Nach­ge­fragt

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Zürichsee - Si­mo­ne Berch­told Schiestl: In­ter­view: Fa­bi­en­ne Senn­hau­ser

Vor­na­men wie Em­ma und Noah sind in, Ka­trin und Mar­kus hin­ge­gen out, war­um?

Das liegt vor al­lem am Klang. Har­te Kon­so­nan­ten wie P, T und K sind in den letz­ten 15 Jah­ren we­ni­ger be­liebt. Heu­te muss ein Name so­nor und weich sein.

Was braucht es da­für?

Na­men mit dem Kon­so­nan­ten L bei­spiels­wei­se las­sen sich weich aus­spre­chen. Das hat da­mit zu tun, dass der Luft­strom bei der Bil­dung ei­nes L nicht blo­ckiert wird. Im Ge­gen­satz zu ei­nem Na­men, der bei­spiels­wei­se mit T be­ginnt. Die heu­ti­gen Trend­na­men sind zu­dem sehr vo­kal­reich. Und En­dun­gen auf a gel­ten als be­son­ders klang­voll.

Auf­fäl­lig ist auch, dass die heu­ti­gen Na­men eher kurz sind.

Das stimmt. Be­son­ders zwei­sil­bi­ge Vor­na­men lie­gen hier­zu­lan­de im Trend. Vie­le El­tern wol­len auf die­sem Weg um­ge­hen, dass der Na­men ih­rer Kin- der mit­tels Ab­kür­zun­gen ver­un­stal­tet wird.

Wes­halb sind bi­bli­sche Na­men wie An­na oder Da­vid in un­se­rer mo­der­nen Ge­sell­schaft noch im­mer so be­liebt?

Vie­le die­ser Na­men sind fest in un­se­rer Tra­di­ti­on ver­wur­zelt. Zu­dem sind es häu­fig eben­falls zwei­sil­bi­ge Na­men. In ers­ter Li­nie wer­den sie aus­ge­wählt, weil sie wohl­klin­gend sind. Ih­re Be­deu­tung oder der re­li­giö­se Hin­ter­grund ist ne­ben­säch­li­cher ge­wor­den.

Was muss pas­sie­ren, dass ein Name Trend wird?

Man kann hier ver­schie­de­ne Pha­sen be­ob­ach­ten: Zu­nächst wird ein Name hier­zu­lan­de be­kannt oder ge­läu­fi­ger. Vor­erst taucht er aber nur in den hin­te­ren Rän­gen der Sta­tis­tik auf. Dann folgt ei­ne schnel­le Ver­brei­tung. Auf dem Hö­he­punkt der Be­liebt­heit do­mi­niert er die Vor­na­men­hit­pa­ra­de.

Was pas­siert dann?

Oft­mals folgt nach ein paar Jah­ren oder Jahr­zehn­ten wie bei Lau­ra ein schritt­wei­ser Rück­gang. Denn auch Vor­na­men nüt­zen sich ab.

Man­che Na­men er­le­ben nach Jahr­zehn­ten aber ein Re­vi­val.

Mit den Vor­na­men ist es wie mit der Mo­de. Al­les ver­än­dert sich stän­dig und vie­les kommt doch im­mer wie­der.

1957 wur­den fast 1900 Pe­ter ge­bo­ren. In der ak­tu­el­len Hit­pa­ra­de schafft es kei­ner der Na­men auf ei­nen sol­chen Wert. Wes­halb?

Un­se­re heu­ti­ge Ge­sell­schaft ist ex­trem auf das In­di­vi­du­um aus­ge­rich­tet. Frü­her wur­den Kin­der nach ei­nem Vor­fah­ren zum Bei­spiel dem Gross­va­ter, dem Va­ter oder dem Göt­ti be­nannt. Die El­tern von heu­te ge­ben ih­rem Kind mit dem Na­men be­reits ein Stück In­di­vi­dua­li­tät und Iden­ti­tät mit auf den Weg. Kommt da­zu, dass durch die Glo­ba­li­sie­rung viel mehr Na­men be­kannt sind und zur Aus­wahl ste­hen.

Mat­teo, Lu­ca oder Gi­u­lia wa­ren noch vor ein paar Jahr­zehn­ten die Na­men der Gas­t­ar­bei­ter. Heu­te do­mi­nie­ren sie die Deutsch­schwei­zer Sta­tis­tik. Könn­te das auch mit Ali, Is­mail und Asi­fa ge­sche­hen?

Na­men­trends las­sen sich so gut wie gar nicht vor­aus­sa­gen. Ob sich Na­men durch­set­zen, hängt aber auch sehr da­von ab, wie wir die Kul­tur da­hin­ter wahr­neh­men. Die mus­li­misch ge­präg­ten Na­men dürf­ten es da­her ge­gen­über den christ­lich ge­präg­ten ita­lie­ni­schen Na­men ei­ni­ges schwe­rer ha­ben.

Kann man vom Vor­na­men auf die so­zia­le Schicht der Fa­mi­lie schlies­sen?

Die Un­ter­schie­de in der Na­mens­ge­bung sind heu­te we­ni­ger klar als in frü­he­ren Jah­ren. Ten­den­zi­ell kann man vi­el­leicht sa­gen, dass Aka­de­mi­ker häu­fi­ger tra­di­tio­nel­le­re Na­men wäh­len oder die Kin­der nach ih­ren Vor­fah­ren be­nen­nen.

Si­mo­ne Berch­told Schiestl Lin­gu­is­tin und Na­mens­for­sche­rin

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