Eco­no­mie­su­is­se will mo­der­nes Fir­men­recht ab­schies­sen

Die Ver­tre­ter der Kon­zer­ne scheu­en sich nicht da­vor, Halb­wahr­hei­ten zu ver­brei­ten. Der Dach­ver­band der Wirt­schaft Eco­no­mie­su­is­se sät Zwei­fel mit zum Teil un­wah­ren Aus­sa­gen.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Wirtschaft - War­tet auf die Ge­ne­ral­ver­samm­lung sei­ner Fir­ma. Andre­as Val­da

Zwi­schen dem 7. und 21. No­vem­ber muss es pas­siert sein. Je­mand weit oben hat den Schal­ter um­ge­legt von der Po­si­ti­on «Wir ste­hen hin­ter der Re­form, die Rich­tung stimmt» auf «Die Vor­la­ge ist ka­putt». Ein In­si­der sagt, die glei­chen Leu­te hät­ten «ih­re Hal­tung in­nert Ta­gen um 180 Grad ge­kehrt». Die Re­de ist von Eco­no­mie­su­is­se und Swiss­hol­dings.

Mit Fol­gen am Di­ens­tag: Dann stimmt der Stän­de­rat über das wei­te­re Vor­ge­hen bei der Re­vi­si­on des Fir­men­rechts ab. Er be­rät sie als Zweitrat, nach­dem der Na­tio­nal­rat die Vor­la­ge im Som­mer durch­be­ra­ten, aus Wirt­schafts­sicht ver­bes­sert und be­für­wor­tet hat. Und den­noch stellt der Zürcher FDP-Stän­de­rat Rue­di No­ser stell­ver­tre­tend für al­le Geg­ner den An­trag, auf die Re­vi­si­on nicht ein­zu­tre­ten. Für Kon­zer­ne sei «nichts mehr drin, das sie in­ter­es­sie­ren könn­te». Hin­ge­gen wür­den klei­ne und mit­tel­gros­se Fir­men «et­li­che Nach­tei­le mit der Re­vi­si­on er­lei­den», wür­de sie an­ge­nom­men. «Kein ein­zi­ger Punkt ist dring­lich. Das jet­zi­ge Aktienrecht funk­tio­niert», so No­ser.

Schuld dar­an sind für die Geg­ner zwei Ak­teu­re: ers­tens Stän­de­rat Tho­mas Min­der, der als Initi­ant der Ab­zo­cker­initia­ti­ve in der Kom­mis­si­on vie­le Be­schrän­kun­gen zu Ma­na­ger­löh­nen durch­ge­bracht hat, und zwei­tens al­le FDP- und CVP-Stän­de­rä­te der Rechts­kom­mis­si­on, die es ver­schla­fen hät­ten, in kon­tro­ver- sen Punk­ten Ge­gen­an­trä­ge zu stel­len. «Of­fen­bar ha­ben Kom­mis­si­ons­mit­glie­der die Ar­beit, die man von ih­nen er­war­tet, nicht ge­tan. Das ist är­ger­lich», sagt SPS­tän­de­rat Clau­de Ja­ni­ak.

No­sers An­trag hat Chan­cen und sorgt für Auf­ruhr. Zwar gibt es sol­che, die sa­gen, der Na­tio­nal­rat kön­ne an sei­ner Ver­si­on fest­hal­ten und sie dem Stän­de­rat zu­rück­spie­len, da­mit die­ser sie über­ar­bei­te. Doch an­de­re fin­den, das sei hoch ris­kant. «Gut mög­lich, dass der Na­tio­nal­rat die Vor- la­ge ein­fach ver­senkt», sagt Ja­ni­ak. Ein sol­ches Sze­na­rio ist re­al. «Es ist aus bür­ger­li­cher Sicht wahr­schein­lich, dass wir in ei­ner zwei­ten Run­de im Na­tio­nal­rat das Nicht­ein­tre­ten be­schlies­sen. Die Re­form bringt zu we­nig, um den An­pas­sungs­auf­wand der Wirt­schaft zu recht­fer­ti­gen», sagt SVP-Na­tio­nal­rat Pir­min Schwan­der.

Es geht um Hun­der­te Ver­bes­se­run­gen, die jetzt auf Initia­ti­ve von Eco­no­mie­su­is­se ent­sorgt wer­den sol­len. Das er­staunt selbst Bür­ger­li­che, denn im Som­mer liess der Wirt­schafts­dach­ver­band ver­lau­ten, die Re­vi­si­on ha­be das Zeug, um den «seit Jah­ren be­ste­hen­den Re­form­stau auf­zu­bre­chen« und «in zahl­rei­chen Punk­ten Ver­ein­fa­chun­gen und Ent­las­tun­gen, ge­ra­de auch für KMU», zu brin­gen.

