Die Ers­te im Be­zirk Mei­len

Die ers­te ka­tho­li­sche Kir­che am rech­ten See­ufer nach der Re­for­ma­ti­on wur­de vor 125 Jah­ren in Män­ne­dorf ein­ge­weiht. Vor 25 Jah­ren er­folg­te ei­ne Re­no­va­ti­on, die we­sent­lich zum heu­ti­gen Er­schei­nungs­bild im In­nern bei­trägt.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseite - Am rech­ten Zü­rich­see­ufer wur­de die­je­ni­ge in Män­ne­dorf ge­baut – da­mals noch von Re­ben um­ge­ben. Die Auf­nah­me stammt ver­mut­lich von 1894. seit der letz­ten Re­no­va­ti­on vor 25 Jah­ren. Ma­ria Zacha­ria­dis

Die ka­tho­li­sche Kir­che St. Ste­phan in Män­ne­dorf wur­de 1893 ein­ge­weiht.

Der ers­te ka­tho­li­sche Got­tes­dienst in Män­ne­dorf geht auf das Jahr 1864 zu­rück und wur­de in ei­nem Fa­b­rik­ge­bäu­de ab­ge­hal­ten. Mög­lich mach­te das im re­for­mier­ten Kan­ton die 1848 in der Bun­des­ver­fas­sung fest­ge­schrie­be­ne Kul­tus­frei­heit. Seit 1882 ist St. Ste­phan Män­ne­dorf als äl­tes­te Pfar­rei am rech­ten Zü­rich­see­ufer un­ab­hän­gig. Da­vor ka­men die Pries­ter aus Zü­rich, spä­ter aus Hor­gen. Sämt­li­che Ge­mein­den des Be­zirks Mei­len ge­hör­ten da­mals zur Pfar­rei. Da war es na­he­lie­gend, dass sich die Ka­tho­li­ken ei­ne ei­ge­ne Kir­che wünsch­ten.

Die Got­tes­diens­te wur­den da­mals noch im Fel­sen­hof­ge­län­de ab­ge­hal­ten, wel­ches wie­der­um für den Aus­bau der rechts­uf­ri­gen Zü­rich­see­bahn be­an­sprucht wur­de. 1892 wur­de ein Kirch­bau­ver­ein ins Le­ben ge­ru­fen. Man er­stand für 8500 Fran­ken 36 Aren Re­b­land im Ha­se­na­cker. Der St. Gal­ler Ar­chi­tekt Au­gust Har­deg­ger wur­de mit dem Bau der Kir­che be­traut.

In­mit­ten von Reb­stö­cken

Was heu­te un­vor­stell­bar wä­re, näm­lich den Neu­bau ei­ner Kir­che nur aus Spen­den­gel­dern zu fi­nan­zie­ren, ge­lang vor 125 Jah­ren. Denn Kir­chen­gel­der flos­sen erst mit der 1963 er­ho­be­nen Kir­chen­steu­er in die Kas­se der ka­tho­li­schen Kirch­ge­mein­de.

Nach der gut ein­jäh­ri­gen Bau­zeit stand 1893 die Kir­che in Män­ne­dorf, den Pa­tro­nen Ste­pha­nus und Lau­ren­ti­us ge­weiht: ein schlich­ter Bau im neu­go­ti­schen Stil aus gra­ni­ti­schem Sand­stein in­mit­ten von in­zwi­schen ver­schwun­de­nen Reb­stö­cken. Ihr von wei­tem sicht­ba­res Wahr­zei­chen, der acht­ecki­ge mi­na­rettähn­li­che Turm, wur­de erst fünf Jah­re spä­ter dank ei­ner pri­va­ten Spen­de an der West­sei­te er­rich­tet. «Seit ei­ni­gen Jah­ren hat dort ei­ne grös­se­re Ko­lo­nie von Turm- doh­len Hei­mat ge­fun­den», er­zählt Ge­mein­de­lei­te­rin Bar­ba­ra Ul­sa­mer, die zu ei­nem Rund­gang emp­fängt.

Sie weist auf ei­ne Auf­nah­me hin, die mit wei­te­ren Fo­tos zur Aus­stel­lung im hin­te­ren Teil der Kir­che ge­hört und de­ren Bau­ge­schich­te do­ku­men­tiert: «Die neu­go­ti­sche Aus­stat­tung im In­nern ver­füg­te über ei­nen Hoch­al­tar und zwei Sei­ten­al­tä­re so­wie ei­ne Kan­zel.» Die­se wur­den bei der pu­ri­fi­zie­ren­den Um­ge­stal­tung von 1968 ent­fernt, eben­so die ge­sam­te In­nen­aus­ma­lung. «Auch um mehr Platz für Bän­ke zu schaf­fen, da im­mer mehr Men­schen in die Kir­che ström­ten.»

