Er­bit­ter­ter Streit um Ver­mie­tung von Tou­ris­ten­loft in Stäfa

Die Ge­mein­de Stäfa und ei­ne Ein­woh­ne­rin strei­ten sich um die Be­her­ber­gung von Über­nach­tungs­gäs­ten in der In­dus­trie­zo­ne. Da­bei re­de­ten die Kon­flikt­par­tei­en teil­wei­se auch an­ein­an­der vor­bei.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Zürichsee - Phil­ip­pa Schmidt

Auf mehr als 70 A4-Sei­ten brei­tet die Ver­mie­te­rin ei­nes Tou­ris­ten­lofts im Her­zen von Stäfa ih­ren Kon­flikt mit der Ge­mein­de aus. Ei­gent­lich ste­hen die aus­ge­wähl­ten Do­ku­men­te und Mails je­doch nicht auf Pa­pier, son­dern auf der Web­site der Frau. Ein Blick in den Mail­ver­kehr of­fen­bart ei­nen hef­tig aus­ge­tra­ge­nen Streit.

Doch wo­rum geht es? Die Ge­mein­de sagt, dass die Frau auf dem ge­sam­ten Stock­werk, wel­ches ihr ge­hört, we­gen der Zo­nen­zu­ge­hö­rig­keit kei­ne Räu­me kom­mer­zi­ell ver­mie­ten darf. Sie ist an­de­rer An­sicht: Das Ver­bot soll sich rein auf die so­ge­nann­ten Ate­liers und nicht auf ei­ne 5-Zim­mer-Woh­nung auf der­sel­ben Eta­ge er­stre­cken, in wel­cher sie selbst auch wohnt. Der NZZ ge­gen­über nahm sie kürz­lich Stel­lung da­zu. Auf An­fra­ge der ZSZ ver­wies sie auf die Chro­nik auf ih­rer Web­site.

2008 kam es schon ein­mal zu ei­nem ju­ris­ti­schen Kon­flikt zwi­schen der Stäf­ne­rin und der Ge­mein­de. Im da­ma­li­gen Ur­teil, das der ZSZ vor­liegt, schreibt die Bau­re­kurs­kom­mis­si­on des Kan­tons: «Mit Aus­nah­me der Woh­nung der Ge­such­stel­le­rin dür­fen die üb­ri­gen Räum­lich­kei­ten nur für ge­werb­li­che Zwe­cke ge­nutzt wer­den. Ei­ne Nut­zung als Be­her­ber­gungs­be­trieb wird ex­pli­zit aus­ge­schlos­sen.» Ob sich der Be­her­ber­gungs­be­trieb hier auf die «üb­ri­gen Räu­me» oder die Eta­ge als Gan­zes be­zieht, er­schliesst sich dem Le­ser nicht völ­lig.

«Miss­ver­ständ­lich for­mu­liert»

Die Ge­mein­de be­tont auf An­fra­ge, dass das Ver­bot kom­mer­zi­el­ler Be­her­ber­gung grund­sätz­lich sei. Man ha­be die kom­mer­zi­el­le Be­her­ber­gung von Gäs­ten aber jah­re­lang ge­dul­det, sagt Ge­mein­de­schrei­ber Da­ni­el Schei­deg­ger. Die Ver­mie­te­rin selbst be­schreibt die Si­tua­ti­on im Jahr 2006 in der NZZ wie folgt: Der da­ma­li­ge Ge­mein­de­prä­si­dent und der da­ma­li­ge Bau­vor­stand sei­en vor­bei­ge­kom­men. Man ha­be ihr ge­sagt, sie be­we­ge sich in ei­ner Grau­zo­ne. So­lan­ge nie­mand Anzeige er­stat­te, kön­ne sie ver­mie­ten.

2015 spitz­te sich der Kon­flikt um die Ver­mie­tun­gen zu. Aus ei­nem bau­recht­li­chen Ent­scheid der Ge­mein­de wird er­sicht­lich, dass die Räum­lich­kei­ten der Frau in der ehe­ma­li­gen Mett­ler-To­le­do-Fa­b­rik als Atelier ge­nutzt wer­den kön­nen. Im Ent­scheid be­to­nen die Be­hör­den aber auch, dass jeg­li­che an­de­re Nut­zung, zum Bei­spiel als Über­nach­tungs­mög­lich­keit für zah­len­de Tou­ris­ten, wei­ter­hin nicht zu­läs­sig sei.

