Akus­ti­scher Wild­schwein­schreck soll Fel­der schüt­zen

For­schen­de der Zürcher Hoch­schu­le für An­ge­wand­te Wis­sen­schaf­ten stel­len ei­ne Art akus­ti­sche Wild­schwein­scheu­che vor: ein Ge­rät, das Warn­ru­fe der Tie­re ab­spielt.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Zürichsee -

Die Wild­schwein­po­pu­la­ti­on der Schweiz wächst und ver­ur­sacht jähr­lich Schä­den von meh­re­ren Mil­lio­nen Fran­ken. Ge­ziel­te Ab­schüs­se ein­zel­ner Tie­re ver­grä­men Wild­schwein­rot­ten zwar zeit­wei­lig, sind aber nicht über­all so ein­fach mög­lich, und Elek­tro­zäu­ne be­deu­ten hohe Kos­ten und viel Auf­wand für Land­wir­te.

Des­halb ha­ben For­schen­de um Ste­fan Su­ter von der Zürcher Hoch­schu­le für An­ge­wand­te Wis­sen­schaf­ten (ZHAW) in Wä­dens­wil ei­nen akus­ti­schen Wild­schwein­schreck ent­wi­ckelt und ge­tes­tet. Die­ser be­steht aus zwei bat­te­rie­be­trie­be­nen Laut­spre­chern, die über ei­ne Steue­rungs- box Alarm- und Warn­ru­fe der Tie­re ab­spie­len. Hin­zu kom­men Ge­räu­sche, die die Wild­schwei­ne mit Ge­fahr as­so­zi­ie­ren, wie die ZHAW am Don­ners­tag mit­teil­te. Die Lau­te wer­den in zu­fäl­li­ger Ab­fol­ge wäh­rend der Nacht ab­ge­spielt. Ein Licht­sen­sor ak­ti­viert das Ge­rät bei Ein­bruch der Dun­kel­heit und schal­tet es bei Son­nen­auf­gang wie­der ab.

In drei Re­gio­nen ge­tes­tet

Ge­tes­tet ha­ben die For­schen­den ih­re Me­tho­de auf Fel­dern beim Neu­en­bur­ger See, am Klingnau­er Stau­see und im obe­ren Frick­tal. Dort in­stal­lier­ten sie die Laut­spre­cher für be­stimm­te Zei­t­räu- me und be­stimm­ten mit Droh­nen­bil­dern, wie vie­le Schä­den durch Wild­schwei­ne in der Zwi­schen­zeit da­zu­ge­kom­men wa­ren.

Auf Fel­dern mit dem Wild­schwein­schreck ka­men laut Su­ter deut­lich we­ni­ger Schä­den hin­zu als auf sol­chen oh­ne Prä­ven­ti­ons­mass­nah­men. Ei­nen hun­dert­pro­zen­ti­gen Schutz gab die Me­tho­de al­ler­dings nicht, eben­so wie an­de­re Mass­nah­men wie Ab­schüs­se und Elek­tro­zäu­ne. «Be­son­ders wirk­sam ist die Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Me­tho­den», so Su­ter. Wo der Wild­schwein­schreck in­stal­liert war, sind die Tie­re dem­nach vor­sich­ti­ger und über­ren­nen bei­spiels­wei­se nicht ein­fach ei­nen Elek­tro­zaun. Und wo ein­mal ein Tier ge­schos­sen wur­de, lässt sich die Rot­te von den Warn­ru­fen aus dem Laut­spre­cher wirk­sa­mer ver­grä­men.

Die Kom­bi­na­ti­on sei auch des­halb sinn­voll, weil sich die Tie­re nach ei­nem Mo­nat an die Warn­ru­fe aus dem Laut­spre­cher ge­wöh­nen und mer­ken, dass kei­ne ech­te Ge­fahr be­steht, führt der ZHAWFor­scher aus. Der Wild­schwein­schreck sei aber ins­be­son­de­re in sen­si­blen Pha­sen nütz­lich, zum Bei­spiel kurz nach der Aus­saat, wenn der Bo­den auf­ge­lo­ckert und für die Fut­ter­su­che leicht zu­gäng­lich für Wild­schwei­ne ist.

Kos­ten­güns­ti­ger als Zaun

«Ei­nen Elek­tro­zaun zu in­stal­lie­ren, be­deu­tet meh­re­re St­un­den Ar­beit, und das in ei­ner Pha­se, in der Land­wir­te oh­ne­hin sehr be­schäf­tigt sind. Ei­nen Pfahl ein­zu­schla­gen und die Laut­spre­cher auf­zu­hän­gen, dau­ert nur 15 Mi­nu­ten», so Su­ter. So könn­te der Wild­schwein­schreck als kurz­fris- ti­ge Mass­nah­me hel­fen, Rot­ten vom frisch be­ar­bei­te­ten Feld fern­zu­hal­ten. Der Wild­schwein­schreck schlägt mit et­wa 1000 Fran­ken pro Ge­rät zu Bu­che, schätz­te Su­ter.

Der Wild­schwein­schreck soll die Pa­let­te der Prä­ven­ti­ons­me­tho­den er­gän­zen. Al­ler­dings dürf­te er nicht für je­den Stand­ort ge­eig­net sein. In der Nä­he zu Wohn­ge­bie­ten et­wa dürf­te die ge­setz­li­che Nacht­ru­he dem Ein­satz der Laut­spre­cher ei­nen Rie­gel vor­schie­ben. Bei min­des­tens ei­nem Ki­lo­me­ter Ab­stand zu Wohn­häu­sern wer­den die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Grenz­wer­te je­doch nicht über­schrit­ten, in 1,5 Ki­lo­me­tern Ent­fer­nung sei­en gar kei­ne Ge­räu­sche vom Wild­schwein­schreck mehr mess­bar, hal­ten die For­schen­den im Ab­schluss­be­richt des Pro­jekts fest.

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