Kom­plett neu aus­ge­malt

Als Am­bros Schuler 1974 sei­ne Stel­le als Pfar­rer an­trat, sah sei­ne Kir­che, ab­ge­se­hen von der ge­wölb­ten Holz­de­cke im In­nern, aber noch nicht so aus wie heu­te. Der 78-jäh­ri­ge Pen­sio­nier­te und ak­tu­el­le Pfarr­ad­mi­nis­tra­tor hat sich eben­falls zum Ge­spräch ein­ge­fun­den und er­in­nert sich an die um­fas­sen­den Re­no­va­ti­ons­ar­bei­ten von 1992/1993. «1200 Na­tur­stei­ne muss­ten im Turm und an der Kir­che er­setzt wer­den», sagt Schuler. Da die ur­sprüng­li­che In­nen­aus­ma­lung von 1893 nicht mehr zu eru­ie­ren war, liess man die Kir­che durch die Fir­ma Fon­ta­na & Fon­ta­na in Rap­pers­wil kom­plett neu ge­stal­ten. Aus­ge­führt wur­den die Ma­le­rei­en in der Fres­ko­tech­nik.

Nun er­greift Leo­pold von Fel­ten, der vor 25 Jah­ren die ka­tho­li­sche Kir­chen­pfle­ge Män­ne­dor­fUe­ti­kon prä­si­dier­te und in die­ser Funk­ti­on die Ar­bei­ten be­glei­te­te, das Wort: «Mit der neu­en Farb­ge­bung ist der Kir­che, fern von Nost­al­gie, Le­ben ein­ge­haucht wor­den.» Zur Ver­an­schau­li­chung führt er zum Chor­raum, der rei­cher be­malt ist als die üb­ri­ge Kir­che. Hier zie­ren Tau­sen­de von über­ein­an­der­lie­gen­den sti­li­sier­ten Flü­geln die ge­wölb­te Wand. War­me Erd­tö­ne flies­sen in im­mer hel­ler wer­den­den Ocker­nu­an­cen nach oben in ei­nen blau­en, ster­nen­über­sä­ten Him­mel. Ein En­gel­fries run­det die Aus­ma­lung ab.

Ge­mein­de­lei­ter Do­me­nic Ga­ba­thuler, mit sei­ner Frau Bar­ba­ra Ul­sa­mer seit zehn Jah­ren für die Pfar­rei­lei­tung zu­stän­dig, be­tont: «Die Män­ne­dörf­ler und Ue­ti­ker Ka­tho­li­ken, über­haupt die meis­ten Leu­te, ha­ben die Kir­che sehr gern.» Auch Schuler be­stä­tigt, dass er sich so­gleich sehr wohl ge­fühlt ha­be in der neu ge­stal­te­ten Kir­che: «Vor­her war sie kahl und düs­ter.»

Kos­ten von 5,5 Mil­lio­nen

Wäh­rend der an­dert­halb Jah­re der Re­no­va­ti­on fan­den die ka­tho­li­schen Got­tes­diens­te in der re­for­mier­ten Kir­che statt. Mit Blick zur Em­po­re hält Pfar­rer Schuler fest: «Die neue Kuhn-Or­gel wur­de so ein­ge­rich­tet, dass der Blick auf das Ro­set­ten­fens­ter frei bleibt.» Die Em­po­re muss­te für den ak­tu­ell 70 Mit­glie­der zäh­len­den Ste­phan­schor und das da­ne­ben plat­zier­te Orches­ter ver­grös­sert wer­den.

Doch der gröss­te Ein­schnitt in­ner­halb der rund 5,5 Mil­lio­nen Fran­ken kos­ten­den Re­no­va­ti­on vor 25 Jah­ren war wohl der Bau der Un­ter­kir­che, für die ein ge­wal­ti­ger Aus­hub nö­tig war. «Sie bie­tet als Ka­pel­le und And­achts­raum mit ih­rer Holz­aus­stat­tung ei­nen in­ti­me­ren Rah­men für Be­geg­nun­gen», sagt Bar­ba­ra Ul­sa­mer. Et­wa für Ab­dan­kun­gen, zu de­nen nur we­ni­ge Men­schen kom­men. So be­fin­det sich der eben­falls neu ge­schaf­fe­ne Haupt­ein­gang von St. Ste­phan auf der Hö­he der neu­en Un­ter­kir­che. Vom Vor­raum füh­ren zwei Trep­pen­auf­gän­ge in die ein­schif­fi­ge Pfarr­kir­che hin­auf.

Die Ge­mein­de­lei­te­rin bringt die 125-jäh­ri­ge Ge­schich­te der Pfarr­kir­che St. Ste­phan auf den Punkt: «Es ist ein le­ben­di­ges Kir­chen­ge­bäu­de, zu dem vie­le Men­schen bei­ge­tra­gen ha­ben.» So ist denn die Kir­che bei Got­tes­diens­ten re­gel­mäs­sig gut be­setzt. Laut Kir­chen­pfle­ge­prä­si­dent Rolf Eber­li zählt die Kirch­ge­mein­de rund 4300 Mit­glie­der. 400 Per­so­nen wür­den sich in pfar­rei­li­chen und öku­me­ni­schen Grup­pen frei­wil­lig en­ga­gie­ren. Fest­got­tes­dienst am 26. De­zem­ber, 10 Uhr, kath. Kir­che Män­ne­dorf. An­schlies­send Apé­ro ri­che. Die Fo­to­aus­stel­lung im hin­te­ren Teil der Kir­che steht Be­su­chern bis 26.12. of­fen (aus­ser am 24.12.).

Fo­to: Micha­el Trost

Fo­to: PD

Als ers­te ka­tho­li­sche Kir­che

Fo­to: Micha­el Trost

So zeigt sich der In­nen­raum

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