Ver­lo­ren, trotz Do­mi­nanz

Die ZSC Li­ons ha­dern nach dem 1:2 ge­gen Da­vos nach Ver­län­ge­rung mit sich.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Sport - Mar­co Kel­ler

Sie woll­ten das En­de noch nicht ak­zep­tie­ren und nah­men de­mons­tra­tiv auf der Spie­ler­bank Platz. Der Wunsch war da­bei ein­deu­tig Va­ter des Ge­dan­kens, denn bei And­res Am­bühls So­lo war kein Re­gel­ver­stoss zu er­ken­nen. Die HCD-Spie­ler stell­ten sich der­weil an der blau­en Li­nie auf, und nach kur­zem Vi­deo­stu­di­um ka­men die Schieds­rich­ter zur lo­gi­schen Er­kennt­nis: Tor. Und da­mit 2:1Sieg für Da­vos nach 52 Se­kun­den Ver­län­ge­rung.

So lo­gisch das war, so sehr lös­te es bei den Zürchern Kopf­schüt­teln aus. Aber aus an­de­rem Grund: Sie hät­ten die Par­tie nie aus der Hand ge­ben dür­fen. Oder wie es Ser­ge Au­bin aus­drück­te: «Es hät­te gar nicht zur Ver­län­ge­rung kom­men dür­fen.»

Sein Team schien die gu­te Form aus den bei­den Fi­nal­re­van­chen ge­gen Lu­ga­no (7:4 und 3:1) ins Wo­che­n­en­de ge­ret­tet zu ha­ben. Der ZSC hat­te im Start­drit­tel ein kla­res Chan­cen­plus, und auch bei Spiel­mit­te liess das Schuss­ver­hält­nis von 26:11 kaum Fra­gen über die Stär­ke­ver­hält­nis­se of­fen. Al­lein, es stand 1:0, der frü­he Tref­fer durch Mat­tia Hin­ter­kir­cher, der sich im Slot die Ecke aus­su­chen konn­te, blieb das ein­zi­ge Er­folgs­er­leb­nis. «Wir hat­ten 20 Schüs­se, ei­ni­ge da­von wa­ren sehr ge­fähr­lich. Wenn wir da ei­ni­ge To­re mehr er­zielt hät­ten, wä­re es ein ganz an­de­res Spiel ge­wor­den», be­fand Au­bin.

Der Ka­na­di­er kennt aber auch die al­te Weis­heit, dass der Kon­junk­tiv kei­ne To­re schiesst. Und so ver­kom­pli­zier­ten sich die Li­ons die La­ge un­nö­tig. Sie ga­ben den Bünd­nern den Glau­ben zu­rück, der nach fünf Nie­der­la­gen oh­ne Punkt­ge­winn im bis­he­ri­gen Ka­len­der­jahr und an­ge­sichts ei­ner schwie­ri­gen Per­so­nal­si­tua­ti­on ab­han­den­ge­kom­men war. Sie­ben Spie­ler fehl­ten, un­ter an­de­ren die Wie­ser-Brü­der Di­no und Marc, Magnus Ny-gren, Clau­de-Cur­din Pa­schoud und Lu­kas Sto­op.

Ju­gend­li­che Da­vo­ser

Spe­zi­ell in der Ab­wehr er­in­ner­te das Team von Ha­ri­js Wi­to­linsch an ein Pro­jekt auf Ku­fen von «Schwei­zer Ju­gend forscht»: Drei von sie­ben Ver­tei­di­gern ha­ben Jahr­gang 2000. Ein HCD-Club­funk­tio­när sag­te vor der Par­tie: «Wir ha­ben kei­ne Chan­ce, al­so nut­zen wir sie.»

Kaum je­mand glaub­te in die­sem Mo­ment, dass auch der zwei­te Teil der Aus­sa­ge ein­tref­fen wür­de. An­ge­trie­ben vom ele­gan­ten En­zo Cor­vi hol­ten sich die Bünd­ner im­mer mehr Spiel­an­tei­le. Spä­tes­tens als Ver­tei­di­ger Sven Jung bei sei­nem ers­ten Sai­son­tref­fer ei­nen der sel­te­nen Re­bounds von Lu­kas Flüe­ler ver­wer­te­te (46.), glaub­te Da­vos end­gül­tig an sei­ne Chan­ce. Am­bühl und Pert­tu Lind­gren hat­ten erst­klas­si­ge Mög­lich­kei­ten, die Par­tie noch in der re­gu­lä­ren Spiel­zeit zu ent­schei­den.

Auch so war die Freu­de über den zwei­ten Aus­wärts­sieg der Sai­son in Zü­rich gross. Nach dem ers­ten, dem 5:1 im No­vem­ber, hat­te Ar­no Del Cur­to den Rück­tritt ge­ge­ben. Der Punk­te­schnitt oh­ne die Trai­ner­le­gen­de ist noch schlech­ter als vor­her, die sta­bi­li­sier­te De­fen­si­ve gibt aber Grund zu Op­ti­mis­mus.

Die Li­ons ver­pass­ten nicht nur den fünf­ten Heim­sieg in Se­rie, son­dern auch, sich wei­ter vom Trenn­strich ab­zu­set­zen. Mit 13 Punk­ten aus sechs Spie­len bleibt der ZSC aber er­folg­reichs­tes Team 2019, da­hin­ter fol­gen Bern und Zug ( je 5/12). Au­bin weiss aber, dass sein Team noch nicht wie­der meis­ter­wür­dig auf­tritt: «Wir brau­chen jetzt Kon­stanz über 60 Mi­nu­ten.» Die nächs­te Ge­le­gen­heit da­zu bie­tet sich am Wo­che­n­en­de mit dem «Dop­pel­spiel» ge­gen Langnau.

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