Po­li­zei darf neu ge­gen stal­ken­de Nach­barn vor­ge­hen

Zürcher Unterländer - - Vorderseit­e -

Kan­tons­rat Wenn ei­nem der Nach­bar im­mer wie­der Zet­tel mit un­flä­ti­gen Wor­ten in den Brief­kas­ten legt, wenn die Ex die neue Part­ne­rin ih­rer Ver­flos­se­nen mit SMS be­läs­tigt, dann sind der Po­li­zei im Kan­ton Zü­rich der­zeit die Hän­de ge­bun­den. An­ders in be­ste­hen­den oder auf­ge­lös­ten Paar­be­zie­hun­gen: In die­sem Fall kann die Po­li­zei schon heu­te den Tä­ter für 14 Ta­ge mit ei­nem Kon­takt- oder Rayon­ver­bot be­le­gen oder ihn wenn nö­tig aus der Woh­nung wei­sen. Ab dem 1. Ju­li 2020 soll die Po­li­zei nun auf glei­che Wei­se ge­gen Stal­ker vor­ge­hen kön­nen, die nie ei­ne Be­zie­hung zum Op­fer hat­ten. Der Zürcher Kan­tons­rat hat sich ges­tern gross­mehr­heit­lich mit ei­ner ent­spre­chen­den Ge­set­zes­än­de­rung ein­ver­stan­den ge­zeigt.

Kan­tons­rat Schweiz­weit wer­den durch­schnitt­lich zwei Hass­de­lik­te ge­gen Schwu­le und Les­ben von der Hel­pli­ne der LGBT-Dach­ver­bän­de pro Wo­che er­fasst. In ei­nem Pos­tu­lat for­der­ten des­halb ges­tern im Kan­tons­rat AL- und SP-Par­la­men­ta­ri­er, dass Po­li­zis­ten im Um­gang mit LGBT-feind­li­chen Ag­gres­sio­nen ge­schult wer­den. Die Kur­se sol­len da­bei in Gr­und­aus­bil­dun­gen und Wei­ter­bil­dun­gen er­teilt wer­den.

Die Rats­mit­glie­der zeig­ten in ih­ren Vo­ten mehr­heit­lich Sym­pa­thi­en für das Pos­tu­lat. Kri­tik wur­de al­ler­dings am Textin­halt ein­ge­bracht. Tho­mas Vo­gel (FDP, Ill­nau-Ef­fre­ti­kon) fand das An­lie­gen «ver­schwur­belt for­mu­liert». Er mein­te auch, dass die Po­li­zei kei­nen «Nach­hil­fe­un­ter­richt» für LGBT-An­lie­gen be­nö­ti­ge. Trotz­dem zeig­te er sich im Na­men der FDP be­reit, das Pos­tu­lat zu un­ter­stüt­zen. Der Re­gie­rungs­rat sol­le sich ein­ge­hend mit LGBT-An­lie­gen be­schäf­ti­gen.

Das The­ma ent­ta­bui­sie­ren

Der Prä­si­dent des Ver­bands der Kan­tons­po­li­zei, Mar­kus Schaaf (EVP, Zell), sah eben­falls kei­nen Schu­lungs­be­darf bei sei­nen Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen. «Schon heu­te fra­gen die Be­am­ten die Ver­haf­te­ten, ob sie von ei­ner Po­li­zis­tin oder ei­nem Po­li­zis­ten un­ter­sucht wer­den wol­len», so Schaaf.

Bri­git­te Röös­li (SP, Ill­nau-Ef­fre­ti­kon) schil­der­te ei­ge­ne Erlebnisse. «Wenn ich abends mit mei­ner Frau nach Hau­se lau­fe, über­le­ge ich mir im­mer, ob ich sie an der Hand neh­me oder nicht.» Sie ken­ne ho­mo­se­xu­el­le Ju­gend­li­che, die in Zü­rich zu­sam­men­ge­schla­gen wur­den und trotz­dem nicht auf den Po­li­zei­pos­ten gin­gen. Grund sei de­ren Angst, von den Po­li­zis­ten nicht ernst ge­nom­men zu wer­den. «Mit die­sem Pos­tu­lat wol­len wir das The­ma ent­ta­bui­sie­ren.»

Da­mit konn­te sie al­ler­dings Va­len­tin Land­mann (SVP, Zü­rich) nicht über­zeu­gen. Er ver­ste­he zwar ih­re An­lie­gen, meint er. «Aber ich se­he bei den Po­li­zei­or­ga­nen ein­fach kei­nen Hand­lungs­be­darf.» Der Rat stimmt dem Ge­schäft schliess­lich mit 112 Ja-Stim­men ge­gen 56 NeinS­tim­men zu. Das Pos­tu­lat wird nun an den Re­gie­rungs­rat über­wie­sen.

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