Fin­ma-Chef Bran­son for­dert Cy­ber-Zen­trum

Die Schweiz ha­be bei der In­ter­net-Si­cher­heit Nach­hol­be­darf, sagt der obers­te Ban­ken­auf­se­her.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Wirtschaft - Hol­ger Alich, Jor­gos Brou­zos

Mark Bran­son, Chef der Schwei­zer Fi­nanz­auf­sicht Fin­ma, for­dert die schnel­le Ein­rich­tung ei­nes na­tio­na­len Cy­ber­kom­pe­tenz­zen­trums. «Es geht beim The­ma Cy­ber nicht nur um Kri­mi­na­li­tät, son­dern auch um An­grif­fe durch staat­li­che Stel­len oder Atta­cken durch Ter­ro­ris­ten», sag­te Bran­son in ei­nem In­ter­view, das die «Sonn­ta­gZei­tung» ges­tern ver­öf­fent­licht hat. «Das The­ma be­rührt al­so die na­tio­na­le Si­cher­heit. Da­her soll­te es nicht so sehr dar­um ge­hen, wo ge­nau ein sol­ches Kom­pe­tenz­zen­trum des Bun­des an­ge­sie­delt ist, son­dern, dass es schnell kommt und eng mit dem Pri­vat­sek­tor ko­or­di­niert ist » , for­der­te der Fin­ma-Chef.

«Gröss­tes Ri­si­ko»

Er un­ter­stützt da­mit For­de­run­gen aus dem Na­tio­nal­rat. Dort hat­te EVP-Na­tio­nal­rat Nik Gug­ger be­reits 44 Un­ter­schrif­ten für ei­ne Mo­ti­on ge­won­nen, um «so­fort die Schaf­fung ei­nes de­par­te­ments­über­grei­fen­den Cy­ber­Kom­pe­tenz­zen­trums an die Hand zu neh­men.» Die­ses soll zum Bei­spiel Un­ter­neh­men pro­fes­sio­nel­le Erst­hil­fe bie­ten, die von ei­ner Atta­cke be­trof­fen sind. Bis­her hat der Bun­des­rat le­dig­lich ein­ge­wil­ligt, den Pos­ten ei­nes Cy­ber­ex­per­ten beim Fi­nanz­de­par­te­ment ein­zu­rich­ten.

Das reicht auch Fin­ma-Chef Bran­son nicht. Er be­zeich­net die Gefahr ei­ner Cy­ber­at­ta­cke als ei­nes der gröss­ten Ri­si­ken für den Finanzplatz. «Denn der Fi­nanz­sek­tor wird tech­no­lo­gisch im­mer ver­netz­ter und da­mit im­mer ver­letz­li­cher.» Im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich hin­ke die Schweiz an­de­ren Län­dern mit ei­nem gros­sen Finanzplatz hin­ter­her, so Bran­son.

Das The­ma hat durch die Vor­fäl­le in Deutschland neue Ak­tua­li­tät ge­won­nen. Dort hat­te ein jun­ger Ha­cker, der mitt­ler­wei­le eru­iert wur­de, pri­va­te Da­ten und Bil­der von Po­li­ti­kern, Pro­mi­nen­ten und Jour­na­lis­ten im In­ter­net ver­brei­tet. Der 20-jäh­ri­ge Mann hat den Da­ten­dieb­stahl ein­ge­stan­den.

Laut Bran­son ha­be es bis­her kei­ne er­folg­rei­che Ha­cker­at­ta­cke auf Schwei­zer Ban­ken ge­ge­ben. «Ins­ge­samt ist die Schweiz bis­her glimpf­lich da­von­ge­kom­men», sag­te der Fin­ma-Chef. Dies sei aber kein Grund, «sich in fal­scher Si­cher­heit zu wie­gen», warn­te er.

Ver­tei­di­gung von Lacha­pel­le

Zu den Auf­ga­ben der Ban­ken­auf­sicht un­ter Mark Bran­son ge­hört es auch, die Eig­nung von Bank­ma­na­gern für die Spit­zen­jobs bei den Fi­nanz­in­sti­tu­ten zu prü­fen. So gab die Fin­ma grü­nes Licht da­für, dass Guy Lach­ap­pel­le, ExChef der Bas­ler Kan­to­nal­bank, neu­er Prä­si­dent der Raiff­ei­sen­grup­pe wer­den konn­te.

Die Wahl von Lach­ap­pel­le war al­ler­dings nicht ganz un­um­strit- ten. Denn der­zeit lau­fen zwei Ver­fah­ren da­zu, ob die Bas­ler Kan­to­nal­bank im Zu­sam­men­hang mit der Be­trugs­an­la­ge-Fir­ma ASE zu spät ei­ne Geld­wä­sche­rei-Mel­dung ge­macht ha­be. Zu je­ner Zeit ge­hör­te Lach­ap­pel­le be­reits der Ge­schäfts­füh­rung der Bank an.

Bran­son warn­te in die­sem Zu­sam­men­hang da­vor, zu ho­he An­for­de­run­gen an Top­ban­ker zu stel­len. «Es kann nicht sein, dass je­mand für kein Amt mehr in­fra­ge kommt, nur weil er im Um­feld ei­nes Skan­dals tä­tig war, für den er kei­ne per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung trägt», sagt der Fin­ma-Chef. Und füg­te an: «Man kann für sol­che Pos­ten nicht je­man­den aus dem Klos­ter ho­len.

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