Für die Schwei­zer Hand­bal­ler ist das EM-Aben­teu­er nach der Vor­run­de zu En­de

Die Eu­ro­pa­meis­ter­schaft geht oh­ne die Schwei­zer wei­ter. Sie flie­gen nach dem 25:29 (10:16) ge­gen Slo­we­ni­en in die Hei­mat zu­rück.

Zürcher Unterländer - - Vorderseit­e - Foto: Keysto­ne

Die Ent­täu­schung steht ihm nach dem 25:29 ge­gen Slo­we­ni­en ins Ge­sicht ge­schrie­ben: Ni­co­las Ra­e­my und sei­ne Team­kol­le­gen müs­sen nach drei Spie­len be­reits die Heim­rei­se an­tre­ten. (red)

Der Ab­schied hat­te sich ab­ge­zeich­net, und der Ab­schied ist nun Tat­sa­che ge­wor­den. Den Schwei­zern hät­te auch ein Sieg über Slo­we­ni­en nichts ge­bracht, denn im zwei­ten Grup­pen­spiel schlug Schwe­den – we­nig über­zeu­gend – die Po­len.

Die Schwei­zer wa­ren nicht mehr in der La­ge, et­was zu ei­ner span­nen­den Aus­gangs­la­ge im Abend­match bei­zu­tra­gen. Es schien, als ob ei­ni­ge für den gros­sen phy­si­schen Auf­wand, den sie vor­her be­trie­ben hat­ten, den Preis be­zah­len muss­ten. Und vi­el­leicht auch, als ob die Nie­der­la­ge der Schwe­den am Sonn­tag – nach dem Tri­umph der Schweiz über Po­len – dem ei­nen oder an­dern ein biss­chen aufs Ge­müt ge­schla­gen hat­te. Denn es wä­re ge­gen die­se Slo­we­nen doch tat­säch­lich ein bes­se­res Ab­schnei­den mög­lich ge­we­sen.

In den ers­ten Mi­nu­ten auf je­den Fall stand die Schwei­zer De­fen­si­ve gut, hielt Ni­ko­la Port­ner die wich­ti­gen Bäl­le – und be­gin­gen die Slo­we­nen un­ge­wöhn­lich vie­le Feh­ler. Doch die Schwei­zer wa­ren nicht in der Ver­fas­sung, das aus­zu­nüt­zen. Nach zehn Mi­nu­ten hat­ten sie erst drei Ge­gen­to­re kas­siert, aber be­reits die ers­ten ganz gros­sen Chan­cen ver­ge­ben.

«Wir hat­ten ei­ne gu­te Ver­tei­di­gung, ich konn­te auch mit ei­ni­gen Pa­ra­den hel­fen. Aber bis zur Pau­se er­mög­lich­ten wir ih­nen mit Feh­lern und schlech­ten Schüs­sen sehr vie­le ein­fa­che To­re», kri­ti­sier­te Cap­tain Ni­ko­la Port­ner. Es sah nach ei­ner Vier­tel­stun­de noch gut aus (5:6), nach 19 Mi­nu­ten hiess es 6:8. Fünf Mi­nu­ten spä­ter aber war das Spiel mit der 13:6-Füh­rung Slo­we­ni­ens fast schon ent­schie­den. In die­ser Pha­se un­ter­lie­fen den Schwei­zern Feh­ler, die man vor­her nicht ge­se­hen hat­te. Mehr­mals leg­ten sie den Ball fast un­be­drängt in die Hän­de der Geg­ner. Selbst An­dy Schmid hat­te ei­nen Durch­hän­ger. Von der lin­ken Sei­te kam we­nig Un­ter­stüt­zung, Len­ny Ru­bin war auch im drit­ten Tur­nier­spiel ge­hemmt, er ist in der Of­fen­si­ve nie rich­tig an der EM an­ge­kom­men. Im rech­ten Rück­raum lief mit Di­mi­trij Küt­tel we­nig, Ni­co­las Ra­e­my ist nicht in der La­ge, über der­mas­sen gros­se Ver­tei­di­ger zu schies­sen.

Es blieb ei­gent­lich nur das Kreis­spiel. Das for­cier­te Schmid, aber auch aus sechs Me­tern wur­den viel zu vie­le Chan­cen ver­wor­fen. Kle­men Fer­lin im Tor der Slo­we­nen kam in den ers­ten 30 Mi­nu­ten auf 10 Pa­ra­den, die Schweiz hat­te glei­che Zah­len, aber in an­dern Be­rei­chen: Von 30 An­grif­fen ver­wer­te­te sie nur de­ren 10. «Wir hat­ten ei­ni­ge rich­tig wich­ti­ge Ak­tio­nen in der De­fen­si­ve», freu­te sich Slo­we­ni­ens Coach Lju­bo­mir Vran­jes.

Wich­ti­ges Auf­ho­len

Ge­gen die­se ab­so­lu­te Spit­zen­mann­schaft hät­te al­les op­ti­mal lau­fen müs­sen, um den Match lan­ge of­fen­zu­hal­ten. Aber im­mer­hin, als die Ge­fahr droh­te, dass die Schweiz ein zwei­tes Mal de­klas­siert wür­de, «als vie­les nach ei­ner Klat­sche aus­sah, da ha­ben wir uns noch ein­mal auf­ge­fan­gen», sag­te Na­tio­nal­trai­ner Micha­el Su­ter. Er ha­be in der Pau­se den Cha­rak­ter ge­lobt, den sein Team im­mer wie­der ge­zeigt ha­be, und das Team auf­ge­for­dert: «Das brau­chen wir jetzt.»

Denn er wuss­te: Je­des Tor zählt. Für die End­ab­rech­nung an die­ser EM, die dann auch Ein­fluss ha­ben wird auf die WM­Qua­li­fi­ka­ti­on und die dort mög­li­chen Geg­ner. Die zwei­te Hälf­te wur­de so­gar ge­won­nen. Das sei jetzt kei­ne Flos­kel, kün­dig­te Su­ter sei­nen nächs­ten Satz in sei­ner Analyse an: «Ich bin stolz auf die­se Mann­schaft.»

Der nächs­te Ter­min für die Na­tio­nal­mann­schaft ist die Aus­lo­sung für die WM-Qua­li­fi­ka­ti­on, die ers­te Play­off-Pha­se fin­det be­reits Mit­te April statt, die zwei­te dann im Ju­ni. Und im Ok­to­ber be­ginnt be­reits wie­der die Qua­li­fi­ka­ti­on für die EM 2022.

Su­ter hat es in den drei­ein­halb Jah­ren im Amt ge­schafft, das In­ter­es­se an der Mann­schaft zu we­cken. Es war er­staun­lich, wie vie­le Schwei­zer den Weg nach Gö­te­borg fan­den.

Foto: En­nio Le­an­za (Keysto­ne)

Das Schwei­zer Team ver­ab­schie­det sich nach dem kur­zen, aber lehr­rei­chen Auf­tritt an der EM vom Pu­bli­kum.

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