Viel Ener­gie auf der Büh­ne

Die Hea­vy-Me­tal-Band Stran­gers In The At­tic lässt künst­le­risch Dampf ab und zeigt, dass auch ein Hob­by gut or­ga­ni­siert sein will.

Zürcher Unterländer - - Vorderseit­e - Re­na­to Cec­chet

Diels­dorf Vie­le hal­ten Hea­vy Me­tal nicht für Mu­sik, son­dern für Lärm. Die Bands, wel­che Hea­vy Me­tal spie­len, se­hen dies na­tür­lich an­ders. Das gilt auch für Stran­gers In The At­tic. Die Grup­pe mit dem Diels­dor­fer Sän­ger und Gi­tar­ris­ten Patrick Bot­ta­rel­la hat ge­ra­de ei­ne EP mit vier Songs und ein Vi­deo auf Youtube ver­öf­fent­licht. Für Bot­ta­rel­la ist Hea­vy Me­tal ei­ne Art, sich in­tel­lek­tu­ell aus­zu­drü­cken und gleich­zei­tig Dampf ab­zu­las­sen. «In un­se­re Mu­sik le­gen wir be­wusst Ag­gres­sio­nen hin­ein und le­ben die­se auf der Büh­ne aus», sagt Bot­ta­rel­la im Ge­spräch.

Ei­nes der Hea­vy-Me­tal-Kli­schees bil­det den Auf­takt zum Ge­spräch. «In klei­nen Kel­lern sind wir sehr schnell zu laut. Des­halb wird es höchs­te Zeit, dass wir an Open Airs auf­tre­ten kön­nen», sagt Patrick «Pä­de» Bot­ta­rel­la. Der in Diels­dorf wohn­haf­te Sän­ger und Gi­tar­rist von Stran­gers In The At­tic er­klärt die Band­phi­lo­so­phie so: «In un­se­re Mu­sik le­gen wir be­wusst Ag­gres­sio­nen hin­ein und le­ben die­se auf der Büh­ne aus, wir las­sen künst­le­risch Dampf ab.»

Schlag­zeu­ger Ba­sil Sai­ler er­gänzt, dass die­se Art, Mu­sik zu ma­chen, kein Li­mit ken­ne. «Wir kön­nen auch sehr lei­se spie­len, zei­gen aber im­mer grosse Prä­senz.» Und Bas­sist Ma­nu­el Gal­li­ker meint: «Men­schen ha­ben gu­te oder schlech­te Ge­dan­ken, sind trau­rig, fröh­lich oder manch­mal lei­der auch ge­walt­tä­tig. Un­se­re Mu­sik gibt uns die Mög­lich­keit, ver­schie­de­ne Emo­tio­nen kon­struk­tiv aus­zu­drü­cken.»

Lei­den­schaft ne­ben dem Be­ruf

Nach die­sen Wor­ten scheint klar: Stran­gers In The At­tic ge­hen nicht ein­fach mal so in den Übungs­raum und ma­chen Lärm. Für die vier Mu­si­ker – Gi­tar­rist Da­ni­el Wol­fens­ber­ger macht das Quar­tett kom­plett – ist die Band ne­ben ih­ren bür­ger­li­chen Be­ru­fen die grosse Lei­den­schaft.

Die­se wird mit Ernst­haf­tig­keit be­trie­ben. So hat je­des Band­mit­glied ei­ne Funk­ti­on ne­ben der Büh­ne. Da­ni Wol­fens­ber­ger, von Be­ruf Au­dio- und Vi­deo­tech­ni­ker, ist für Trans­port und Mer­chan­di­sing, das Ver­wal­ten der Wer­be­ar­ti­kel, zu­stän­dig. Pä­de Bot­ta­rel­la hat Mu­sik stu­diert und macht zur­zeit ei­ne Zwei­t­aus­bil­dung als Ap­pli­ka­ti­ons­ent­wick­ler. Er küm­mert sich zu­sam­men mit Ro­bo­tik-In­ge­nieur Ma­nu­el Gal­li­ker um den Auf­tritt der Band in den so­zia­len Me­di­en. Ba­sil Sai­ler, eben­falls ge­lern­ter In­ge­nieur, er­le­digt Mails so­wie die rest­li­che Ad­mi­nis­tra­ti­on.