Pro­pa­gan­da der Wirt­schaft

Jetzt ver­brei­tet er das Ge­gen­teil: «Es gibt über 100 An­pas­sun­gen, viel­fach Ver­schlech­te­run­gen, wel­che tech­nisch teils sehr wich­tig sind und für wel­che es gröss­ten­teils kei­ne Abän­de­rungs­an­trä­ge im Par­la­ment gibt», so ein Spre­cher. Die Vor­la­ge sei «in der stän­de­rät­li­chen Kom­mis­si­on krass ent­gleist».

Um die Vor­la­ge zu bo­di­gen, sät Eco­no­mie­su­is­se Zwei­fel mit zum Teil un­wah­ren Aus­sa­gen. Drei Bei­spie­le:

Der Ver­band be­haup­tet, es ge­be über 100 nach­tei­li­ge An­pas­sun­gen, für die es «gröss­ten­teils kei­ne Än­de­rungs­an­trä­ge» ge­be. Das ist falsch. FDP-Stän­de­rat Andrea Ca­ro­ni hat nach­ge­zählt. «Die Wun­sch­lis­te von Eco­no­mie­su­is­se ent­hält nach mei­ner Zähl­art 28 Än­de­rungs­wün­sche, so­ge­nann­te Kon­zep­tan­trä­ge», von de­nen je­de meh­re Kor­rek­tu­ren be­trifft. Zu die­sen «28 Wün­schen lie­gen 24 Än­de­rungs­an­trä­ge vor». Of­fen sind nur 4 An­trä­ge.

No­ser be­haup­tet, dem Ver­wal­tungs­rat wür­den neue Pflich­ten über­bür­det, die gar nicht sei­ne Auf­ga­be sei­en, so et­wa die Über­wa­chung der Zah­lungs­fä­hig­keit. Das ist falsch, sagt der re­nom­mier­te Rechts­pro­fes­sor Hans Cas­par von der Cro­ne. Der Ver­wal­tungs­rat ha­be die Zah­lungs­fä­hig­keit schon heu­te zu über­wa­chen. Die Nen­nung im Ge­setz «war im Na­tio­nal­rat denn auch nicht be­strit­ten». Neu soll­ten Stimm­rechts­be­ra­ter an der GV ih­re In­ter­es­sen of­fen­le­gen, so­fern sie im Auf­trag die­ser Fir­ma ar­bei­ten. Geg­ner be­haup­ten, man kön­ne dies nicht mehr be­kämp­fen. Ein Ge­gen­an­trag lie­ge zwar nicht vor, kön­ne aber ge­stellt wer­den, sagt von der Cro­ne. Per­sön­lich fin­det er es rich­tig, dass sie ih­re Man­da­te of­fen­le­gen: «Es ist völ­lig über­zeich­net, zu be­haup­ten, die Vor­la­ge kön­ne nicht re­pa­riert wer­den. Die Re­form nach der ge­leis­te­ten Ar­beit ab­zu­leh­nen, oh­ne sich über­haupt mit ihr aus­ein­an­der­zu­set­zen, wä­re un­pro­fes­sio­nell».

Der Ge­gen­druck läuft an

Auch der be­kann­te Ak­ti­en­rechts­ex­per­te Pe­ter Forst­mo­ser spricht den Stän­de­rä­ten ins Ge­wis­sen. In der letz­ten «Fi­nanz und Wirt­schaft» schreibt er, mit dem Schei­tern der Re­form wür­de «ein mas­si­ver Kol­la­te­ral­scha­den in Kauf ge­nom­men». Sinn­vol­le Ver­bes­se­run­gen und «Neue­run­gen – durch­weg als Frei­räu­me und nicht als Zwän­ge kon­zi­piert – wür­den ge­op­fert».

Von der Cro­ne tritt Be­haup­tun­gen ent­ge­gen, die Vor­la­ge füh­re zu Mehr­ar­beit. «Zu­sätz­li­chen Auf­wand ver­ur­sacht das Ge­setz nicht, im Ge­gen­teil. Das Plus an Fle­xi­bi­li­tät und der Über­gang zur di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on wird sub­stan­zi­el­len Mehr­wert schaf­fen, man den­ke nur schon an den Weg­fall der ge­druck­ten Ge­schäfts­be­rich­te.»

Ca­ro­ni wird ei­nen An­trag stel­len, da­mit der Stän­de­rat die Män­gel kor­ri­gie­ren kann. «Wir sind bild­lich ge­spro­chen jetzt 0:2 im Rück­stand, aber das Spiel ist noch lan­ge nicht ge­lau­fen.»

Fo­to: Michae­la Reh­le (Bu­si­ness SCI Tech)

Ein noch ein­sa­mer Ak­tio­när

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