Kan­ton soll in Zü­rich und Win­ter­thur pla­nen

2011 ist die Re­vi­si­on des Stras­sen­ge­set­zes an ei­ner un­hei­li­gen Al­li­anz ge­schei­tert. Un­ter an­de­rem ging es um mehr Kon­trol­le des Kan­tons über die Städ­te Win­ter­thur und Zü­rich. Nun kommt das Ge­schäft wie­der in den Kan­tons­rat.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseite - Tho­mas Marth

Der Kan­ton soll die Pla­nung über­neh­men, wenn es in Zü­rich oder Win­ter­thur um grös­se­re bau­li­che Än­de­run­gen an Kan­tons­stras­sen geht. Das kan­to­na­le Stras­sen­ge­setz müss­te da­für an­ge­passt wer­den. Heu­te ent­hält es für Zü­rich und Win­ter­thur ei­ne Spe­zi­al­re­ge­lung, die ih­re al­lei­ni­ge Zu­stän­dig­keit vor­sieht. Be­reits 2011 war ei­ne ent­spre­chen­de Än­de­rung vom Kan­tons­rat be­sch­los- sen wor­den. Dann aber schei­ter­te das Ge­setz aus an­de­ren Grün­den. Im Rah­men ei­ner par­la­men­ta­ri­schen Initia­ti­ve kommt die Kom­pe­tenz­fra­ge nun zu­rück in den Kan­tons­rat. Die kan­to­na­le SP lehnt die Neu­re­ge­lung ab, wie sie ges­tern be­reits mit­teil­te. Zu­letzt ha­ben Kan­ton und Stadt Zü­rich be­züg­lich Stras­sen­ho­heit ge­strit­ten, als es um ei­nen Spur­ab­bau am Bel­le­vue ging. tma

Aus­lö­ser war die We­st­um­fah­rung in Zü­rich. Die Stadt hat­te auf de­ren Er­öff­nung hin die Ka­pa­zi­tät der bis­he­ri­gen Durch­fahrt­sach­sen mas­siv ein­ge­schränkt. Sie tat da­mit nichts Ver­bo­te­nes, denn auch auf den kan­to­na­len Stras­sen in­ner­halb der Stadt­gren­zen plant und baut sie selbst­stän­dig. Bür­ger­li­cher­seits fand man aber, die Stadt sei zu weit ge­gan­gen. Der Kan­ton sol­le künf­tig wie in al­len an­de­ren Ge­mein­den in Zü­rich und Win­ter­thur al­lein für die Pla­nung der Kan­tons­stras­sen und Än­de­run­gen an ih­nen zu­stän­dig sein. Schliess­lich be­zahlt er auch da­für. Die Kan­tons­re­gie­rung leg­te ei­ne Re­vi­si­on des Stras­sen­ge­set­zes vor, die die­ser For­de­rung ent­ge­gen­kam. Der Auf­schrei in den zwei Städ­ten war gross.

Im Par­la­ment wur­de der Pas­sus ent­schärft und auf grös­se­re Vor­ha­ben be­schränkt. So fand er ei­ne Mehr­heit. Das Ge­setz schei­ter­te 2011 aber an ei­ner un­hei­li­gen Al­li­anz aus an­de­ren Grün­den. Der SVP miss­fiel, dass auf Kan­tons­stras­sen Be­geg­nungs­zo­nen mög­lich sein soll­ten. Von links war ver­geb­lich mehr Stras­sen­fonds­geld für den Un­ter­halt kom­mu­na­ler Stras­sen ge­for­dert wor­den.

Ein Nein von links

So blieb al­les beim Al­ten. Nun kommt das Ge­schäft wie­der in den Kan­tons­rat, und zwar in Form ei­ner par­la­men­ta­ri­schen Initia­ti­ve (PI). Ein­ge­reicht hat­te sie Alex Gant­ner (FDP, Maur), um die mehr­heits­fä­hi­gen Ele­men­te der ge­schei­ter­ten Vor­la­ge ins Ge­setz zu brin­gen. Des­sen Schei­tern war ein Tief­punkt der da­ma­li­gen Le­gis­la­tur, er­in­nert sich Gant­ner.

