­rung nicht zu. Im­mer­hin hat Mo­ham­ma­di sei­ne Zeit auf der gros­sen Büh­ne ge­nutzt. Das Vi­deo ging vi­ral.

It’s co­m­ing ho­me: Oder auch nicht

Mit je­dem Sieg wuchs die Vor­freu­de in En­g­land. «It’s co­m­ing ho­me», das Lied der Band Light­ning Seeds, stand nach 22 Jah­ren wie­der an der Spit­ze der eng­li­schen Charts, der Spruch wur­de zu ei­nem be­lieb­ten Tat­too-Su­jet. Mitt­ler­wei­le wis­sen wir: Der Fussball geht nicht nach Hau­se, er geht nach Frank­reich oder Kroa­ti­en. Und gleich­zei­tig fra­gen wir uns, ob sich bei ei­nem an­de­ren Tur­nier­ver­lauf zahl­rei­che Schwei­zer Ba­schis «Bring en hei» auf die Wa­de hät­ten tä­to­wie­ren las­sen.

Der Vi­deo­be­weis: Al­les gar nicht so schlimm

Man wuss­te vor der WM nicht, was man nun da­von hal­ten soll­te, wenn die Fi­fa es nach dem De­ba­kel am Con­fed-Cup noch ein­mal pro­biert und in Mos­kau ein paar Män­ner in Schieds­richter­kluft vor die Bild­schir­me setzt. So ganz funk­tio­nier­te der VAR dann nicht im­mer – wir er­in­nern an Licht­stei­ners und Schärs Nie­der­rin­gen des Ser­ben Mi­tro­vic im ei­ge­nen Straf­raum – aber nach ei­ni­gen Auf­re­gern in der Grup­pen­pha­se scheint er doch ak­zep­tiert. Ab den Ach­tel­fi­nals war der Vi­deo­be­weis kaum mehr The­ma.

Die Pfos­ten­knal­ler: Dein Feind – und Freund

Der Pfos­ten kann weh­tun. Kei­ner weiss es bes­ser als Mi­chy Bats­hu­ayi. Der Bel­gi­er woll­te den Ball nach dem 1:0 ge­gen En­g­land ins Tor dre­schen. Vom Pfos­ten prall­te ihm die­ser statt­des­sen aber «fa­de­grad» ins Ge­sicht.

Manch­mal aber, da hilft die To­r­um­ran­dung auch je­nem, der sie trifft. Bryan Ruiz schoss sei­nen Pen­al­ty ge­gen die Schweiz an die Lat­te, via Yann Som­mers Hin­ter­kopf gab es doch noch den Aus­gleich für Cos­ta Ri­ca.

Die Pa­na­ma­Pre­mie­re: Ach­tung, Erd­be­ben!

Pa­na­ma schlug sich doch ei­gent­lich gar nicht so schlecht. Bra­si­li­en hat vor vier Jah­ren 14 To­re kas­siert. Da ist Pa­na­ma mit sei­nen 11 Ge­gen­tref­fern in 3 Spie­len gut da­bei. Zu fei­ern gab es bei den Mit­tel­ame­ri­ka­nern auch et­was. Das ers­te WM-Tor. Dumm nur, dass es beim Stand von 0:6 für En­g­land ge­fal­len war. Das aber soll die Freu­de nicht min­dern.

Viel­leicht ist es bes­ser, dass es für Pa­na­ma bei schluss­end­lich zwei To­ren blieb. Als Me­xi­ko die Deut­schen schlug, lös­ten Fans durch ih­re Fes­te ein Erd­be­ben aus. Ob der Ka­nal noch ganz wä­re, wenn Pa­na­ma ei­ne Run­de über­stan­den hät­te?

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