Zwei Neue aus dem Un­ter­land in Bern ver­ei­digt

Ges­tern star­te­te der Na­tio­nal­rat in die Win­ter­ses­si­on – und Jörg Mä­der und Bar­ba­ra Schaff­ner in den ers­ten Ar­beits­tag in Bun­des­bern.

Zürcher Unterländer - - Vorderseit­e - Sha­ron Saa­me­li

Ges­tern Mon­tag nah­men zwei Neue aus dem Un­ter­land ih­re Plät­ze als frisch ge­wähl­ter Na­tio­nal­rat und frisch ge­wähl­te Na­tio­nal­rä­tin im Bun­des­haus ein: der Op­fi­ker Jörg Mä­der und die Otel­fin­ge­rin Bar­ba­ra Schaff­ner, bei­de GLP-Mit­glie­der. Nach der

Ve­rei­di­gung tra­ten sie zu­sam­men mit den bei­den Bis­he­ri­gen aus dem Un­ter­land, Pris­ka Sei­ler Graf (SP, Klo­ten) und Bar­ba­ra St­ei­ne­mann (SVP, Re­gens­dorf), in die ers­te De­bat­te der Ses­si­on: die um­strit­te­nen Re­geln für Bun­des­haus­lob­by­is­ten.

Dass Lob­by­ar­beit zu ih­rem neu­en All­tag ge­hört, merk­ten die

Neu­en schon am ers­ten Abend: Nach dem ers­ten Ses­si­ons­tag buhl­ten meh­re­re Dut­zend Ver­bän­de und Or­ga­ni­sa­tio­nen mit Netz­werk-Apé­ros um die Auf­merk­sam­keit des neu­en Par­la­ments. «Ich fol­ge der Ein­la­dung von Eco­no­mie­su­is­se», sag­te Schaff­ner. «Da­bei geht es um ein ers­tes Be­schnup­pern, um mit­tel­fris­tig ab­zu­schät­zen, mit wem ich zu­sam­men­ar­bei­ten will.»

Wem die bei­den ih­re be­gehr­ten «Göt­ti»-Bad­ges für Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher ge­ben wer­den, steht aber noch nicht fest. Bar­ba­ra Schaff­ner wird ei­nen ih­rem Part­ner Paul zur Ver­fü­gung stel­len – er ar­bei­tet in Bern als Bauöko­lo­ge.

Am Mon­tag­mor­gen er­öff­ne­te Bun­des­bern die 51. Le­gis­la­tur – das Par­la­ment ist so links und so weib­lich wie noch nie. 68 Na­tio­nal­rä­tin­nen und Na­tio­nal­rä­te be­tra­ten po­li­ti­sches Neu­land, un­ter ih­nen zwei aus dem Zürcher Un­ter­land: Bar­ba­ra Schaff­ner und Jörg Mä­der – bei­de Grün­li­be­ra­le, die vom Er­folg ih­rer Par­tei in den Ok­to­ber­wah­len über­wäl­tigt wor­den wa­ren. Das Bun­des­haus als neu­er Ar­beits­platz, das sei ihr am Emp­fang vor ei­ner Wo­che schon spe­zi­ell ein­ge­fah­ren, er­zählt die 51-jäh­ri­ge Otel­fin­ge­rin Schaff­ner. «Schon der Kan­tons­rat war 2011 ein gros­ser Schritt, weil ich da­vor kein po­li­ti­sches Amt in­ne­hat­te. Al­les war neu.» Und nun: Na­tio­nal­rat. Mä­der, der 44-jäh­ri­ge Op­fi­ker, hat­te sein Glück noch ver­gan­ge­nen März im Zürcher Re­gie­rungs­rat ver­sucht. «Das wä­re auch ge­ni­al ge­we­sen», sagt er nun. «Aber in der Po­li­tik muss ich in Op­tio­nen den­ken.» Cool sei es den­noch.

Grün­li­be­ra­le sit­zen rechts

Es ist 7.49 Uhr, Ein­stieg in den In­ter­ci­ty-Ex­press vom Zürcher zum Ber­ner Haupt­bahn­hof. Schaff­ner und Mä­der steht ein lan­ger Tag be­vor: Um 9.15 Uhr be­ginnt die Frak­ti­ons­sit­zung, um 14.30 Uhr die ers­te Na­tio­nal­rats­sit­zung. Auf­grund des gros­sen Zu­wach­ses der Grü­nen und Grün­li­be­ra­len ist auf der lin­ken Sei­te der Gros­sen Kam­mer kein Platz mehr für die GLP. Die 16 Grün­li­be­ra­len sit­zen nun, zu­sam­men mit FDP und SVP, rechts der Mit­te – Bar­ba­ra Schaff­ner nimmt gar al­lei­ne in der vor­ders­ten GLPRei­he Platz, di­rekt ne­ben dem Ber­ner SVP-Mann Erich Hess.