Mitt­ler­wei­le war die PI in der Kom­mis­si­on für Ener­gie, Ver­kehr und Um­welt (Ke­vu). Mit zwei Min­der­heits­an­trä­gen ver­se­hen hat sie sie in die Rats­post ge­ge­ben. Ei­ner lau­tet, auf die Vor­la­ge gar nicht ein­zu­tre­ten. Da­hin­ter ste­hen die Ke­vu-Mit­glie­der von SP, Grü­nen, GLP und EVP. Das er­gibt – selbst mit der AL – kei­ne Mehr­heit. Of­fen ist, wie sich die Kan­tons­rä­te an­de­rer Par­tei­en, die in Zü­rich und Win­ter­thur woh­nen, ver­hal­ten wer­den. Wo­bei stets mehr Wi­der­stand aus Zü­rich kam. Die Win­ter­thu­rer Re­gie­rung hat­te 2011 auch Vor­tei­le ge­se­hen, wenn der Kan­ton bei Gross­pro­jek­ten die Pla­nung über­näh­me. So ent­fie­le für die Stadt die Vor­fi­nan­zie­rung.

Auch ge­mäss PI wür­de der Kan­ton über­neh­men, so­fern die Kos­ten für ihn über sechs Mil­lio­nen Fran­ken lie­gen, bei Pro­jek­tie­run- gen ab 300 000 Fran­ken. Die PI kommt zu­sam­men mit an­de­ren Vor­stös­sen in den Rat – et­wa in Form ei­nes Pos­tu­lats, zu dem die Ke­vu-Min­der­heit ab­wei­chend Stel­lung nimmt. Es geht es um die An­pas­sung der Si­gna­li­sa­ti­ons­ver­ord­nung, so­dass vor al­lem Zü­rich auf sei­nen kan­to­na­len Stras­sen nicht Tem­po 30 si­gna­li­sie­ren darf. Die Kan­tons­re­gie­rung kann die Ver­ord­nungs­än­de­rung selbst vor­neh­men. Sie ha­be zu­ge­sagt, das zu tun, sagt Marc Bour­geois (FDP, Zü­rich), der das Pos­tu­lat in­iti­iert hat­te. In­so­fern ge­he er da­von aus, dass das auch pas­sie­ren wer­de.

«Der Wind hat ge­dreht»

Ei­nen au­to­freund­li­chen Ent­scheid ha­ben kürz­lich die kan­to­na­len Stimm­bür­ger mit An­nah­me des Ge­gen­vor­schlags zur An­tiS­tau-Initia­ti­ve ge­fällt. Dem­nach müs­sen Ein­schrän­kun­gen zu­las­ten des Au­to­ver­kehrs an­dern­orts kom­pen­siert wer­den.

Der Wind ha­be ge­dreht, kom­men­tiert Fe­lix Hoesch (SP, Zü­rich) die Ent­wick­lung. Dies al­les sei ge­gen Zü­rich und Win­ter­thur ge­rich­tet, die dank lin­ker Mehr­hei­ten ei­ne fort­schritt­li­che, um­welt­freund­li­che Po­li­tik be­trie­ben. In­so­fern leh­ne die SP ei­ne Kom­pe­tenz­ver­schie­bung ab. Sie füh­re zu hö­he­ren Kos­ten. Mit all den Werk­lei­tun­gen in den Städ­ten feh­le es dem Kan­ton auch am Wis­sen, um dort kom­pe­tent zu pla­nen.

FDP-Kan­tons­rat Gant­ner will das so nicht gel­ten las­sen. Nö­tig sei ei­ne gu­te und ziel­ge­rich­te­te Zu­sam­men­ar­beit von Städ­ten und Kan­ton, sagt er. Mit dem Waid­hal­de­tun­nel – als Er­satz für die Zürcher Ro­sen­gar­ten­stras­se in Pla­nung – zei­ge der Kan­ton, dass er da­zu in der La­ge sei. Zu­stän­dig ist FDP-Re­gie­rungs­rä­tin Car­men Wal­ker Späh. Für das Pro­jekt wur­de ein Spe­zi­al­ge­setz ver­ab­schie­det, das eben­falls ab­stim­mungs­reif ist.

Fo­to: Keysto­ne

Star­kes Ver­kehrs­auf­kom­men in Zü­rich: Grös­se­re Bau­vor­ha­ben auf Kan­tons­stras­sen in Zü­rich und Win­ter­thur sol­len in kan­to­na­le Kom­pe­tenz über­ge­hen.

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