Ei­ne Ge­mein­de­mit­ar­bei­te­rin hat­te sich gut ein hal­bes Jahr zu­vor an­ders ge­äus­sert: «Wir wei­sen dar­auf hin, dass mit dem Ge­mein­de­rats­be­schluss vom 11. Dezember 2007 die Nut­zung der Räum­lich­kei­ten als Be­her­ber­gungs­be­trieb, mit Aus­nah­me der 5-Zim­merWoh­nung, ex­pli­zit un­ter­sagt wur­de.» Dies sei miss­ver­ständ­lich for­mu­liert ge­we­sen, räumt Schei­deg­ger ein. Man ha­be damit die Be­her­ber­gung pri­va­ter und nicht zah­len­der Gäs­te in der Woh­nung ge­meint. Er be­tont, dass es sich da­bei um ei­nen Brief ei­ner An­ge­stell­ten und nicht um ei­nen ver­bind­li­chen Ge­richts­be­schluss hand­le. «Wir ha­ben der Frau in der Folge klar kom­mu­ni­ziert, dass sie die Räum­lich­kei­ten nicht an Über­nach­tungs­gäs­te ver­mie­ten darf.»

Mit An­walt ge­wehrt

Zu­letzt es­ka­lier­te der Kon­flikt dann im Herbst 2018 nach ei­ner Be­ge­hung durch ei­nen Mit­ar­bei­ter der Ge­mein­de. In ei­nem Be­schluss des Stäf­ner Ge­mein­de­rats vom 30. Ok­to­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res steht da­zu: «Bei ei­ner bau­po­li­zei­li­chen Kon­trol­le am 11. 7. 2018 hat Frau X denn auch be­stä­tigt, die Zim­mer nach wie vor fremd­zu­ver­mie­ten.»

Das Ver­mie­ten von Wohn­raum in ih­rer 5-Zim­mer-Woh­nung be­strei­tet die Stäf­ne­rin al­ler­dings gar nicht. In ei­nem Brief ih­res An­wal­tes an den Ge­mein­de­rat schreibt die­ser über den Ge­mein­de­mit­ar­bei­ter, dass er die Ate­liers und die 5-Zim­mer-Woh­nung durch­ein­an­der­brin­ge. Der Be­schluss der Be­hör­den be­zieht sich auch tat­säch­lich dar­auf, dass die un­recht­mäs­si­ge Nut­zung der Räum­lich­kei­ten aus­ser­halb der Woh­nung um­ge­hend ein­zu­stel­len sei. «Wir hat­ten ein In­diz, dass Räu­me aus­ser­halb der Woh­nung ver­mie­tet wur­den», er­klärt der Ge­mein­de­schrei­ber da­zu. Dies än­de­re aber nichts dar­an, dass die kom­mer­zi­el­le Ver­mie­tung der Be­triebs­lei­ter­woh­nung ver­bo­ten sei.

Räu­mung an­ge­droht

Als Kon­se­quenz droht der Ge­mein­de­rat in sei­nem Be­schluss im Wi­der­hand­lungs­fall «un­mit­tel­ba­ren Zwang» wie po­li­zei­li­che Räu­mung und ein Straf­ver­fah­ren we­gen «Un­ge­hor­sams ge­gen amt­li­che Ver­fü­gung» an. «Das Straf­ge­setz­buch sieht ne­ben den ei­gent­li­chen Stra­fen auch Mass­nah­men vor, dar­un­ter die Ein­zie­hung der Ver­mö­gens­wer­te», ist wei­ter zu le­sen. In ei­ner Ant­wort auf den Be­schluss be­tont der An­walt, dass sei­ne Man­dan­tin aus­ser­halb ih­rer Woh­nung kei­nen Wohn­raum be­wer­be. Dies legt na­he, dass die In­ter­pre­ta­ti­on, wel­che Räu­me zur Über­nach­tung ver­mie­tet wer­den dür­fen, un­ter­schied­lich ist. Ei­ne Ein­spra­che ge­gen den Be­schluss hat die Stäf­ne­rin nicht ein­ge­reicht. «Wir ent­schie­den, auf ei­ne Ein­spra­che ge­gen den ‹Be­schluss› zu ver­zich­ten. Der In­halt des Be­schlus­ses wies auf et­was hin, was ich gar nicht mach­te», schreibt sie auf ih­rer Web­site da­zu.

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