Schaff­ner und Mä­der wer­den – zu­sam­men mit der Klo­te­ne­rin Pris­ka Sei­ler Graf (SP) und der Re­gens­dor­fe­rin Bar­ba­ra St­ei­ne­mann (SVP) so­wie 196 wei­te­ren Ge­wähl­ten – im Na­tio­nal­rat ver­ei­digt. Die Waadt­län­der FDPFrau Isa­bel­le Mo­ret wird zur Na­tio­nal­rats­prä­si­den­tin ge­wählt. Und: Mä­der und Schaff­ner er­le­ben ih­re ers­te De­bat­te über ei­ne Initia­ti­ve zu trans­pa­ren­tem Lob­by­ing

im Par­la­ment, ein­ge­bracht vom eins­ti­gen SP-Stän­de­rat Di­dier Ber­be­rat.

In vie­ler­lei Hin­sicht al­so ein gros­ser Kon­trast zur Ge­mein­de­po­li­tik, wo bei­de po­li­ti­sie­ren – und zum Kan­tons­rat. Aus die­sem sind Schaff­ner wie Mä­der aus­ge­tre­ten, «ei­ne grosse Er­leich­te­rung», wie Schaff­ner sagt, die mit der Kom­mis­si­on für Ver­kehr, Ener­gie und Um­welt ein auf­wen­di­ges Gre­mi­um be­legt hat­te. «Bei vie­len The­men, die ich be­ar­bei­ten woll­te, hiess es: Das wird in Bern ent­schie­den.» Nun will sie ih­re Schwer­punk­te wei­ter­hin in der Ener­gie­po­li­tik und der Raum­pla­nung set­zen. Auch Mä­der bleibt auf sei­nen Ste­cken­pfer­den: Um­welt, Di­gi­ta­li­sie­rung, Ge­sund­heits­po­li­tik. Nur die – nicht zu­letzt fi­nan­zi­el­len – Di­men­sio­nen wer­den ein Viel­fa­ches grös­ser sein. «Ins­ge­samt wird es wohl an­stren­gen­der», stellt er fest. Des­halb ha­be er ent­schie­den, sich in der ers­ten Ses­si­on hun­dert Pro­zent auf Bern zu kon­zen­trie­ren. «In Op­fi­kon wer­den sie das über­le­ben.» In Otel­fin­gen wür­den die Ge­mein­de­rats­kol­le­gen wohl ver­mehrt Sit­zun­gen oh­ne sie ab­hal­ten, sagt er zu Schaff­ner. Doch sie hält ent­waff­nend da­ge­gen: «Ich war bis­her die, die am we­nigs­ten ge­fehlt hat.»

Net­wor­king am Abend

Ab 19 Uhr lo­cken Dut­zen­de Ken­nen­lern-Apé­ros und Net­wor­king-An­läs­se; auch das ein Un­ter­schied zum Kan­tons­rat: «Wir wer­den stär­ker be­stürmt und mit Un­ter­la­gen ein­ge­deckt», sagt Mä­der. Das se­he er aber nicht als Be­ein­flus­sung. «Wir sind als Lai­en ge­wählt, und wenn wir nicht be­reit sind, uns Stand­punk­te

an­zu­hö­ren, ma­chen wir un­se­ren Job nicht rich­tig. Die Fra­ge ist nur, wie wir die neu­en In­for­ma­tio­nen ge­wich­ten.» Er wird ei­nem An­lass im Pfle­ge­be­reich bei­woh­nen; Schaff­ner hat ent­schie­den, der Ein­la­dung der Eco­no­mie­su­is­se zu fol­gen. Dann ei­ne Nacht im Ho­tel aus­ru­hen – und nicht nur am nächs­ten Tag, son­dern min­des­tens die nächs­ten vier Jah­re wei­ter­po­li­ti­sie­ren.

«Bei vie­len The­men, die ich be­ar­bei­ten woll­te, hiess es vor­her: Das wird in Bern ent­schie­den.»

Bar­ba­ra Schaff­ner Neu ge­wähl­te Na­tio­nal­rä­tin und Otel­fin­ger Ge­mein­de­prä­si­den­tin

Fo­to: Leo Wy­den

Die Grün­li­be­ra­len Jörg Mä­der (Op­fi­kon) und Bar­ba­ra Schaff­ner (Otel­fin­gen) hat­ten ges­tern ih­re Pre­mie­re im Na­tio­nal­rat.

Vo­r­erst ist der Roll­kof­fer Be­glei­ter der bei­den Un­ter­län­der: Sie über­nach­ten in Bern.

Fo­tos: Leo Wy­den

Bar­ba­ra Schaff­ner und Jörg Mä­der, die bei­de oft mit dem öf­fent­li­chen Ver­kehr un­ter­wegs sind, rei­sen seit Mon­tag mit dem 1.-Klass-Ge­ne­ral­abon­ne­ment.

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