In Sa­chen Song­wri­ting ge­hen Stran­gers In The At­tic ei­nen in­tel­lek­tu­el­len Weg. Zu Be­ginn ei­nes Songs ste­hen Ak­kord­fol­gen von Pä­de Bo­ta­rel­la. «Die­se tra­ge ich dann mit mir her­um, hö­re sie mir im­mer wie­der an, bis ich ei­nen Song dar­in er­ken­ne», er­klärt der Sän­ger und Gi­tar­rist. Die ro­hen Rif­f­ab­fol­gen kom­men dann als De­mo zu den an­de­ren Band­mit­glie­dern, die dann in­di­vi­du­ell ih­ren Part da­zu kom­po­nie­ren. «Wir pro­ben ein mög­li­ches Lied zu­erst al­lei­ne zu Hau­se und kom­men dann wie­der zu­sam­men, wir jam­men nur sel­ten im Übungs­kel­ler, wir ar­bei­ten eher kopf­las­tig an un­se­ren Songs», er­klärt Ba­sil Sai­ler, der sei­ne Schlag­zeug­parts so­gar in No­ten auf­schreibt.

Die Grün­dungs­ge­schich­te von Stran­gers In The At­tic ist ei­gent­lich die zwei­er Bands. Pä­de Bo­ta­rel­la und Ba­sil Sai­ler spiel­ten be­reits frü­her in ei­ner For­ma­ti­on zu­sam­men und grün­de­ten dann zu­sam­men mit Da­ni Wol­fens­ber­ger die For­ma­ti­on D.R.Ê.A.M. Nach ers­ten Auf­trit­ten zu dritt in die­ser For­ma­ti­on ge­sell­te sich der ge­bür­ti­ge Em­men­ta­ler Ma­nu­el Gal­li­ker da­zu. In ei­nem Brain­stor­ming wur­de dann der neue Na­me ge­fun­den, der «kei­nen wort­wört­li­chen Sinn hat, aber die rich­ti­ge At­mo­sphä­re schafft und gut klingt», wie der Bas­sist meint. Stran­gers In The At­tic ha­ben ei­ne EP mit fünf Songs her­aus­ge­bracht, die sie mit­tels Crowd­fun­ding fi­nan­ziert ha­ben. Den Ti­tel­song «Scream in My Dream» gibt es auch als Vi­deo­clip auf der Platt­form Youtube.

Kon­kur­renz grös­ser und glo­ba­ler

Über­haupt be­schrei­tet das Quar­tett wer­be­mäs­sig den Weg, den die Mu­sik­grup­pen von heu­te ge­hen. «Das In­ter­net macht es für ei­ne Band wie uns leich­ter und bil­li­ger, um sich Be­kannt­heit zu ver­schaf­fen. Um­ge­kehrt ist heu­te die Kon­kur­renz auch grös­ser und glo­ba­ler», gibt Gal­li­ker zu ver­ste­hen. Pä­de Bot­ta­rel­la glaubt aber, den Weg ge­fun­den zu ha­ben, der den Schlüs­sel zum Er­folg ver­spricht: «Du musst die Mu­sik ma­chen, die dir sel­ber ge­fällt, dann fin­dest du auch ein Pu­bli­kum da­für.»

Vi­deo­clip «Scream in My Dream» auf www.zu­on­line.ch und auf Youtube. Mehr In­fos zur Band, EP und an­de­res auf www.face­book. com/stran­ger­sin­the­at­tic. Kon­zer­te: Sams­tag, 28. Sep­tem­ber, Zü­rich, Ebrie­t­as. Sams­tag, 26. Ok­to­ber, Hor­gen, Al­te Schu­le. Sams­tag, 16. No­vem­ber, Thun, Al­ter­na­ti­ves Kul­tur­zen­trum AkuT. Sams­tag, 17. De­zem­ber, Zü­rich, Ebrie­t­as.

Fo­to: Re­na­to Cec­chet

Ma­nu­el Gal­li­ker, Ba­sil Sai­ler, Da­ni­el Wol­fens­ber­ger und Pä­de Bot­ta­rel­la (von links) le­gen mit der Band Stran­gers In The At­tic Ag­gres­sio­nen in die Mu­sik und las­sen auf die­ses Wei­se künst­le­risch Dampf ab.

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