Brüs­sel ist em­pört über den Nicht­ent­scheid

Für die EU-Kom­mis­si­on ist der Ent­wurf ein ge­mein­sa­mes Werk. Dass der Bun­des­rat nun kei­nen Ent­scheid fällt, kommt in Brüs­sel nicht gut an.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Schweiz - Ste­phan Is­ra­el, Brüs­sel

Die Em­pö­rung ist aus der of­fi­zi­el­len Re­ak­ti­on her­aus­zu­hö­ren: «Wir möch­ten klar­stel­len, dass der fi­na­le, heu­te ver­öf­fent­lich­te Text, ein­schliess­lich Annex und Pro­to­kol­len, von den Ver­hand­lungs­part­nern der EU und der Schweiz ver­ein­bart wur­den», heisst es in ei­ner Re­ak­ti­on der EU-Kom­mis­si­on nach dem Nicht­ent­scheid des Bun­des­rats zum Rah­men­ab­kom­men.

Der Text sei auf höchs­ter po­li­ti­scher Ebe­ne zwi­schen Bun­des­rat Igna­zio Cas­sis und EU-Kom­mis­sar Jo­han­nes Hahn ab­ge­stimmt ge­we­sen, er­gän­zen EU-Di­plo­ma­ten. Der Ent­wurf sei das best­mög­li­che Er­geb­nis, «das zwi­schen bei­den Sei­ten aus­ge­han­delt wur­de». Nach dem Nicht­ent­scheid des Bun­des­rats ist in Brüs­sel nun die Re­de von feh­len­der Hand­schlag­qua­li­tät, von Ver­ba­l­a­kro­ba­tik und von Scha­den für die Glaub­wür­dig­keit der Schweiz. Die Schweiz ha­be of­fen­bar ei­ne Re­gie­rung, die nicht re­gie­ren wol­le.

Das sei dop­pelt un­be­frie­di­gend, da man sich nicht nur bei der Streit­bei­le­gung, son­dern et­wa auch bei den flan­kie­ren­den Mass­nah­men weit auf die Schweiz zu­be­wegt ha­be. «Wir ha­ben gros­se Fle­xi­bi­li­tät ge­zeigt», heisst es in der of­fi­zi­el­len Mit­tei­lung. EU-Di­plo­ma­ten ver­wei­sen zu­dem auf den Druck der Nach­bar­staa­ten, die öf­fent­lich zwar freund­li­che Wor­te fin­den, in­tern aber auf ei­ne har­te Li­nie ge­gen­über der Schweiz drän­gen. Die Schwei­zer Kon­sul­ta­ti­on wer­de nun zum un­güns­tigs­ten Zeit­punkt zu En­de ge­hen, näm­lich zwi­schen ei­nem mög­li­cher­wei­se chao­ti­schen Br­ex­it En­de März und kurz vor den Eu­ro­wah­len im Mai. Der Ver­hand­lungs­spiel­raum wer­de dann nicht grösser, son­dern klei­ner sein.

Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker ha­be per­sön­lich viel Ener­gie in­ves­tiert, wird in der Mit­tei­lung be­tont. So ha­be Juncker 23-mal mit vier Bun­des­prä­si­den­ten ge­spro­chen. Er­wähnt wer­den auch die 32 tech­ni­schen Ver­hand­lungs­run­den. Das po­li­ti­sche Ka­pi­tal sei auf­ge­braucht, sa­gen EUDi­plo­ma­ten. Die Kom­mis­si­on wer­de wohl nächs­ten Di­ens­tag die Si­tua­ti­on be­wer­ten, «ein­schliess­lich der Ent­schei­dung zur Bör­sen­äqui­va­lenz». Die Re­de ist von ei­ner Ver­län­ge­rung um ein paar Mo­na­te, bis zum En­de der Schwei­zer Kon­sul­ta­ti­on. Ganz hat man in Brüs­sel die Hoff­nung of­fen­bar nicht auf­ge­ge­ben, dass es beim Rah­men­ab­kom­men noch zu ei­nem Hap­py End kommt: Man er­war­te, dass es zü­gig vor­an­ge­he, und hof­fe auf ein po­si­ti­ves Er­geb­nis.

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