Der neue El­fer ist ganz der al­te

Wir wa­ren auf Ab­nah­me­fahrt mit dem neu­en Por­sche 911, der En­de No­vem­ber in Los An­ge­les ent­hüllt wird. Pu­ris­ten kön­nen auf­at­men: Un­ter der neu ge­styl­ten Ka­ros­se­rie wer­kelt wei­ter­hin der alt­be­kann­te Sechs­zy­lin­der-Bo­xer­mo­tor.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Auto - Das Cock­pit noch di­gi­ta­ler und die Ab­mes­sun­gen wer­den et­was grös­ser. Im Kern bleibt der Por­sche 911 aber der glei­che. Tho­mas Gei­ger

Sie in­ves­tie­ren Mil­li­ar­den in die Elek­tro­mo­bi­li­tät, sa­gen dem Saug­mo­tor lei­se Servus und bau­en in Boxs­ter und Cay­man so­gar Vier­zy­lin­der ein – kein Wun­der, dass die Fan­ge­mein­de mit Sor­gen auf den neu­en 911 schaut. Denn ei­nen 2-Li­ter-Mo­tor oder gar ei­nen Hy­brid­an­trieb in der Mut­ter al­ler Sport­wa­gen, das mö­gen sich die guss­ei­ser­nen Por­sche-Pu­ris­ten erst gar nicht vor­stel­len.

Müs­sen sie auch nicht. Zu­min­dest noch nicht. Denn wenn Por­sche En­de No­vem­ber auf der Au­to Show in Los An­ge­les das Tuch vom neu­en 911 zieht, dann ist der neue El­fer ganz der al­te. «Nur dass er in je­der Hin­sicht wie­der ein biss­chen bes­ser wird», ver­spricht Au­gust Achleit­ner, der die Ent­wick­lung der Iko­ne ver­ant­wor­tet.

Der Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel star­tet mit dem Cou­pé, das im Früh­jahr zu­nächst aus­schliess­lich als 911 S in den Ver­kauf ge­langt – und zwar wie bis­her mit ei­nem 3-Li­ter-Tur­boben­zi­ner, der nun aber 450 PS und 530 Nm Dreh­mo­ment ent­wi­ckelt, in 3,7 Se­kun­den von 0 auf 100 be­schleu­nigt und gu­te 305 km/ h Spit­ze schafft – das braucht zwar kei­ner, ist aber ein Trumpf beim Au­to­quar­tett.

Aber wie im­mer bei Por­sche wird die Pa­let­te breit auf­ge­fä­chert: Ca­brio und Tar­ga sind auf den Test­fahr­ten schon mit da­bei, na­tür­lich gibt es wie­der ein Ba­sis­mo­dell, den GTS und selbst­re­dend den Tur­bo, und auch am All­rad­an­trieb führt kein Weg vor­bei, ge­nau­so we­nig wie an den GTund RS-Mo­del­len. Des­halb muss sich Por­sche wahr­schein­lich fast schon wie­der ein we­nig ran­hal­ten, wenn die rund zwei Dut­zend Mo­dell­va­ri­an­ten bis zum Face­lif­ting al­le markt­reif sein sol­len.

Aus­sen wird das Au­to na­tür­lich neu ein­ge­klei­det, wird ein paar Mil­li­me­ter grös­ser und sieht wie­der ein biss­chen mehr nach Sport­wa­gen aus. Und in­nen ma­chen die De­si­gner den El­fer ein biss­chen hübsch für den Flirt mit der Ge­ne­ra­ti­on Smart­pho­ne. Aber un­ter dem Blech bleibt auch die so­ge­nann­te Bau­rei­he 992 ein Sport­wa­gen, der kei­ne Kom­pro­mis­se macht – und des­halb auch wei­ter­hin mit den lieb ge­wor­de­nen Sechs­zy­lin­der-Bo­xern un­ter­wegs ist.

«Fürs Ers­te zu­min­dest wird es kei­ne an­de­ren An­triebs­va­ri­an­ten ge­ben», be­ru­higt Ent­wick­ler Au­gust Achleit­ner die Sport­wa­gen­fans, lässt sich aber zu­min­dest fürs ers­te Face­lif­ting ei­ne Hin­ter­tür of­fen. Denn die neue Platt­form sei so kon­stru­iert, dass man auch bei den be- schränk­ten Platz­ver­hält­nis­sen ei­nes Heck­mo­tor-Sport­wa­gens ei­ne E-Ma­schi­ne und ei­nen Plug-in-Ak­ku un­ter­brin­gen könn­te. Nur muss da­für erst mal je­mand ei­nen Hy­brid ent­wi­ckeln, der Achleit­ners An­sprü­chen ge­nügt. «Al­les, was bis­lang greif­bar ist, hat zu viel Pfun­de oder zu we­nig Per­for­mance und im schlimms­ten Fal­le bei­des», sagt der Bau­rei­hen­lei­ter.

Wenn Achleit­ner zur Aus­fahrt mit sei­nen nur noch mäs­sig ge­tarn­ten Pro­to­ty­pen bit­tet und man na­tür­lich links vom Lenk­rad den Mo­tor star­tet, hört man des­halb nach wie vor das ver- trau­te Br­ab­beln ei­nes Bo­xers. Und auch wenn die In­stru­men­te längst di­gi­tal sind, zuckt in der mitt­le­ren der fünf Tu­ben des Cock­pits bei je­dem Gasstoss noch ganz tra­di­tio­nell ein ana­lo­ger Dreh­zahl­mes­ser – so viel ist Por­sche der Le­gen­de schul­dig.

Fo­tos: PS

Das De­sign wird sport­li­cher,

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